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Kortikale Selbstregulation von lokaler Hirnaktivität bei ASS

VOLITIONAL MODIFICATION OF BRAIN ACTIVITY IN ASD

Lilian Konicar (ORCID: 0000-0002-0822-061X)
  • Grant-DOI 10.55776/KLI600
  • Förderprogramm Klinische Forschung
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2017
  • Projektende 31.10.2021
  • Bewilligungssumme 394.049 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (70%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (15%); Psychologie (15%)

Keywords

    Autism, Neurofeedback, Adolescents, Intervention, Brain-Compter-Interface, Slow Cortical Potentials

Abstract Endbericht

Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, wenig Gespür für die Gestimmtheit anderer Menschen, eigentümliche Sprech- und Ausdrucksweise und merkwürdige Gewohnheiten und Rituale? Diese und noch weitere Symptome und Charakteristika werden heutzutage unter dem Begriff der Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zusammengefasst. Die Wurzeln dieser Störung werden in einer veränderten Entwicklung des Gehirnsab dem frühen Kindesalter angenommen, wodurch es zu lebenslangen Einschränkungen und schweren Belastungen der Betroffenen kommen kann. Lilian Konicar und ihr Team rekrutieren 40 Jugendliche mit ASS, um ein intensives, therapeutisches Programm zu testen, in dem die Jugendlichen lernen sollen ihre Hirnaktivität nur durch ihre Gedanken zu steuern. Die Methode nennt sich Neurofeedback und konnte schon gute Erfolge in der Behandlung von der Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Störung erzielen. Die jungen Patienten werden zunächst an ein EEG-Gerät angeschlossen und ihre Hirnaktivität wird aufgezeichnet. Danach wird die Hirnaktivität durch ein Objekt auf einem Computerbildschirm dargestellt (z.B. ein Fisch). Die Patienten sollen in einem weiteren Schritt versuchen, das Objekt in eine bestimmte Richtung zu bewegen, indem sie ihre Hirnaktivität willentlich steigern oder senken. Nach erfolgreichen Versuchen erhalten die Jugendlichen positives Feedback (das Symbol einer Sonne), wie in einem Videospiel. Während der dreimonatigen Trainingsphase durchlaufen alle Patienten 24 Neurofeedback Sitzungen, in denen sie immer besser lernen das Objekt (den Fisch) zu steuern und so die verschiedenen Aktivitätszustände des Gehirns zu produzieren (Steigerung der Hirnaktivität, Senkung der Hirnaktivität). Die Forschungsgruppe vermutet, dass Patienten mit ASS - ähnlich wie gesunde Probanden oder andere Patienten- grundsätzlich in der Lage sind, die willentliche Kontrolle über ihre Hirnaktivität zu erlernen und so die bei ASS vermutete Fehlaktivierung des Gehirns ausgleichen können. Des Weiteren erwarten die Forscher, dass sich ASS- typische Symptome nach dem experimentellen Hirn-Regulations-Training verbessern. Um dies zu untersuchen wendet die Forschergruppe eine Kombination an Methoden an: selbst beobachtete Veränderungen von ASS- Symptomen werden mit Hilfe verschiedener Fragebögen und Interviews mit den Patienten, aber auch mit ihren Eltern erfragt. Computertests werden verwendet um Änderungen im Verhalten und den sogenanntenVitalparametern,wie Hautleitfähigkeit oderHerzfrequenz,nachdem Neurofeedbacktraining festzustellen. Auch Veränderungen im Gehirn selbst werden gemessen: die Funktionen, die Struktur, das Zusammenspiel von Bereichen des Gehirns die für das Sozialverhalten wichtig sind, sowie Aktivierungszustände des Gehirns in Ruhe werden mit den Techniken der Elektroenzephalographie (EEG) und funktioneller Magnetresonanz Tomographie (fMRT) nach dem Neurofeedbacktraining aufgezeichnet und mit den Messungen vor dem Training verglichen. Die Ergebnisse dieses Pilotprojektes können den Weg für die erste biologisch basierte, nicht-invasive, nicht pharmakologische Behandlung von Patienten mit Autismus-Spektrum Störung ebnen.

Rain Mans' Gehirn - Unter Kontrolle Kortikale Selbstregulation von lokaler Hirnaktivität bei Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung Eine Neurofeedback Studie der langsamen, kortikalen Potentiale Mit dieser Studie konnte Dr. Lilian Konicar und ihr ABC BRAIN LAB Team zeigen, dass es auch für Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störung möglich ist, zu lernen, wie sie das Aktivitätsniveau ihres eigenen Gehirns willentlich verändern können. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diese erfolgreiche Steuerung der Gehirnaktivität über EEG-Neurofeedback mit Verbesserungen der klinischen Kernsymptome der Autismus-Spektrum-Störung zusammenhängt. Insbesondere störungsbedingte Schwierigkeiten in der sozialen Kognition und in autistischen Verhaltensauffälligkeiten haben sich nach dem therapeutischen Gehirntraining deutlich verbessert. Diese klinischen, psychologischen Effekte konnten auch auf der Ebene des Gehirns selbst gemessen werden: die Ruhe-Aktivität des Hirns zeigte sich nach dem Training im EEG balancierter (also ähnlich wie bei Jugendlichen ohne Autismus-Spektrum-Störung: ohne besondere Auffälligkeiten). Darüber hinaus wurde mittels Magnetresonanztomographie gezeigt, dass die Veränderungen auf der neuralen Ebene im Ruhezustand, mit Verbesserungen in den emotionalen Fähigkeiten der Jugendlichen nach dem Hirntraining zusammenhängen. Dass Verhaltensmerkmale, wie erhöhte Impulsivität, das Erlernen der Hirnaktivitätskontrolle maßgeblich beeinflussen, konnte in weiteren Analysen des Projekts gezeigt werden. Jedoch auch diese ungünstigen Verhaltensmerkmale zeigten sich nach dem Gehirntraining bedeutsam verbessert. Ein explorativer Vergleich zwischen weiblichen Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung und männlichen Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung zeigte, dass beide Geschlechter in gleicher Weise in der Lage waren, die Steuerung der Gehirnaktivität über EEG-Neurofeedback zu erlernen. Neben diesem geschlechtsunspezifischen Therapieeffekt sollte vielmehr auf die Beurteilung und Diagnose von Mädchen mit Autismus-Spektrum-Störung geachtet werden, welche auf alle Fälle geschlechtsangepasste klinisch-psychologische Messinstrumente und moderne Diagnoseverfahren erfordert. Der angewandte Methodenmix dieser Studie, inklusive der psychologischen Ratings und Interviews, der computergestützten Tests, der Messungen der Gehirnaktivität via EEG und der Gehirnaktivierung via Magnetresonanztomographie, belegt die Wirksamkeit dieser intensiven EEG-basierten Neurotherapie. Insgesamt erhärten die Ergebnisse dieses Projekts die wissenschaftliche Evidenz, dass Neurotherapie, via EEG-basiertem Neurofeedback, als biologisch basierte, nicht-invasive, nicht-pharmakologische, nachhaltige Behandlung für junge Patient:Innen mit Autismus-Spektrum-Störung, eine vielversprechende Zukunft hat.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Niels Birbaumer, Eberhard-Karls-Universität Tübingen - Deutschland

Research Output

  • 59 Zitationen
  • 14 Publikationen
  • 1 Policies
  • 1 Künstlerischer Output
  • 2 Methoden & Materialien
  • 1 Disseminationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2021
    Titel Effects of an intensive slow cortical potentials neurofeedback training in female and male adolescents with autism spectrum disorder
    DOI 10.1007/s00508-021-01989-7
    Typ Journal Article
    Autor Werneck-Rohrer S
    Journal Wiener klinische Wochenschrift
    Seiten 60-68
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Repeated Sessions of Transcranial Direct Current Stimulation on Adolescents With Autism Spectrum Disorder: Study Protocol for a Randomized, Double-Blind, and Sham-Controlled Clinical Trial
    DOI 10.3389/fpsyt.2021.680525
    Typ Journal Article
    Autor Prillinger K
    Journal Frontiers in Psychiatry
    Seiten 680525
    Link Publikation
  • 2020
    Titel P197 Modulation of cortical activity with non-invasive neurostimulation in children and adolescents with autism spectrum disorder – a randomized, double-blind and sham-controlled study
    DOI 10.1016/j.clinph.2019.12.308
    Typ Journal Article
    Autor Prillinger K
    Journal Clinical Neurophysiology
  • 2024
    Titel Multisession tDCS combined with intrastimulation training improves emotion recognition in adolescents with autism spectrum disorder
    DOI 10.1016/j.neurot.2024.e00460
    Typ Journal Article
    Autor Prillinger K
    Journal Neurotherapeutics
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Brain regulation training improves emotional competences in patients with alcohol use disorder
    DOI 10.1093/scan/nsae048
    Typ Journal Article
    Autor Hack R
    Journal Social Cognitive and Affective Neuroscience
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Effects of Transcranial Direct Current Stimulation on Social Attention Patterns and Emotion Recognition Ability in Male Adolescents with Autism Spectrum Disorder
    DOI 10.3390/jcm12175570
    Typ Journal Article
    Autor Prillinger K
    Journal Journal of Clinical Medicine
    Seiten 5570
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Individual brain regulation as learned via neurofeedback is related to affective changes in adolescents with autism spectrum disorder
    DOI 10.1186/s13034-022-00549-9
    Typ Journal Article
    Autor Klöbl M
    Journal Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health
    Seiten 6
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Consensus on the reporting and experimental design of clinical and cognitive-behavioural neurofeedback studies (CRED-nf checklist).
    Typ Journal Article
    Journal BRAIN
  • 2021
    Titel Volitional modification of brain activity in adolescents with Autism Spectrum Disorder: A Bayesian analysis of Slow Cortical Potential neurofeedback.
    DOI 10.1016/j.nicl.2021.102557
    Typ Journal Article
    Autor Konicar L
    Journal NeuroImage. Clinical
    Seiten 102557
  • 2024
    Titel Additional file 1 of Individual brain regulation as learned via neurofeedback is related to affective changes in adolescents with autism spectrum disorder
    DOI 10.6084/m9.figshare.26985463
    Typ Other
    Autor Klöbl M
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Additional file 1 of Individual brain regulation as learned via neurofeedback is related to affective changes in adolescents with autism spectrum disorder
    DOI 10.6084/m9.figshare.26985463.v1
    Typ Other
    Autor Klöbl M
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Impulsivity Moderates the Effect of Neurofeedback Training on the Contingent Negative Variation in Autism Spectrum Disorder
    DOI 10.3389/fnhum.2022.838080
    Typ Journal Article
    Autor Prillinger K
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 838080
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Individual brain regulation as learned via neurofeedback is related to affective changes in adolescents with autism spectrum disorder
    DOI 10.1101/2022.05.24.22275449
    Typ Preprint
    Autor Klöbl M
    Seiten 2022.05.24.22275449
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Evaluation of Neurofeedback Learning in Patients with ADHD: A Systematic Review
    DOI 10.1007/s10484-022-09562-2
    Typ Journal Article
    Autor Kuznetsova E
    Journal Applied Psychophysiology and Biofeedback
    Seiten 11-25
    Link Publikation
Policies
  • 2017
    Titel Educational courses, mental health information lectures and hands on experiences for non-profit support networks, organizations and public events
    Typ Influenced training of practitioners or researchers
Künstlerischer Output
  • 2020
    Titel LAB Logo
    Typ Artwork
Methoden & Materialien
  • 2022
    Titel MRI Optimization for young populations or polulations iwth ADHD
    Typ Physiological assessment or outcome measure
    Öffentlich zugänglich
  • 0
    Titel Development and optimisation of a empathy biomarker therapy outcome mesaure
    Typ Physiological assessment or outcome measure
Disseminationen
  • 2018
    Titel Open LAB Summer Day
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2022
    Titel Editor for Scientific Reports
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2021
    Titel KLIF (Clinical Studies)
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2021

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