Chronischer Stress als Risikofaktor für long COVID
Chronic stress as a risk factor for long COVID
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (80%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (20%)
Keywords
- Long Covid,
- SARS-CoV-2,
- Chronic Stress,
- Risk Facto
Die Erkrankung, die durch den Erreger SARS-CoV-2 verursacht wird, ist als Coronavirus-Erkrankung mit der Kurzbezeichnung COVID-19 bekannt. Die akute Phase dieser Erkrankung dauert typischerweise ein bis zwei Wochen und führt in der Regel zu einer vollständigen Erholung. Bei zirka 10-30% der erkrankten Personen bleiben die Symptome jedoch über mehr als vier Wochen nach Krankheitsbeginn vorhanden. In diesem Fall liegt eine anhaltende COVID-19-Erkrankung vor, die als Long COVID bezeichnet wird. Long COVID kann über viele Monate weiterbestehen und die betroffenen Personen aufgrund der gesundheitlichen Langzeitfolgen erheblich belasten und einschränken. Die Ursachen für Long COVID sind nach wie vor ungeklärt und dementsprechend sind auch therapeutische Maßnahmen noch unzureichend entwickelt. Es wird angenommen, dass Long COVID prinzipiell jede und jeden treffen kann. Als mögliche Risikofaktoren für Long COVID gelten beispielsweise Alter, Geschlecht, Übergewicht und die Anzahl der Symptome während einer akuten COVID-19- Erkrankung. Ein weiterer möglicher Risikofaktor für die Entwicklung von Long COVID könnte chronischer Stress sein, der das Immunsystem nachweislich belastet. Von Infektionen mit anderen Coronaviren und anderen viralen Atemwegserkrankungen ist bekannt, dass chronischer Stress zu längerer Krankheit und eingeschränkter Genesung führen kann. Das Ziel dieser Studie ist es, chronischen Stress, wie er bereits vor der Infektion mit dem Coronavirus bestanden hat, als möglichen Risikofaktor für Long COVID systematisch zu untersuchen. Zu diesem Zweck werden 600 Personen mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion und COVID-19- Symptomen für diese Studie rekrutiert. Die Belastung durch chronischen Stress wird psychologisch mittels Fragebögen sowie physiologisch untersucht. Durch die Messung der Konzentration des Stresshormons Cortisol im Haar kann der physiologische Stresslevel des Organismus vor der Infektion analysiert werden. Der Krankheitsverlauf wird über 6 Monate beobachtet. Dadurch kann festgestellt werden, ob diejenigen Personen, die vor der Infektion eine höhere Belastung durch chronischen Stress haben, auch eher eine anhaltende COVID-19-Erkrankung bzw. Long COVID entwickeln. In der Untergruppe der Personen mit Long COVID werden außerdem die Stoffwechselprozesse im Blut, die mit der Stressreaktion des Körpers in Verbindung stehen, näher untersucht und diese Ergebnisse mit jenen einer Kontrollgruppe ohne Long COVID verglichen. Die Studienergebnisse werden dazu beitragen, den Einfluss von chronischem Stress auf das Auftreten von langfristigen gesundheitlichen Folgen nach der akuten Phase von COVID-19 auf mehreren Ebenen zu bewerten. In weiterer Folge könnten anhand dieser Ergebnisse Risikopersonen für Long COVID möglicherweise frühzeitig erfassbar sowie sekundärpräventive Maßnahmen und innovative Therapieansätze für Long COVID entwickelt werden.
Diese Studie der Med Uni Graz ("StressLoC") hat erstmals chronischen Stress im Monat vor der SARS-CoV-2-Infektion als Risikofaktor für anhaltendes, symptomatisches COVID-19, eine frühe Long-COVID-Phase, sowohl psychologisch als auch physiologisch in systematischer Form untersucht. In der prospektiven Kohorte (n=288) berichteten 73 % noch vier Wochen nach Krankheitsbeginn von COVID-19 über neue, alltagsbeeinträchtigende Beschwerden, die Long COVID definieren. Es zeigte sich, dass subjektiv wahrgenommener höherer Stress im Monat vor COVID-19 ein Risikofaktor für das Auftreten der Frühform von Long COVID ist. Dieser Zusammenhang war jedoch nur für psychologischen Stress und nicht für den physiologischen Stressparameter Cortisol, wie er im Haupthaar hinsichtlich der letzten beiden Monate vor Beginn von COVID-19 gemessen wurde, gegeben. Subjektiv wahrgenommene höhere Stressbelastung vor der akuten Erkrankung war zudem mit einem schwereren Verlauf von COVID-19 assoziiert. Die Ergebnisse ordnen subjektiv wahrgenommene chronische Stressbelastung vor einer SARS-CoV-2 Infektion als einen zusätzlichen Risikofaktor für Long COVID ein. Dies ist relevant für die Prävention von Long COVID und möglicherweise auch für die Behandlung dieses Krankheitsbildes. Daher ist es wünschenswert und gesundheitspolitisch relevant, die Bevölkerung und die Gesundheitspolitik von diesem Studienergebnis in Kenntnis zu setzen. Anhaltender subjektiver Stress ist auch bei anderen Erkrankungen, zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, als Risikofaktor beteiligt. Subjektiver chronischer Stress sollte nunmehr auch mit Blick auf Long COVID als postinfektiöse Folgeerkrankung präventiv beachtet und wenn möglich reduziert werden. Dies kann in Hinblick auf Prävention eigenständig oder mit professioneller Unterstützung erfolgen.
- Vojko Kavcic, Wayne State University - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 4 Zitationen
- 1 Publikationen
-
2025
Titel Perceived Chronic Stress prior to SARS-CoV-2 Infection Predicts Ongoing Symptomatic COVID-19: A Prospective Cohort Study DOI 10.1159/000547858 Typ Journal Article Autor Fazekas C Journal Psychotherapy and Psychosomatics Seiten 76-87 Link Publikation