Meinungsverschiedenheiten und die Semantik perspektivischer Ausdrücke
Disagreement and the Semantics of Perspectival Expressions
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)
Keywords
-
Disagreement,
Semantics,
Perspectival Expressions,
Contextualism,
Relativism,
Predicates Of Taste
Meinungsverschiedenheiten begegnen uns überall im alltäglichen Leben. Sie können negative Folgen haben, wenn sie z.b. zu Streit führen. Genauso können sie positive Folgen haben, wenn sie vorteilhafte Veränderungen nach sich ziehen. Meinungsverschiedenheiten sind facettenreich und nicht auf bestimmte Gegenstandsbereiche beschränkt. Sie sind mit all ihren positiven wie negativen Seiten ein scheinbar unvermeidliches Resultat unterschiedlicher Lebensziele und Weltbilder. Semantische Gehalte nehmen für uns eine ähnlich zentrale Stellung ein. Was meinen wir, wenn wir einen Satz äußern? Wie schaffen wir es zu kommunizieren? Welche Rolle spielt dabei der Äußerungskontext? Alle diese Fragen rekurrieren auf den Begriff des semantischen Gehaltes, einem Leitbegriff der Semantik. Das hier vorgeschlagene Projekt untersucht die Schnittstellen zwischen diesen beiden Begriffen. Der Begriff der Meinungsverschiedenheit hat schon häufiger Debatten in verschiedensten Bereichen der Philosophie bestimmt. Dies gilt seit einigen Jahren wieder für die Semantik, insbesondere die Debatte zum semantischen Gehalt natürlichsprachlicher Ausdrücke. Mein Projekt richtet seinen Fokus auf Ausdrücke, deren Interpretation einer Perspektive bedarf und die man entsprechend als perspektivische Ausdrücke bezeichnen könnte. Ausdrücke wie lecker, schön, gut, (epistemisch) möglich und wissen fallen in diese Kategorie. Das Projekt wird sich mit zwei populären semantischen Theorien perspektivischer Ausdrücke befassen dem Relativismus und dem Kontextualismus. Dabei wird es insbesondere darum gehen, jüngere kontextualistische Antworten auf das Problem der Meinungsverschiedenheiten zu untersuchen, das Relativisten gegen Kontextualisten ins Feld führen. Die Herausforderung für den Kontextualisten besteht, kurz gesagt, darin, alltägliche Meinungsverschiedenheiten der Form Avocados sind lecker/Nein, sind sie nicht zu erklären. Die zu untersuchendenAnsätzeerstrecken sich über Theorien,nach denendie betreffenden Meinungsverschiedenheiten erhalten bleiben, bis hin zu dem Vorschlag, den Begriff der Meinungsverschiedenheit gänzlich über Bord zu werfen. Hauptanliegen des Projektes ist es, durch begriffliche Analyse und sorgfältige Beobachtung linguistischer Phänomene zu zeigen, dass kontextualistische Ansätze dieser Art unzureichend sind. Dies wiederum wird zu einem vertieften Verständnis des Begriffs der Meinungsverschiedenheit und seiner Rolle in semantischen Argumenten führen. Als konkrete Forschungsergebnisse sind drei Aufsätze zu erwarten und eine darauf aufbauende Monographie zum Thema Meinungsverschiedenheiten in der Semantik (die erste ihrer Art). Das vorliegende Projekt geht in zwei Hinsichten über die bestehende Literatur hinaus: i) Es schafft einen systematischen Überblick über jüngere kontextualistische Antworten auf das Problem der Meinungsverschiedenheiten; ii) diese Ansätze werden detailliert und ganzheitlich untersucht, sodass die Debatte um den Kontextualismus und den Relativismus vorangebracht werden kann.
Uneinigkeit ist im Alltag allgegenwärtig. Manchmal hat es negative Auswirkungen, wie wenn es der Konfrontation förderlich ist; manchmal hat es positive auswirkungen, wie wenn es wohltuende veränderungen hervorruft. Die Menschen sind sich in vielerlei Hinsicht nicht einig. Angesichts unserer vielen Weltanschauungen und vielen Lebensziele scheint eine Meinungsverschiedenheit sowohl im positiven als auch im negativen Bereich unvermeidlich. Ein weiteres für uns wichtiges Thema ist der semantische Inhalt. Was meinen wir, wenn wir Sätze aussprechen? Wie schaffen wir es zu kommunizieren? Welche Rolle spielt der Kontext in der Kommunikation? All diese Fragen betreffen auf die eine oder andere Weise den Begriff des semantischen Inhalts - ein Schlüsselbegriff in der Semantik. Das hier vorgestellte Projekt hat die Überschneidung dieser beiden Begriffe untersucht. Dies geschah im Zusammenhang mit "perspektivischen Ausdrücken" (Ausdrücken, deren Interpretation sich auf Perspektiven bezieht) wie "lecker", "schön", "gut", "wissen". Insbesondere konzentrierte es sich auf zwei semantische Mainstream-Ansichten über solche Ausdrücke Kontextualismus und Relativismus indem neueste kontextualistische Antworten auf eine von Relativisten gestartete Herausforderung untersucht wurden. Die Herausforderung besteht darin, Meinungsverschiedenheiten in gewöhnlichen Börsen wie "Avocado ist lecker / Nein, das ist es nicht." Die Hauptergebnisse des Projekts sind zwei. Erstens führte dies zur Entwicklung eines Begriffs der minimalen Uneinigkeit, der die vielen Sinne unterstreicht, in denen Uneinigkeit in der Debatte verwendet wurde und die den Daten der intuitiven Uneinigkeit entsprechen (Austausch wie oben). Zweitens wurden die jüngsten kontextualistischen Antworten auf das Problem der Meinungsverschiedenheiten gründlich systematisiert und ausführlich kritisiert. Auf diese Weise hat das Projekt die Debatte vorangetrieben und ein umfassenderes Bild der Meinungsverschiedenheiten und ihrer Rolle in der Semantik geliefert.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 15 Zitationen
- 1 Publikationen
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2021
Titel A rich-lexicon theory of slurs and their uses DOI 10.1080/0020174x.2021.1903552 Typ Journal Article Autor Zeman D Journal Inquiry Seiten 942-966 Link Publikation