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Psychologische Kurzintervention für afghanische Geflüchtete

A brief psychological intervention for Afghan asylum seekers

Brigitte Lueger-Schuster (ORCID: 0000-0003-0784-8437)
  • Grant-DOI 10.55776/KLI755
  • Förderprogramm Klinische Forschung
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2019
  • Projektende 31.05.2023
  • Bewilligungssumme 329.214 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (10%); Psychologie (90%)

Keywords

    Refugees, Brief Psychological Intervention, Psychotrauma

Abstract Endbericht

Flüchtlinge und Asylwerber haben ein großes Risiko, an psychischen Krankheiten zu leiden. Afghanische Flüchtlinge stellen eine besonders vulnerable Gruppe dar, da sie über ein geringes durchschnittliches Bildungsniveau und daher geringes Wissen über psychische Gesundheit verfügen. Psychische Probleme werden durch traumatische und andere belastende Erlebnisse vor und während der Flucht geprägt. Neben diesen Ereignissen, sind insbesondere Postmigrations-Stressoren einer der größten Belastungsfaktoren für Flüchtlinge. Behandlungsmanuale berücksichtigen diese Stressoren kaum. Der Großteil der vorhandenen Therapiemanuale fokussiert auf die Behandlung der Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Allerdings leiden viele Flüchtlinge auch an anderen psychischen Problemen wie Depression oder Angststörungen. Es gibt so gut wie keine Forschung zur Behandlung der psychischen Probleme abseits der PTBS. Mit der hier präsentierten Studie möchten wir erstmalig die Wirksamkeit eines kurzen psychologischen Behandlungsmanuals für afghanische Flüchtlinge überprüfen, das wir im Rahmen der Studie so adaptieren, dass es auch Postmigrations- Stressoren berücksichtigt (adaptiertes Problem Management Plus, PM+). Weiters werden wir die subjektive Erfahrung der Teilnehmenden mit dem Manual ermitteln und die Möglichkeit einer breitenwirksameren Implementierung überprüfen. Dieses Vorhaben wird in mehreren Schritten realisiert: Erstens adaptieren wir das bereits vorhandene Manual um Postmigrations-Stressoren zu lindern, zweitens überprüfen wir die Wirksamkeit des adaptierten Manuals, drittens führen wir Tiefeninterviews mit Teilnehmende nach der Behandlung durch und viertens entwickeln und evaluieren wir ein online Schulungsprogramm für Psychologen und Psychotherapeuten. Die Adaptierung des Manuals wird auf den Ergebnissen von Interviews mit Experten aufbauen, die seit Jahren mit Flüchtlingen im Psychosozialen Bereich abreiten (Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiater, Sozialarbeiter). Für die Überprüfung der Wirksamkeit werden wir 120 afghanische Flüchtlinge einladen, die auf einer Psychotherapie-Warteliste stehen, an unserer Studie teilzunehmen. Die ein Hälfte wird per Zufall der Behandlungsgruppe, die andere Hälfte der Kontrollgruppe zugeordnet werden. Die Behandlungseinheiten finden mit einem Dari Dolmetscher statt und die Behandlung wird von klinischen Psychologen durchgeführt. Das Manual beinhaltet sechs Einheiten zu je 90 Minuten. Wir verwenden die Veränderung in der allgemeinen Symptombelastung von vor der Behandlung zu sechs Monate danach als Maß für die Wirksamkeit. Zusätzlich erfassen wir die Veränderung in der Belastung durch Postmigrations-Stressoren, PTBS Symptomen und Lebensqualität mittels Fragebögen. Mit einem Teil der Behandlungsgruppe werden Tiefeninterviews durchgeführt, um die subjektiven Erfahrungen und Bewertungen des Behandlungsmanuals zu erfragen. In der finalen Phase des Projekts erstellen und evaluieren wir ein online Trainingsmodul, mit dem Psychologen und Psychotherapeuten sich in der hier evaluierten Behandlungsweise fortbilden können. Auf diese Weise könnten zukünftig zahlreiche Behandler dieses Manual einsetzen. Insgesamt zielen wir mit dem Projekt darauf ab, die Versorgung von psychischen Problemen bei afghanischen Flüchtlingen und Asylwerbern zu verbessern.

Postmigratorische Lebensschwierigkeiten und psychische Probleme zeigten sich als besonders belastend für geflüchtete Menschen aus Afghanistan, die in Österreich leben. Ungefähr zwei Drittel unserer Teilnehmer:innen berichten über funktionale Beeinträchtigungen in Bezug auf die Bewältigung der täglichen Anforderungen, den Spracherwerb und den Alltagsaktivitäten. Die Teilnahme an der psychologische Kurzintervention "adaptiertes Problem Management+" (aPM+) führte zu einer signifikanten Reduktion der psychischen Probleme und Belastungen und linderte auch die Belastungserfahrungen durch die postmigratorischen Lebensschwierigkeiten. Die Teilnehmenden schätzen diese Intervention sehr. Auch psychosoziale Expert:innen, die an unserem online Training zu aPM+ teilnahmen, beurteilten diese Intervention positiv. Für die Teilnehmenden war insbesondere die Atemübung sehr angenehm, die psychosozialen Expert:innen betonten den Wert der flexiblen Anwendung je nach Erfordernis der Behandlungssituation. Es zeigten sich keine spezifischen Unterschiede hinsichtlich der postmigratorischen Lebensschwierigkeiten in Bezug zum Ausmaß der psychischen Belastung. In Bezug auf diejenigen, die unter einer Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung litten, zeigte sich allerdings ein erhöhtes Risiko, die postmigratorischen Belastungen als besonders schwerwiegend zu empfinden. Dies gilt insbesondere für den Spracherwerb und die Sprachbarrieren. Spezifisches Wiederleben traumatischen Expositionen (z.B. Kriegstraumata oder Traumata, die während der Flucht erlebt wurden), und Probleme mit der Emotionsregulation zeigten sich als zentrale Symptomgruppen im Zusammenspiel mit den postmigratorischen Lebensschwierigkeiten Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Integration der postmigratorischen Lebensschwierigkeiten in psychologische Interventionsprozesse. Die Ergebnisse verweisen auf die Bedeutung der kultursensitiven psychologischen Behandlung für Geflüchtete, die mit dem Ziel verbunden sein sollte, dass Geflüchtete psychische Probleme erkennen, verstehen und vermehrt psychosoziale Versorgung in Anspruch nehmen, um ihre psychische Gesundheit, ihre Lebenszufriedenheit und ihr Wohlbefinden langfristig zu verbessern. In zukünftigen Forschungsprojekten sollte explizit auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden eingegangen werden und ihre subjektive Wahrnehmung sollte in die Forschung und die klinische Arbeit mit einfließen. Das komplexe Zusammenspiel zwischen psychischer Gesundheit, täglichen Alltagsproblemen, postmigratorischen Lebensschwierigkeiten und einer erfolgreichen Integration in Österreich verweist auf den Bedarf psychologischer Kurzinterventionen. Insbesondere die Sprachbarriere könnte mithilfe von spezifische geschulten Dolmetscher:innen überwunden werden um die psychische Gesundheit zu verbessern und dadurch auch den Spracherwerb zu beschleunigen und die soziale Inklusion zu erleichtern.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Ingo Schäfer, Universität Hamburg - Deutschland

Research Output

  • 87 Zitationen
  • 18 Publikationen
Publikationen
  • 2023
    Titel “My brain freezes and I am blocked again”: The subjective experience of post-migration living difficulties influenced by complex posttraumatic stress disorder of Afghan asylum seekers and refugees in Austria
    DOI 10.1371/journal.pone.0288691
    Typ Journal Article
    Autor Schiess-Jokanovic J
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Mental health professionals’ perspective on a brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees
    DOI 10.1080/20008198.2022.2068913
    Typ Journal Article
    Autor Knefel M
    Journal European Journal of Psychotraumatology
    Seiten 2068913
    Link Publikation
  • 2023
    Titel “I’ve been waiting for 10 years to start living again” – Self-perceived problems of Afghan asylum seekers and refugees and their experiences with a short psychological intervention
    DOI 10.21203/rs.3.rs-2814406/v1
    Typ Preprint
    Autor Kantor V
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Self-perceived problems of Afghan asylum seekers and refugees and their experiences with a short psychological intervention
    DOI 10.1186/s12889-023-17076-7
    Typ Journal Article
    Autor Kantor V
    Journal BMC Public Health
    Seiten 2157
    Link Publikation
  • 2022
    Titel A brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees in Austria: a randomized controlled trial
    DOI 10.1080/20008198.2022.2068911
    Typ Journal Article
    Autor Knefel M
    Journal European Journal of Psychotraumatology
    Seiten 2068911
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Additional file 1 of The boundaries between complex posttraumatic stress disorder symptom clusters and post-migration living difficulties in traumatised Afghan refugees: a network analysis
    DOI 10.6084/m9.figshare.19670287
    Typ Other
    Autor Knefel M
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Additional file 1 of The boundaries between complex posttraumatic stress disorder symptom clusters and post-migration living difficulties in traumatised Afghan refugees: a network analysis
    DOI 10.6084/m9.figshare.19670287.v1
    Typ Other
    Autor Knefel M
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Mental health professionals' perspective on a brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees
    DOI 10.6084/m9.figshare.19928707.v1
    Typ Other
    Autor Kantor V
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Mental health professionals' perspective on a brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees
    DOI 10.6084/m9.figshare.19928707
    Typ Other
    Autor Kantor V
    Link Publikation
  • 2022
    Titel A brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees in Austria: a randomized controlled trial
    DOI 10.6084/m9.figshare.19867676.v1
    Typ Other
    Autor Kantor V
    Link Publikation
  • 2022
    Titel A brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees in Austria: a randomized controlled trial
    DOI 10.6084/m9.figshare.19867676
    Typ Other
    Autor Kantor V
    Link Publikation
  • 2020
    Titel MOESM1 of A brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees in Austria: a randomized controlled trial
    DOI 10.6084/m9.figshare.11565198
    Typ Other
    Autor Kantor V
    Link Publikation
  • 2020
    Titel MOESM1 of A brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees in Austria: a randomized controlled trial
    DOI 10.6084/m9.figshare.11565198.v1
    Typ Other
    Autor Kantor V
    Link Publikation
  • 2020
    Titel A brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees in Austria: a randomized controlled trial
    DOI 10.1186/s13063-019-3839-9
    Typ Journal Article
    Autor Knefel M
    Journal Trials
    Seiten 57
    Link Publikation
  • 2019
    Titel A brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees in Austria: A Randomized Controlled Trial
    DOI 10.21203/rs.2.14025/v1
    Typ Preprint
    Autor Knefel M
    Link Publikation
  • 2019
    Titel A brief transdiagnostic psychological intervention for Afghan asylum seekers and refugees in Austria: A Randomized Controlled Trial
    DOI 10.21203/rs.2.14025/v2
    Typ Preprint
    Autor Knefel M
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The boundaries between complex posttraumatic stress disorder symptom clusters and post-migration living difficulties in traumatised Afghan refugees: a network analysis
    DOI 10.1186/s13031-022-00455-z
    Typ Journal Article
    Autor Schiess-Jokanovic J
    Journal Conflict and Health
    Seiten 19
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Complex post-traumatic stress disorder and post-migration living difficulties in traumatised refugees and asylum seekers: the role of language acquisition and barriers
    DOI 10.1080/20008198.2021.2001190
    Typ Journal Article
    Autor Schiess-Jokanovic J
    Journal European Journal of Psychotraumatology
    Seiten 2001190
    Link Publikation

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