NEUE EINBLICKE IN DIE ANTIKE RHETORIK
NEW LIGHT ON ANCIENT RHETORIC
Matching Funds - Tirol
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
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Ancient Rhetoric,
Metabaseis,
Rhetoricians of Gaza,
Palaeography,
Middle-Byzantine era,
Byzantine anthologies
Im Zentrum des vorliegenden Projektes steht die Untersuchung eines anonym überlieferten und als etaßse f t sp p t a sata daf t betitelten griechischen Textes, der in der Handschrift Firenze, Biblioteca Medicea Laurenziana, Plut. 58,24, einer Sammelhandschrift aus mittelbyzantinischer Zeit (11. 12. Jh.), überliefert ist; der Kompilator dieses Kodex, der hauptsächlich rhetorische Exzerpte enthält, ist unbekannt. Bei den erwähnten Metabaseis handelt sich um eine Sammlung von Auszügen aus uns unbekannten rhetorischen Werken sowie von Beispielen für bestimmte rhetorische Figuren. Die Schrift kann zwar einer bestimmten Gruppe von Texten, die man als Beispielssammlung betiteln kann, zugeordnet werden, nimmt innerhalb dieser Gattung jedoch aufgrund mehrerer Eigenheiten eine Sonderstellung ein; die augenscheinlichste davon bildet die Kombination von transitiones und Tropen, für was es bisher keine Parallelen gibt. Vor kurzem konnte eine von Aldo Corcella (2015/2016) durchgeführte Studie einige dieser Exzerpte der Metabaseis Rednern aus der sog. Schule von Gaza, insbesondere Prokopios und Chorikios, zuweisen; die Autorschaft der restlichen Fragmente ist nach wie vor unbekannt, Stil und Thematik legen allerdings eine Datierung in die Kaiserzeit oder Spätantike nahe. Die Metabaseis stellen eine wichtige Quelle für die literarische Produktion innerhalb der Schule von Gaza dar und bilden ein konkretes Beispiel dafür, wie byzantinische Autoren die antiken überlieferten Texte für ihre eigenen Werke verwertet haben. Corcella hat allerdings nicht den gesamten Text der Metabaseis ediert, weshalb der Großteil des Textes nach wie vor der Erschließung harrt. Ziel des Projektes ist es, diese Lücke zu schließen und einen bisher unbekannten und in seiner Art einzigartigen Text zu edieren sowie ihn innerhalb des geistigen und kulturellen Umfeldes zu verorten, in dem er entstanden ist. Zu diesem Zweck wird die Antragstellerin zunächst eine paläographische Analyse der Handschrift durchführen, um eine Datierung der Sammlung vorzunehmen und im Idealfall ihren Kompilator zu ermitteln. In einem zweiten Schritt werden die einzelnen Exzerpte der Sammlung in Hinblick auf stilistische und thematische Parallelen mit anderen Texten der antiken Literatur analysiert, und zwar mit dem Ziel, sowohl ihre Bedeutung zu klären als auch die Autorschaft der unterschiedlichen Fragmente zu ermitteln. Im weiteren Verlauf des Projektes soll der Text der Metabaseis auch mit anderen rhetorischen Werken der mittelbyzantinischen Ära verglichen werden, um zu untersuchen, wie das Material, das aus antiken Texten geschöpft wurde, für aktuelle Unterrichtszwecke verwertet wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen in einer Monographie münden, in der die kritische Edition des Textes von einer englischen Übersetzung und einem Kommentars begleitet wird. Die Edition des Textes wird sowohl in gedruckter als auch digitaler Form publiziert werden, um einen möglichst einfachen Zugang zu ermöglichen.
Ziel des Projekts war die Untersuchung und Veröffentlichung einer kritischen Ausgabe des anonymen griechischen Textes mit dem Titel (im Folgenden Metabaseis), die im ms. Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, plut. 58.24 (11.-12. Jahrhundert) überliefert ist. Dieser Text ist ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte der spätantiken Rhetorik und ihrer Rezeption in der mittelbyzantinischen Zeit; er enthält eine Sammlung von Passagen aus bekannten rhetorischen Werken sowie unbekannte Texte, die der Spätantike und der byzantinischen Zeit zuzurechnen sind. In dieser Studie werden die unbekannten Texte, die in der Sammlung zitiert werden, zum ersten Mal so weit wie möglich bestimmten Autoren zugeordnet; gleichzeitig wird ein Überblick über den kulturellen Kontext gegeben, in dem die Sammlung entstanden ist, um ihre Bedeutung und ihren Nutzen als Beispiel für Bildungsliteratur zu unterstreichen. Die Ergebnisse dieses Projekts betreffen hauptsächlich die byzantinische Rhetorik; das unmittelbarste und wichtigste Ergebnis ist die Zuordnung einer beträchtlichen Anzahl von Fragmenten zu rhetorischen Werken, die verloren gegangen oder lückenhaft überliefert waren. Zudem verbessert die vorliegende Studie auch unser Verständnis davon, wie die spätantike Rhetorik von den Rhetorikern und den christlichen Gelehrten der mittelbyzantinischen Epoche verwendet wurde: Die philologische Untersuchung der einzelnen Passagen der Metabaseis gibt nämlich einen direkten Zugang zu den Instrumenten, mit denen das antike Wissen je nach den Erfordernissen der neuen Zeit, den verschiedenen sprachlichen Verwendungen und den rhetorischen Theorien übermittelt und neu gelesen wurde. Die Identifizierung der literarischen Traditionen, auf die die jeweiligen Anekdoten zurückgehen, wirft weiter ein Licht auf den kulturellen Kontext, in dem die Sammlung verfasst wurde. In diesem Kontext werden die prominenten Figuren der griechischen Mythologie und Geschichte (insbesondere der athenischen) zu nachahmenswerten Nationalhelden und Vorbildern. Ihre Darstellung ist von den jüngsten rhetorischen Modellen beeinflusst, wie z.B. von Aristides, der die griechisch-athenischen Figuren gemäß einer Geschichtsauffassung präsentiert, in der die chronologische Reihenfolge gegenüber der Darstellung der Werte, die das athenische Volk verkörpert, zweitrangig ist, und die ebenfalls die jüngste, vom römischen Imperialismus beherrschte Epoche miteinbezieht. Schließlich hat die umfassende paläographische Analyse des Laurentianischen Codex, die das zusammengesetzte Material des Manuskripts, die Kopisten, die die Texte transkribiert haben (deren Hände zu verschiedenen Zeiten falsch identifiziert und datiert wurden), und die darin enthaltenen Werke berücksichtigt hat, nicht nur unser Wissen über dieses spezifische Manuskript erweitert, sondern auch über die umfassendere Rolle der byzantinischen Kompilatoren von Anthologien und die Art und Weise, wie sie die Texte sammelten. Somit konnte ein neues einzigartiges Beispiel für eine rhetorisch-grammatisches Anthologie präsentiert werden.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 2 Publikationen
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2021
Titel akribos anaginoskein Typ Journal Article Autor Telesca Journal Il περὶ ἐγκλιτικῶν dello Ps.-Arcadio nel Laur. Plut. 58.24 Seiten 21-49 Link Publikation -
2020
Titel Philologia Antiqua Typ Journal Article Autor Telesca Journal Revue des etudes tardo-antiques Seiten 51-71