Das vorliegende Forschungsvorhaben widmet sich der Analyse interkultureller Netzwerke, die in Lateinamerika
Ritualisten und Ritualistinnen verschiedener schamanischer und volksmedizinischer Traditionen verbinden. Im
Mittelpunkt der Untersuchung stehen Form und Inhalt der Transaktionen von Wissen und Macht in solchen
Netzwerken in Ekuador sowie deren Bedeutung für die rituelle und soziale Praxis der einzelnen Partizipanten.
Ekuador ist für eine Bearbeitung dieses Themas von besonderem Interesse, da hier auf relativ engem Raum viele
schamanische und volksmedizinische Traditionen nebeneinander existieren und miteinander durch Lehr- und
Allianzbeziehungen vernetzt sind.
Der Wissenstransfer stellt dabei eine besondere Form des interethnischen Kontaktes und der interkulturellen
Kommunikation der. Die geplante Untersuchung soll Einblick in Charakter und Verlauf solcher Kulturbeziehungen
gewähren; es soll u.a. ersichtlich werden, auf welche Weise eine fremde Idee rezipiert, transformiert und tradiert
wird.
Die Studie will einen Beitrag zu verschiedenen Bereichen der ethnologischen Forschung leisten: Sie versteht sich
zum einen als eine Analyse der Bedeutung interkultureller Dynamiken für konzeptuelle und pragmatische Aspekte
von Weltbild und Ritual. Eine Analyse der Wechselwirkungen zwischen dem Eigenen und dem Fremden, zwischen
systemischer Kohärenz auf der einen und Durchlässigkeit bzw. Flexibilität auf der anderen Seite, bildet einen
zentralen Punkt dieses Forschungsvorhabens. Zum anderen soll die Studie zur Erforschung verschiedenen Aspekte
des Schamanismus beitragen, in erster Linie in Bezug auf die Formen der transkulturellen Verbreitung
schamanischer Konzepte und Praktiken, deren Untersuchung weitgehend aussteht.