Longitudinale and international epidemiologic comparasion of risk factors for parasuicide within a clinical hig risk group
Longitudinale and international epidemiologic comparasion of risk factors for parasuicide within a clinical hig risk group
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (50%); Klinische Medizin (50%)
Keywords
-
PARASUICIDE,
EPIDEMIOLOGY,
CLINICAL POPULATION,
PREVENTION,
CROSS-CULTURAL,
LONGITUDINAL
Selbstverletzende Handlungen lassen sich nur ungenau unter die Kategorie "Suizidversuch" einordnen, sondern repräsentieren voneinander deutlich unterscheidbare "Typen" selbstverletzenden Verhaltens. Die WHO/EURO Studie zu Parasuiziden (absichtliche Selbstverletzungen und Suizid-versuche) ist eine europaweit in inzwischen 25 Zentren durchgeführte Studie, welche die Gründe, Bedingungen und Umstände der Durchführung absichtsvoller selbstverletzender Handlungen im Spektrum von geringem bis hohem Sterbewunsch (suizidale Intention) untersucht. Ausgehend von der wissenschaftlich vielfach belegten Tatsache, dass Personen, die eine oder mehrere suizidale Handlungen unternommen haben, einem besonders hohen Risiko unterliegen, insbesondere während der ersten 3 Jahre nach der ersten selbst-verletzenden Handlung, durch einen Suizid zu versterben, wurden über den Zeitraum von einem Jahr in zwei Tiroler psychiatrischen Einrichtungen Patienten mit einem ausführlichen, standardisierten und im europäischen Raum vergleichbaren Fragebogen über die Hintergründe ihrer selbstverletzenden Handlung befragt. Das Interview wurde in veränderter und gekürzter Form, sofern die Patienten nochmals einwilligten oder erreichbar waren, nach einem Jahr wiederholt, um Informationen über weitere Suizidversuche und die Veränderung der Lebenssituation der Personen während des Folgezeitraums zu gewinnen. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie zeigen im internationalen Vergleich, dass in Tirol von einer deutlich höheren Wiederholungsrate nach 12 Monaten auszugehen ist, häufiger Methoden mit einem hohen Letalitätsgrad verwendet wurden und ein besonders hoher Anteil an männlichen Personen mit selbstverletzenden Handlungen zu verzeichnen war. Die häufigsten psychiatrischen Diagnosen bezogen sich auf Suchterkrankungen und Affektive Störungen. Hinsichtlich einer Reihe von Merkmalen, die in der WHO Studie untersucht wurden, konnte gezeigt werden, daß die untersuchten Patienten keine homogene Gruppe darstellen, sondern vielmehr von verschiedenen "Typen" selbstverletzenden Verhaltens auszugehen ist. Gruppen von Patienten unterschieden sich deutlich in Hinblick auf das Ausmaß an Vorbereitungen und Planung der Handlung, hinsichtlich der damit verbundenen Motivationen als auch der Wiederholung von selbstverletzenden Handlungen. Die Bandbreite reichte von einer geringen Planung der selbstverletzenden Handlung bis hin zu äußerst ernsthaften und langfristigen Vorbereitungen. Mit Bezug auf die Motivation ist von einem Spektrum an unterschiedlichen Motiven auszugehen, welche zwischen den Polen der Lebensorientierung und der Todesorientierung variieren. Eine stärker lebensorientierte selbstverletzende Handlung ist hauptsächlich durch interpersonale Konfliktmotive charakterisiert, während bei todesorientierten Handlungen der Wunsch, zu sterben, dominierte. Dies legt nahe, daß selbstverletzendes Verhalten bei einigen Gruppen von Patienten im Sinne einer kommunikativen Handlung mit einer sozial zugewandten Komponente interpretierbar ist, während für andere Patientengruppen eine suizidale Einengung charakteristisch scheint. Die bisherigen Ergebnisse der WHO Studie führten dazu, dass in einem der beiden Tiroler Studienzentren eine verbesserte klinische Abklärung der akuten Suizidalität von Patienten erprobt wird. Des weiteren implizieren die Ergebnisse, dass die Behandlung von suizidalen Patienten ein stärkeres Gewicht auf die Einbeziehung des sozialen Umfelds legen sollte, da in vielen Fällen dieses Umfeld untrennbar in die Krisen- und Belastungssituation, die zur selbstverletzenden Handlung führte, eingebunden ist. Ebenso wurde durch die WHO Studie das Projekt "WHO/EURO Network on Suicide Prevention" initiiert. Österreich wird durch den Projektleiter (Univ.- Doz. Dr. Christian Haring) in Kooperation mit Prof. Dr. Fartacek (Salzburg) vertreten. Beide Vertreter sind mit der Entwicklung und Koordination eines nationalen Suizidpräventionplanes betraut
- Tirol Kliniken - 100%
Research Output
- 8 Zitationen
- 1 Publikationen
-
2006
Titel Multilevel modeling was a convenient alternative to common regression designs in longitudinal suicide research DOI 10.1016/j.jclinepi.2005.10.010 Typ Journal Article Autor Antretter E Journal Journal of Clinical Epidemiology Seiten 576-586