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A. W. Ambros in Wien: Musikaufsätze und -rezensionen

A. W. Ambros in Vienna: Essays and Reviews in Music

Marketa Stedronska (ORCID: 0000-0002-0983-6491)
  • Grant-DOI 10.55776/M1658
  • Förderprogramm Lise Meitner
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2014
  • Projektende 31.03.2017
  • Bewilligungssumme 134.540 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (70%); Philosophie, Ethik, Religion (20%)

Keywords

    Ambros, Hanslick, Aesthetics, Edition, Criticism, Vienna

Abstract Endbericht

Es ruht ein eigenes zauberhaftes Wohlbehagen über einem solchen Leben, zu dem selbst auch der schon nach Süden deutende Ton in Stadt und Landschaft das Seine beiträgt. Wer diesen Zauber kennen gelernt, den zieht es immer und immer wieder nach Wien (August Wilhelm Ambros) Nach einer rund dreißigjährigen Wirkungsperiode in Prag wechselte Ende 1871 August Wilhelm Ambros, laut Friedrich Blume eine der glänzendsten Erscheinungen unter den deutschen Musikschriftstellern des 19. Jahrhunderts, nach Wien, um das Musikleben dieser Stadt bis zu seinem Tod 1876 mitzuprägen. Das geplante Forschungsprojekt wendet sich dieser letzten fünfjährigen Periode seines Wirkens zu. Sie war trotz ihrer Kürze von einer vergleichbaren Intensität wie die drei Jahrzehnte umfassende Prager Zeit: Ambros wurde in Wien mit dem musik- und kunstgeschichtlichen Unterricht des Kronprinzen Rudolf beauftragt, darüber hinaus übernahm er eine Professur am Konservatorium, las Vorlesungen an der Universität, betrieb musikgeschichtliche Forschung, komponierte und schrieb, vorwiegend für die Wiener Zeitung, zahlreiche Musikkritiken, -feuilletons und -essays. Gerade durch diese ca. 150 Aufsätze und Rezensionen, in denen sich das außerordentlich rege Wiener Musikleben der 1870er Jahre widerspiegelt, wird sein Wiener Wirken am umfassendsten dokumentiert. Das Ziel des geplanten Projekts ist es, diese bisher weitgehend vernachlässigten und grundsätzlich nicht edierten Quellen in einer historisch-kritischen Ausgabe zugänglich zu machen und sie im Kontext von Ambros` vorausgegangener musikästhetischer und -kritischer Arbeit wie auch im Kontext der Wiener Musikkritik und -ästhetik der 1870er Jahre, v. a. der Person Eduard Hanslick, auszuwerten. Die Wiener Aufsätze und Rezensionen von Ambros sind nicht nur als Abschluss von dessen musikschriftstellerischer Tätigkeit, sondern auch als letzte Phase des zwischen ihm und Hanslick geführten musikästhetischen Diskurses zu verstehen. Insofern geben sie Antwort auf die bisher offene Frage, wie sich dieser Diskurs, der Mitte der 1850er Jahre mit Hanslicks Traktat Vom Musikalisch-Schönen und der polemischen Antwort darauf in den Gränzen der Musik und Poesie von Ambros eröffnet wurde, unter dem Einfluss der Musikereignisse der 1870er Jahre, also u. a. Vorbereitungen auf Wagners Gesamtkunstwerk der Zukunft, Aufführungen von Liszts Programmmusik, Aufkommen der Instrumentalmusik von Brahms, entwickelt hat. Sie ermöglichen, zu bestimmen, welche Position Ambros nach seiner Übersiedlung nach Wien im Umfeld einer formalistisch orientierten Philosophie und Ästhetik Österreichs tatsächlich, d. h. unabhängig von seiner 1855 veröffentlichten Polemik gegen Hanslick, eingenommen hat. Nicht zuletzt kann anhand des zu edierenden Quellenmaterials die Existenz jener zu wenig beachteten Richtung der Wiener Musikkritik ausführlich dokumentiert werden, die völlig außerhalb des Parteienstreites zwischen Wagnerianern und Antiwagnerianern um eine möglichst objektive Herangehensweise bemüht war.

Das Hauptergebnis des Forschungsprojekts ist eine zweibändige Edition von Musikaufsätzen und rezensionen aus der Feder des Musikschriftstellers August Wilhelm Ambros (18161876). Die Edition umfasst die Jahre 18721876 eine Zeit, die Ambros u. a. als Musikrezensent bei der Wiener Zeitung und als Musik- und Kunstgeschichtslehrer des Kronprinzen Rudolf in Wien verbracht hat. Für die Wiener Zeitung und deren Beilage Wiener Abendpost hat Ambros im Laufe dieser fünfjährigen Periode zahlreiche Musikfeuilletons, aufsätze und Kurzrezensionen geschrieben. Diese waren bis heute nur wenig oder kaum bekannt, da sie bis auf einige Ausnahmen nur in den zeitgenössischen Quellen, d. h. verstreut in verschiedenen Ausgaben der Wiener Zeitung, zugänglich waren. In der vorliegenden Edition werden sie zum ersten Mal in einer gesammelten Form veröffentlicht. Beide Bände enthalten insgesamt 265 Aufsätze aus den Jahren 18721876. Unter diesen finden sich hauptsächlich Berichte über die Wiener Konzert- und Opernaufführungen, daneben Rezensionen von Musikalien und Musikbüchern, Ausstellungsberichte (Musik auf der Wiener Weltausstellung 1873), Komponistenporträts und sonstige musikbezogene Essays. Beschrieben werden wichtige Ereignisse des Wiener Musiklebens der 1870er-Jahre, zu denen etwa die Aufführungen von Werken Richard Wagners und Johannes Brahms? gehören. Ambros berichtet über viele in Wien aufgetretene KünstlerInnen und Musikensambles, allen voran über die Konzerte der Wiener Philharmoniker, des Quartetts Hellmesberger, des Florentiner Quartetts und des Trios von Anton Door. In der Edition werden alle Texte nicht nur in die moderne Schrift übertragen, wobei allerdings alle spezifischen Merkmale der damaligen Schreibweise beibehalten werden, sondern vor allem ausführlich kommentiert. In den Erläuterungen finden die LeserInnen Informationen über die im Text genannten Personen und Werke, Nachweise von Zitaten, Erklärungen von ungebräuchlichen Wörtern und Fremdwörtern wie auch Querverweise auf andere Schriften Ambros? bzw. anderer Autoren. Darüber hinaus werden in den Erläuterungen wichtige musikgeschichtliche Zusammenhänge ermittelt, so dass auch Laien alle Texte nachvollziehen können, ohne Hilfe in diversen Musikenzyklopädien suchen zu müssen. Bestandteil der Edition sind ferner einige Verzeichnisse, etwa ein chronologisches Verzeichnis aller besprochenen Musikveranstaltungen, und nicht zuletzt ein vollständiges Personen- und Werkregister. In der Edition, die im Hollitzer Verlag in Wien erscheinen wird, wird nicht nur Ambros? Stellung innerhalb der Wiener Musikkritik der 1870er-Jahre, sondern auch ein wichtiges Kapitel der europäischen Musikgeschichte ausführlich dokumentiert. Dank ihres inhaltlichen Reichtums und brillanten Stils können Ambros Aufsätze und Rezensionen sowohl von WissenschaftlerInnen ausgewertet als auch von musikinteressierten Laien gelesen werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 4 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel ' und keine Götter auf Erden seien neben ihm.' August Wilhelm Ambros' Kritik an der zeitgenössischen Glorifizierung Richard Wagners.
    Typ Journal Article
    Autor Stredonska M
    Journal Österreichische Musikzeitschrift
  • 2016
    Titel Eine unbekannte Autobiographie von August Wilhelm Ambros.
    Typ Journal Article
    Autor Stredonska M
  • 2015
    Titel August Wilhelm Ambros im musikästhetischen Diskurs um 1850 (Münchner Veröffentlichungen zur Musikgeschichte 75).
    Typ Book
    Autor Stredonska M
  • 2015
    Titel A. W. Ambros and F. P. G. Laurencin: Two Antiformalistic Views on the Viennese Musical Life of the 1870s?
    Typ Journal Article
    Autor Stredonska M

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