Measuring and modelling expression in piano performance
Measuring and modelling expression in piano performance
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (30%); Kunstwissenschaften (20%); Physik, Astronomie (30%); Psychologie (20%)
Keywords
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Piano,
Modelling,
Psychology,
Music,
Expression,
Performance
In die Systematische Musikwissenschaft fließen Methoden und Konzepte aus diversen Disziplinen wie Mathematik, Physik, Informatik, Biologie, Kognition und Sozialwissenschaften mit ein. Musikalischer Ausdruck beinhaltet strukturelle, emotionale wie auch körperliche Aspekte. Wir werden unser Hauptaugenmerk auf den strukturellen Ausdruck beim Klavierspiel legen - also die Kommunikation von musikalischer Struktur durch Variationen in Timing, Dynamik, Artikulation und Pedalgebrauch. Sundberg und Friberg entwickelten Director Musices, ein System von kontextabhängigen Regeln, das Variationen in der automatischen Aufführung der Partitur-Eingabedateien einführt. Wir werden diesen generativen Ansatz mit dem musiktheoretischen, auf Akzent basierenden Zugang von Parncutt (2003) kombinieren. Als Akzent wird jedes Ereignis betrachtet, welches die Aufmerksamkeit eines Hörers erregt. Immanente Akzente können aus der Partitur abgeleitet werden und hängen mit (zeitlicher, serieller) Gruppierung (Phrasierung), Metrik (Takt), Melodie (Gipfel, Sprünge) und Harmonie (Dissonanz) zusammen. Interpretatorische Akzente in Klaviermusik entstehen bei Änderungen in Timing, Dynamik, Artikulation und Pedalgebrauch und variieren in Amplitude, Form (Amplitude als Funktion der Zeit) und Dauer (Zeitraum, in dem Zeit oder Dynamik betroffen ist). Wir werden die Frage stellen, auf welche Weise interpretatorische Akzente von immanenten Akzenten abhängen. Aus praktischen Gründen werden wir andere Einflüsse auf musikalischen Ausdruck außer Acht lassen. Wir haben vor, Director Musices in zweierlei Hinsicht zu entwickeln: konzeptionell, durch Berücksichtigung des akzentbasierten Konzeptes in der Dokumentation; und mathematisch, durch eine Anpassung der algorithmischen Formulierungen an die Akzent-Theorie. Die mathematischen Anpassungen werden schrittweise vollzogen und wiederholt durch zwei empirische Verfahren überprüft: (i) Vergleich der generierten Aufführung (z.B. im MIDI- Format) mit einer Datenbank aufgezeichneter Aufführungen, und (ii) Evaluierung der Musikqualität der generierten Aufführungen durch Hörexperimente. Richard Parncutt wird das Projekt in Graz betreuen. Anders Friberg wird bei der Durchführung der Software- Änderungen beraten. Gerhard Widmer, Luke Windsor, Caroline Palmer und Nicholas Cook haben sich bereit erklärt, zu unserer MIDI-Datenbank beizutragen, mit der die generierten Aufführungen verglichen werden. Widmer hat ebenfalls angeboten, Tempo- und Lautstärkekurven für bestimmte Stücke und Passagen in bestimmten Aufnahmen zu berechnen (nach Widmer, 2003). Wenn die musikalische Qualität der Aufführungen, die durch Director Musices generiert werden, tatsächlich durch eine klarere Verbindung von Aufführung und Analyse verbessert werden kann, planen wir die pädagogischen Implikationen in einer Anschlussstudie zu untersuchen. Klavierstudierende werden nach unserem Zugang unterrichtet und ihr Fortschritt wird dokumentiert.
- Universität Graz - 100%