Die Asymmetrie des Intentionalen bei Franz Bretano
Die Asymmetrie des Intentionalen bei Franz Bretano
Wissenschaftsdisziplinen
Politikwissenschaften (80%); Psychologie (20%)
Keywords
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Intentioanlität,
Urteil,
Empfindung,
Vorstellung,
Wahrheit,
Homonymie des Seienden
Franz Brentano gilt heute als der Entdecker des Intentionalitätsprinzips in der zeitgenössischen Philosophie. Sein Hauptbeitrag dazu besteht darin, daß er das Psychische von dem Physischen a) durch seine Richtung auf ein Objekt und b) durch die Tatsache unterscheidet, daß der psychische Akt einen Gegenstand in sich intentional enthalte. Wenn ich z. B. an jemanden denke, dann ist er irgendwie (als Name oder Bild) in meinem Denken intentional vorhanden, was sich daraus erklären läßt, daß das Psychische fähig ist, sich auf Gegenstände zu beziehen, die nicht vor uns wirklich existieren. Brentano behauptet, diese Merkmale seien für alle die von ihm getrennten psychischen Grundklassen: die Vorstellungen, die Urteile und die Gemütsbewegungen, allgemein gültig. Das vorliegende Projekt versucht zu zeigen, daß trotz Brentanos Behauptungen sich seine Klassifikation der psychischen Phänomene als eine uneinheitliche, asymmetrische zeigt, denn wenn es wahr ist, daß alle psychischen Phänomene ein Objekt in sich intentional enthalten, sind dennoch nicht alle auf einen Gegenstand gerichtet. Für Empfindungen z. B. ist es äußerst schwierig, eine Richtung auf einen Gegenstand hervorzuheben, die ihnen als Akten und nicht ihren Inhalten zukommt. Als weiteres Argument dafür wird die Hypothese aufgestellt, daß die Brentanosche Urteilstheorie auf den Boden seiner frühen Wahrheitsauffassung daraus erwächst, daß die Qualität des Urteils von ihm als existentielle Anerkennung oder Verwerfung des vorgestellten Objekts interpretiert wird. Die Arbeit macht auch darauf aufmerksam, daß es außer der Intentionalität der Empfindungen, der Urteile und der Gemütsbewegungen noch eine andere Art der intentionalen Richtung gibt, welche, wie der Fall der abstrakten und der imaginären Vorstellungen zeigt, die Anwesenheit ihres Objekts bietet, ohne dennoch eine Haltung ihm gegenüber zu äußern.
- Universität Salzburg - 100%
- Johannes Brandl, Universität Salzburg , assoziierte:r Forschungspartner:in