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Direkte Referenz und die Reduktion von Propositionen

Millian Russellianism Naturalized

Paolo Bonardi (ORCID: 0000-0003-2419-8229)
  • Grant-DOI 10.55776/M3350
  • Förderprogramm Lise Meitner
  • Status beendet
  • Projektbeginn 11.03.2023
  • Projektende 10.03.2025
  • Bewilligungssumme 177.980 €

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    Millianism, Coordination / de jure coreference, Soames' cognitive propositions, Having In Mind Vs Directing Intention, Empty Names, Unity And Nature Of Russellian Propositions

Abstract Endbericht

Analytische Philosophen bezeichnen Dinge, die wir glauben, denken usw. und die wir mit Sätzen, Propositionen, ausdrücken. Indem ich, z.B. Wien ist eine Stadt sage, behaupte ich, dass Wien eine Stadt ist, und glaube es. Es gibt zwei Haupttheorien bzgl. Propositionen: Millscher Russellianismus, wonach obige Proposition durch Wien und die Eigenschaft, eine Stadt zu sein, konstituiert wird; und Fregeanismus, wonach ihre Bestandteile die Darstellungsweisen von Wien und das Stadtsein sind. Eine Darstellungsweise eines Objekts o ist etwas, das einer Klasse von sprachlichen Ausdrücken oder Wahrnehmungen entspricht, die mit o assoziiert werden. Anhand welchen Kriteriums lässt sich bei einer Darstellungsform m sagen, dass ein Ausdruck oder eine Wahrnehmung zur Klasse c gehört, die m individuiert? Nach einer Theorie, die als semantischer Relationismus bezeichnet wird, müssen alle Elemente, die zu c gehören, koordiniert werden. Dennoch ist es schwierig, eine Charakterisierung der semantischen Koordination zu finden, die intuitiv überzeugend ist und die Koordination zu einer Äquivalenzrelation macht (deren Äquivalenzklassen die Darstellungsweisen individuieren). In meinen Artikeln lehne ich Darstellungsweisen ab und vertrete die Auffassung, dass Koordination eine nicht-transitive und nicht-semantische, sondern eine kognitive und subjektive Beziehung ist. Ich charakterisiere es in Bezug auf die Beziehungen: ein Objekt o1 und ein Objekt o2 als dasselbe Objekt zu nehmen; und so zu tun, als ob o1 und o2 dasselbe Objekt wären, d.h. jemanden simulieren, der sie als dasselbe Objekt betrachtet. Ich erkläre, wie wir ausgehend von der kognitiven Koordination und den Russell`schen Propositionen Token-Gedanken, Token- Überzeugungen usw. in unserem Geist individualisieren können, deren Konstituenten (Token- Konzepte genannt) koordiniert sein können oder nicht. Ziel meines FWF-Projekts ist es, meine aus Russellschen Propositionen, kognitiver Koordination und meiner Einstellung bzgl. Token gebildete Darstellung auf neurowissenschaftlich analysierbare Begriffe zu reduzieren. Wie bereits erwähnt, beruht die Einstellung gegenüber Token auf Russell`schen Propositionen und kognitiver Koordinierung; und die kognitive Koordinierung basiert auf Annahme und Simulation. Basierend auf Ideen von Soames, charakterisiere ich Russellsche Propositionen als Typuszustände des Denkens an solche Propositionen, deren Bestandteile Typuszustände des Denkens an Individuen, Eigenschaften und dergleichen sind. Ich benutze den Begriff des Denkens auch, um imaginäre Objekte zu charakterisieren: z.B. Holmes ist der Typuszustand von Denken an Holmes. Um Zirkularitäten bei der Charakterisierung von Propositionen zu vermeiden (d.h. p = der Typuszustand des Denkens an p), analysiert Soames z.B den Typuszustand des Denkens, dass Wien eine Stadt ist, als den Typuszustand, die Eigenschaft, dass Wien eine Stadt ist, zu prädizieren. Ich vermeide analoge Zirkularitäten bei imaginären Objekten, indem ich z.B. den Typuszustand des Denkens an Holmes analysiere, der sich den Entdeckungen des Bioingenieurs Quiroga bedient, wonach, wenn wir ein Individuum treffen/erkennen, einige Neuronen in unserem medialen Temporallappen re/aktiviert werden. Eine solche Entdeckung ist nützlich, um sowohl das Denken als auch das Handeln neurowissenschaftlich zu erläutern.

Angenommen Sie sind der Überzeugung, dass Cicero ein römischer Redner ist, und Sie sind der Überzeugung, dass Tullius kein römischer Redner ist, ohne zu erkennen, dass die Namen "Cicero" und "Tullius" ein und dieselbe Person (Marcus Tullius Cicero) bezeichnen. Gibt es dann etwas, das Sie zugleich für wahr halten und für falsch halten? Während sogenannte Fregesche Philosophen, wie etwa Stephen Schiffer, dies verneinen, bejahen die Vertreter des Millschen Russellianismus, wie z.B. Nathan Salmon, diese Frage. Ihnen zufolge existiert eine Russellsche Proposition, ein abstrakter Gegenstand, dessen Bestandteile die Person Marcus Tullius Cicero und die Eigenschaft, ein römischer Redner zu sein, sind. In der geschilderten Situation halten Sie diesem Ansatz zufolge diese Proposition zugleich für wahr und für falsch. Nach Auffassung der meisten Anhänger des Millschen Russellianismus, darunter auch Salmon, ist Ihre Rationalität in dieser Situation dennoch dadurch gewährleistet, dass Sie in den beiden sich widersprechenden Denkakten, auf zwei unterschiedliche Weisen an Cicero denkt - Weisen, die nicht in den Inhalt Ihrer (Überzeugungen. Salmon lässt die Natur solcher modes of presentation offen, während François Recanati sie als Informationsordner in unserem Geist (mental files) versteht. Mein FWF-Projekt kritisiert Schiffers Konzeption von Überzeugungsinhalten und aktzeptiert den Millschen Russellianismus, kritisiert und verwirft jedoch zugleich jede Art von modes of presentation (z.B. mental files). Stattdessen argumentiere ich, dass man, wenn man die Russellschen Propositionen thatCicero ist ein römischer Redner und that Tullius (d.h. Cicero) ist kein römischer Redner für wahr hält, indem man fälschlicherweise die beiden Vorkommen von Cicero innerhalb dieser Sachverhalte als Vorkommen verschiedener Personen auffasst, diese nicht koordiniert. Nach meiner Auffassung ist Koordination eine Relation zwischen einem Subjekt und Paaren von Objektvorkommen, die gemäß dem Millschen Russellianismus nicht zu den Bestandteilen des Inhaltes der Überzeugungen gehört und im Gegensatz zu Kit Fines semantischem Relationismus steht. Ich erlaube, dass man zwei Netze koordinierter mentaler Repräsentationen über Cicero haben kann; doch halte ich diese Repräsentationen (token concepts) für sehr fein individuiert, nämlich mit einer Granularität vergleichbar den Vorkommen von Individuen innerhalb Russellschen Propositionen. Da ich außerdem behaupte, dass Koordination keine transitive Relation ist, können diese beiden Netze nicht als Grundlage für zwei Darstellungsweisen dienen. Wie steht es mit Überzeugungen, die imaginäre Objekte betreffen, z.B. Ihrem Glauben, dass Sherlock Holmes ein Detektiv ist? Mein FWF-Projekt untersucht die Idee, dass es zwar einen Unterschied gibt zwischen z.B. Marcus Tullius Cicero und dem type concept von ihm (d.h. einem einzigartigen grobkörnigen Konzept, das durch all Ihre genannten Token-Konzepte von ihm realisiert wird), Holmes jedoch nichts anderes ist als das type concept Holmes. Ich schlage ferner vor, dass sich dieser mentale Typus beim Menschen teilweise - nämlich neurobiologisch - charakterisieren lässt anhand von Ergebnissen Rodrigo Quian Quirogas.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 2 Publikationen
  • 19 Disseminationen
Publikationen
  • 2024
    Titel Being Pleonastic. In Y. Kappes, A. Passinsky, J. De Rizzo and B. Schnieder, Facets of Reality: Contemporary Debates. Contributions of the Austrian Ludwig Wittgenstein Society. Austrian Ludwig Wittgenstein Society.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Paolo Bonardi
    Konferenz Facets of Reality
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Salmn, Schiffer and Frege's Constraint
    DOI 10.1007/s11229-024-04502-5
    Typ Journal Article
    Autor Bonardi P
    Journal Synthese
Disseminationen
  • 2024
    Titel KinC, University of Vienna & Central European University
    Typ A talk or presentation
  • 2024
    Titel Pragmasophia, University of Messina
    Typ A talk or presentation
  • 2023
    Titel Discussion of my paper about Frege's Constraint, Phlox group, University of Vienna
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2024
    Titel Conference in Philosophy of Language, University of Vienna
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2024
    Titel Organization of a workshop, University of Vienna
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2023
    Titel University of Granada
    Typ A talk or presentation
  • 2023
    Titel American Philosophical Association, San Francisco
    Typ A talk or presentation
  • 2023
    Titel Organization of a conference on Kaplan, University of Vienna
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2025
    Titel Discussion of my paper about imaginary objects, Phlox group, University of Vienna
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2024
    Titel Conference in Philosophy of Language, University of Vienna
    Typ A talk or presentation
  • 2024
    Titel Eastern Hemisphere Language & Metaphysics Network conference, University of Tokyo
    Typ A talk or presentation
  • 2024
    Titel International Wittgenstein Symposium, Austria
    Typ A talk or presentation
  • 2024
    Titel Discussion of my paper about coordination, Phlox group, University of Vienna
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2024
    Titel Workshop, Waseda University, Tokyo
    Typ A talk or presentation
  • 2023
    Titel Discussion of my paper about acquaintance, Phlox group, University of Vienna
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2023
    Titel European Congress of Analytic Philosophy
    Typ A talk or presentation
  • 2024
    Titel American Philosophical Association, Portland
    Typ A talk or presentation
  • 2024
    Titel Organization of a conference in philosophy of language, University of Vienna
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2024
    Titel Conference Meaning, Reference and Modality: Celebrating Nathan Salmon's Work, UC Santa Barbara
    Typ A talk or presentation

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