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Zukunftsoptionen für die Andamanen und Nikobaren Inseln

Viable Futures for the Andaman and Nicobar Archipelago

Marina Fischer-Kowalski (ORCID: 0000-0003-3345-4538)
  • Grant-DOI 10.55776/L275
  • Förderprogramm Translational-Research-Programm
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2005
  • Projektende 28.02.2010
  • Bewilligungssumme 231.273 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geowissenschaften (50%); Soziologie (25%); Wirtschaftswissenschaften (25%)

Keywords

    Transition Studies, Socio-Economic Metabolism, Multi-Criteria Evaluation, Social Ecology, Stakeholder Participation, Sustainability Science

Abstract Endbericht

Das Projekt widmet sich einer sozialökologischen, akteursorientierten Untersuchung von Zukunftsoptionen der indigenen Bevölkerung der Andamanen und Nikobaren Inseln nach der Tsunami Katastrophe im Dezember 2004. Das Ziel der beantragten Forschung ist die Bereitstellung von wissenschaftlichen Grundlagen für die Planung und Umsetzung und Evaluation von Wiederaufbaumaßnahmen und die Formulierung von Entwicklungsoptionen für die indigene Bevölkerung der Andamanen und Nikobaren Inseln. Diese Entwicklungsoptionen sollen dem Konzept einer nachhaltigen Entwicklung gerecht werden und die soziale und kulturelle Integrität der indigenen Bevölkerung stützen. Die Forschung soll dazu beitragen internationale Hilfsgelder in einer nachhaltigen Weise einzusetzen. Die Forschung wird wesentliche Ergebnisse für das im Aufbau befindliche Feld von Transition Studies liefern, indem sie in einer durch den Tsunami am Stärksten betroffenen Region das Verständnis des Zusammenwirkens von natürlichen, kulturelle, und institutionellen Faktoren im Umgang mit Naturkatastrophen liefert. Besonderes Augenmerk wird auf die Möglichkeiten und Bedrohungen der lokalen traditionellen Bevölkerung angesichts einer Öffnung gegenüber Außeneinflüssen gelegt. Methodisch strebt die Forschung eine systematische Verbindung zwischen unterschiedlichen analytischen Methoden (Material- und Energieflussanalyse, Landnutzung) und akteursorientierten Methoden an.

RECOVER, ein FWF gefördertes translationales Projekt, wurde initiiert um wissenschaftliche Unterstützung für die Rehabilitation einer indigenen Gemeinschaft, den vom Tsunami stark betroffenen Nikobaresen, bereit zu stellen. ForscherInnen vom Institut für Soziale Ökologie in Wien waren bereits mehrere Jahre auf den Nikobaren tätig und konnten gute Beziehungen zu lokalen Akteuren aufbauen. Die Nikobaresen bewohnen die Inselgruppe der Nikobaren südöstlich des indischen Festlands. Sie lebten hauptsächlich in Subsistenzwirtschaft, die auf Fischen, Jagen, Sammeln und dem Halten von Schweinen und Hühnern beruhte. Die Erzeugung von Copra - getrockneten Kokosnüssen - erlaubte ihnen den Eintausch von Produkten, die auf der Inselgruppe nicht verfügbar waren. Der Tsunami 2004 hat nicht nur tausende Leben gefordert, er zerstörte auch die Dörfer, ihre Kulturgüter, den Viehbestand, die Kokospalmen, das küstennahe Ökosystem und damit ihre gesamte Ressourcenbasis. Bald nach dem Tsunami stellte sich heraus, dass es seitens der Wissenschaft quasi eine Verpflichtung gab, ihre Expertise bereit zu stellen. RECOVER kooperierte mit dem unmittelbar nach dem Tsunami gegründeten Sustainable Indigenous Futures (SIF) Fonds und stellte laufend Expertise zur Verfügung, wie finanzielle Ressourcen kulturell angepasst und ökologisch nachhaltig investiert werden kann. Die Unterstützung reichte von raschen Bedarfsabschätzungen, dringlichen Interventionen bis hin zur Entwicklung eines Computer-Modells zur Evaluation von Entwicklungsszenarios für die Inselgruppe. Der Prozess war sehr herausfordernd, da das Projekt mit den sich rasch ändernden Dynamiken auf der Inselgruppe, ausgelöst durch humanitäre Hilfe, Schritt halten musste. In unserem Verständnis war die humanitäre Hilfe größten Teils weder angepasst noch nachhaltig und erzeugte eine starke Ressourcenabhängigkeit von außen. Damit hat die humanitäre Hilfe sowohl die Eigenverantwortung als auch die Fähigkeit zur Selbsthilfe stark untergraben. Die Vorgänge auf der Inselgruppe veranlassten uns einen neuen Begriff zu prägen: complex disaster. Dieser beschreibt eine Situation, in der nach einer Naturkatastrophe gut gemeinte humanitäre Interventionen die Fähigkeit einer indigenen Bevölkerung stark vermindert, sowohl den Wiederaufbau zu schaffen als auch nachhaltige Lebensweisen zu entwickeln, die ohne fortgesetzte Hilfe von außen möglich sind. Wissenschaftlich diagnostizierten wir ein Unverträglichkeit der Logik humanitärer Hilfe mit nachhaltiger Entwicklung. Methodisch konnten wir Fortschritte in der Modellierung von Material-, Energieverbrauch und Landnutzung mit Zeitverwendung erzielen, um so Chancen und biophysische Limitierungen verschiedener Entwicklungsoptionen aufzuzeigen. Letztlich gelang SIF und RECOVER die Einbeziehung eines indischen Partners, dem Tata Institute of Social Science (TISS) in Mumbai. TISS wird basierend auf den Ergebnissen von RECOVER lokale Institutionen auf der Inselgruppe stärken, um die lokale Entwicklung nachhaltiger Lebensweisen zu stützen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Klagenfurt - 100%

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