Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
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Neo-Kantianism,
History of political thought,
Hist
Lange galt die liberale Demokratie als Garant sozialer Gerechtigkeiteine Vorstellung, die in den letzten Jahren durch den Zusammenbruch der sozialliberalen Demokratie grundlegend infrage gestellt wurde. Politikwissenschaftler und Ökonomen distanzieren sich zunehmend davon, liberale Modelle als Grundlage für Demokratie und soziale Gerechtigkeit anzuerkennen. Im Mittelpunkt steht die Suche nach politischen und ökonomischen Modellen, die tatsächlich soziale Stabilität gewährleisten. Dieses Projekt rückt die Ideen einer vergessenen Tradition in den Fokus: den Linkskantianismus. Diese Strömung entstand im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als marxistische Theorien dominierten und Kant nach einer Ära des Hegelianismus erneut an Bedeutung gewann. Zugleich war es die Zeit des Niedergangs der Kaiserreiche, in der Staaten gezwungen waren, die Idee einer sozialdemokratischen Republik nicht nur zu theoretisieren, sondern auch umzusetzen. Linkskantianische Denker betrachteten Demokratie als ein System, in dem Normen so gestaltet sein müssen, dass sie die Interessen aller widerspiegeln. Sie stützten sich auf Kants Idee des unparteiischen Standpunkts. Anders als Theoretiker, die Kant für liberale Gerechtigkeitsmodelle fruchtbar machtenModelle, in denen Legitimität durch prozedurale Verfahren oder Vertragstheorien entstehtgingen Linkskantianer davon aus, dass unsere Vorstellungen von Glück und Gerechtigkeit in der Gemeinschaft geformt werden und ideologischer Verzerrung unterliegen. Daher entwickelten sie kantianische Konzepte weiter, um eine Kultur zu schaffen, die erkennen lässt, was tatsächlich im Interesse der Allgemeinheit liegt. Ziel dieses Projekts ist es, diese Ideen mit zeitgenössischen Denkern in Dialog zu bringen und zu zeigen, dass sie weiterhin wertvolle Denkanstöße liefern. Ich verstehe Linkskantianismus als erfahrungsbasierte Position, die zwar der Kritischen Theorie nahesteht, dieselben Fragen jedoch aus einer Perspektive beantwortet, die der sozialen Erkenntnistheorie ähnlicher ist. Dieses Projekt zeigt, dass seine Konzeption sozialer Demokratie (oder links-kommunitaristischen Republikanismus) Probleme lösen kann, an denen der analytische Marxismus scheitert. Ebenso argumentiere ich, dass neu-republikanische Ansätze weniger gut mit ideologischer Verblendung umgehen können als der links-kommunitaristische Republikanismus.
- Martin Kusch, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Violetta Waibel, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Christian Damböck, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Karin De Boer, Katholieke Universiteit Leuven - Belgien
- Scott Edgar, Saint Mary`s University - Kanada
- Nicholas Vrousalis, Erasmus University Rotterdam - Niederlande
- Katherina Kinzel - Niederlande
- Charlotte Baumann - Vereinigtes Königreich
- James Furner - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 2 Zitationen
- 1 Publikationen
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2025
Titel Kant's Republican Account of Citizenship DOI 10.1111/rati.12441 Typ Journal Article Autor Widmer E Journal Ratio Seiten 118-128 Link Publikation