Organische Überzüge auf metallischen Museumsobjekten
Study of organic coatings on metal based museum objects
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Andere Naturwissenschaften (40%); Chemie (30%); Kunstwissenschaften (20%)
Keywords
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Organic Coatings,
GC-MS,
Works Of Art,
FTIR,
Characterisation,
Preservation
Im Rahmen eines noch laufenden FWF-Projekts (Projekt Nr. P15640-N03) wurde im Naturwissenschaftlichen Labor des Kunsthistorischen Museums (KHM) eine Gaschromatographie-Massenspektrometrie-Kombination (GC- MS) für die Analyse von komplexen Bindemittelsystemen an historischen Kunstwerken installiert. In den letzten beiden Jahren wurde durch die ebenfalls vom FWF finanzierte Beschäftigung eines Post-Doc-Projektmitarbeiters die Einrichtung einer Datenbank für die Untersuchung natürlicher Bindemittel mittels GC-MS und Pyrolyse-GC- MS ermöglicht und durch die Optimierung der eingesetzten Verfahren mit der Analyse einzigartiger Kunstobjekte begonnen. Im beantragten Projekt werden diese verbesserten Probenaufbereitungs- und Analysen-methoden, gemeinsam mit der umfangreichen Datenbank und einer Serie von ca. 9000 extra angefertigten und teilweise künstlich gealterten Referenzproben zur Untersuchung organischer Überzüge auf Metallobjekten angewandt. Die Analysen mittels GC- MS werden dabei um solche mittels Fourier-Transform-Infrarot-Mikroskopie mit abgeschwächter Totalreflexion (FTIR-ATR) - durchgeführt vom Ordinariat für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien - erweitert. An einer Serie von 650 Bronzeskulpturen (Renaissance und Barock) aus der Kunstkammer des KHM sollen die heute vorliegenden organischen Überzüge charakterisiert werden. Diese umfassen sowohl von den Künstlern selbst aufgetragene, getönte organische Anstriche (originale "Patinierungen") als auch spätere, im Zuge von Restaurierungen als Korrosions- schutz oder zur Veränderung des ästhetischen Erscheinungsbildes aufgebrachte Lacke. Eine systematische Untersuchung dieser Überzüge und damit des Zustandes der Objektoberflächen wurde bisher nicht vorgenommen. Dies ist aber eine unmittelbare Voraussetzung sowohl für ihre kunsthistorische Aufarbeitung als auch für die Entwicklung von Restaurierkonzepten zur bestmöglichen Erhaltung dieser einzigartigen und äußerst wertvollen Objekte. Zusätzlich soll der Zustand der organischen Überzüge an den Blei-Zinn-Sarkophagen der Kapuzinergruft, die durch die hohe relative Luftfeuchte starke Korrosionserscheinungen zeigen, analysiert werden. Die nach 1790 original mit Schellack und organischen Farbstoffen eingefärbten Oberflächen wurden während mehrerer Restaurierungen zwischen 1964 und 2002 mit unterschiedlichen Überzügen, z.B. Epoxidharzen, Nitrocellulose- Lacken und/oder Lacken auf Acrylharzbasis behandelt. Im Zuge einer 2002-2003 vom Ordinariat für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien, durchgeführten Bestandsaufnahme konnte v.a. an den mit diesen rezenten Schutzüberzügen behandelten Oberflächen wiederum starke Korrosionsentwicklung beobachtet werden. Voraussetzung für die möglichst wirksame konservatorische Behandlung der Sarkophage ist die umfassende Charakterisierung der nun vorliegenden mehrschichtigen Überzugssysteme sowie deren chemischer Einflüsse auf die Metalloberflächen.
- Tatjana Bayerova, Universität für angewandte Kunst Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in