Konfliktmanagement in Wölfe und Hunde: Domestizierung Wirkung
Conflict management in wolves and dogs: domestication effect
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Captive wolves,
Pre-conflict management,
Domestic dogs,
Reconciliation,
Domestication,
Bystander affiliation
Individuals living in group gain benefits by cooperating with each other but they also compete with others for resources. To continue to benefit from group-living, animals have developed a variety of peace-keeping tactics, including behavioural mechanisms that regulate resource distribution, prevent aggressive escalation of conflicts and mitigate or repair the damage caused by such escalations. It follows that mechanisms of conflict management are a critical component of the social life of any group-living species. Conflict resolution appears to be a natural phenomenon with similar expressions and procedures in different species. However, while several theories have been developed and tested in order to discuss how nonhuman primates manage aggressive conflicts, few efforts have been made to empirically test corresponding hypotheses in other highly social species. Such data from a wide range of taxa are a prerequisite, however, to develop a more comprehensive understanding of the social conditions under which conflict resolution occurs, the cognitive capacities required for it and the selective forces that have shaped its evolution. In this project, we aim at closing the gap by investigating conflict management in pack-living wolves (Canis lupus) and dogs (Canis familiaris). Since several studies suggest that both species show a social organization similar to those of some primate species, a number of hypotheses regarding the function of conflict management, that have so far been considered only in primates, will be tested (Question 1). Several authors suggest a co-variance between the use of socially complex strategies and socio-cognitive skills that enable group living. Current theories outline the possibility that the process of domestication has changed dogs` socio-cognitive skills when compared to those of their wolf ancestor so as to allow them to become better adapted to the human environment. However, it is unknown whether the change in cognitive abilities has also caused changes in the social relationships and conflict management skills of dogs when they interact with their conspecifics. Therefore, we aim to compare conflict management strategies between wolf and dog packs in order to shed light on the effect of domestication on such behavioural mechanisms and to highlight new questions about socio-cognitive skills of dogs. Overall, three opposing working hypotheses will be put forward to explain possible differences or similarities between captive wolf and domestic dog packs living under the same conditions (Question 2). The Wolf Science Center offers a unique opportunity to investigate the effects of domestication by comparing dog and wolf packs the members of which are raised and kept in the same way into adulthood. This approach ensures that the behavioural differences we find will be based on species-specific genetic differences, and cannot be attributed to differences in individual experiences.
Alle sozialen Gruppen profitieren von der aktiven Zusammenarbeit zwischen ihren Mitgliedern, was aber gleichzeitig zu Konflikten beim Wettbewerb um Ressourcen führt. Diese Konflikte können die zukünftige Zusammenarbeit gefährden und die Vorteile der Sozialität mindern. Daher sind Mechanismen zur Vermeidung oder Lösung von Konflikten ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens jeder Gruppe. Der gezielte Austausch von freundschaftlichen Verhaltensweisen (sogenannte Pre-Conflict Management) kann die Toleranz zwischen den Gruppenmitgliedern vor einer vorhersehbaren Konfliktperiode erhöhen und den aggressiven Wettbewerb reduzieren. Versöhnung (reconsiliation) und Trost (consolation) sind zwei Strategien die dazu beitragen können, mögliche negativen Konsequenzen nach dem Konflikt zu vermeiden. Versöhnung ist die freundschaftliche Interaktion zwischen früheren Gegnern nach einem Konflikt und sie reduziert das Auftreten weiterer Aggression und stellt die angeschlagene Beziehung auf Vorkonfliktniveau wieder her. Trost, welche die freundschaftliche Interaktion zwischen dem Opfer und einem Unbeteiligten darstellt, lindert den Stress des Opfers und reduziert durch den Konflikt verursachte Spannungen. Während die Strategien für Konfliktmanagement in Menschen und nicht-menschlichen Primaten bereits intensiv untersucht worden sind, ist über ihr Auftreten bei anderen sozial lebenden Arten weniger bekannt. Daher haben wir die sozialen Interaktionen von Wölfen und ihren domestizierten Verwandten, den Hunden, beobachtet, um unser Wissen über ihre Strategien des Konfliktmanagements zu erweitern und um die Wirkung des Domestizierungsprozesses zu untersuchen. Obwohl Konflikte zwischen Wölfen häufiger auftreten als bei Hunden, waren diese durch weniger schwere und mehr ritualisierte Aggressionen gekennzeichnet. Im Wolfsrudel haben wir dabei die Verwendung sowohl von Vor- als auch Nachkonfliktstrategien festgestellt. Wir haben herausgefunden, dass freundliche Interaktionen, die vor der Fütterung auftreten (eine vorhersagbare Konfliktphase), das Risiko einer aggressiven Eskalation verringern und die Zeit, in der die Wölfe gemeinsam fressen, erhöht. Darüber hinaus reduziert die Versöhnung, die kurz nach einem Konflikt auftritt, das Auftreten weiterer Aggressionen zwischen den Gegnern. Sowohl Versöhnung als auch Trost verringern die Häufigkeit der stressbedingten Verhaltensweisen der Opfer. Im Gegensatz zu Wölfen treten diese Vor- und Nachkonfliktstrategien bei Hunden nicht auf. Anstatt zu versuchen, mit dem potentiell negativen Effekt eines Konfliktes umzugehen, meiden die Hunde die Interaktion und Kommunikation mit ihren Gegnern und anderen Rudelmitgliedern. Dies ist die erste Reihe von Studien, die direkt die Konfliktmanagementstrategien von Wölfen und Hunden verglichen haben. Sie erweitern unser Verständnis dieser Prozesse in beiden Arten und betonen die signifikanten Veränderungen des intraspezifischen Verhaltens, die durch den Domestizierungsprozess verursacht wurden. Wir schlussfolgern dass bei den Wölfen aufgrund ihrer hohen Abhängigkeit vom Sozialgefüge und der Zusammenarbeit zwischen den Rudelmitgliedern die Bewältigung von Konflikten eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung der Rudelkohäsion spielt. Im Gegenzug kann bei Hunden, die als Folge der Domestizierung auf die Sozialität und die Zusammenarbeit mit anderen Hunden weniger als Wölfe angewiesen sind, die Verwendung von Konfliktmanagementstrategien stark von sozialen und ökologischen Bedingungen beeinflusst werden. Zukünftige Forschung sollte dazu beitragen zu klären, welche Faktoren die Verwendung dieser Strategien bei Hunden fördern und modulieren können.
- Wolfsforschungszentrum GmbH - 100%
Research Output
- 78 Zitationen
- 3 Publikationen
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2017
Titel Age-graded dominance hierarchies and social tolerance in packs of free-ranging dogs DOI 10.1093/beheco/arx059 Typ Journal Article Autor Bonanni R Journal Behavioral Ecology Seiten 1004-1020 -
2017
Titel Post-conflict opponent affiliation reduces victim re-aggression in a family group of captive arctic wolves (Canis lupus arctos) DOI 10.1371/journal.pone.0187450 Typ Journal Article Autor Lazzaroni M Journal PLOS ONE Link Publikation -
2016
Titel Dominance relationships in a family pack of captive arctic wolves (Canis lupus arctos): the influence of competition for food, age and sex DOI 10.7717/peerj.2707 Typ Journal Article Autor Cafazzo S Journal PeerJ Link Publikation