Verursachung und differenzierte Diagnose der Lese-Rechtschreibschwäche
Verursachung und differenzierte Diagnose der Lese-Rechtschreibschwäche
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Lese-Rechtschreibschwäche Langsschnitstudien Kognitive Defizite phonologische Fertigkeiten,
Kognitive Defizite,
Langsschnitstudien,
Lese-Rechtschreibsch,
Phonologische Fertig
Nach der gegenwärtig dominanten Forschungsmeinung liegt der Lese-Rechtsschreibschwäche eine subtile Sprachstörung speziell im phonologischen Bereich zugrunde. Geprägt und gestützt ist diese Hypothese von Befunden aus dem englischen Sprachraum. Im beantragten Projekt wird versucht, zu einem tieferen Verständnis der Verursachung von Lese-Rechtsschreibschwäche sowie ihrer Symptomatik im Deutschen beizutragen. Dazu sollen zwei bereits angelaufene Längsschnittstudien abgeschlossen werden. In diesen Studien wurden an einer großen Anzahl an Schulanfängern phonologische Funktionsbereiche eingehend untersucht. Mit den eingesetzten Tests wurden phonologische Bewußtheit, Benennungsschnelligkeit, phonologisches Kurzzeitgedächtnis, das Erlernen neuer phonologischer Muster sowie der produktive Wortschatz erfaßt. Bei einer weiteren Beobachtung der Lese- und Rechtschreibentwicklung bis zum Ende der Grundschulzeit ist damit eine detaillierte Analyse des Zusammenhangs zwischen phonologischen Defiziten und späteren Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben möglich. Die Frage der frühen Identifikation von Kindern mit einem Risiko für Lese-Rechtsschreibschwäche hat eine besondere praktische Relevanz. Einen zweiten Schwerpunkt des Projektes stellt die Analyse kognitiver Defizite lese-rechtsschreibschwacher Kinder dar. Diese Studien sind ein wesentlicher Bestandteil der Ursachenanalyse und geben gleichzeitig ein umfassenderes und differenziertes Bild der Symptomatik spezifischer Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben.
(1) In der Endphase des Projektes wurden mehrere internationale Publikationen über eigene empirische Befunde verfasst. Drei davon seien hier kurz charakterisiert: Wimmer; H. & Mayringer, H. (2001). Is the reading-rate problem of German dyslexic children caused by slow visual processes? In M. Wolf (Hrsg.), Dyslexia, fluency, and the brain. Timonium, Md.: York Press. Hauptbefund: Benennungsschnelligkeit war stärker mit langsamer Lesegeschwindigkeit assoziiert als die visuelle Verarbeitungsgeschwindigkeit. Wimmer, H. & Mayringer, H. (in press). The reading rate deficit of German dyslexic children has little to do with surface dyslexia. In: A. Helmquist (Hrsg.), Reading and the new millennium. Hauptbefund: Obwohl deutschsprachige leserechschreibschwache Kinder langsame aber vergleichsweise genau lesen, entsprechen sie nicht dem Typ der Oberflächendyslexie. Anders als bei Oberflächendyslektikern wiesen sie schlechte Leistungen beim Pseudowortlesen auf. Mann V., & Wimmer H. (in press). Phoneme Awareness and Pathways into Literacy: A Comparison of German and American Children. Reading and Writing. Hauptbefund: Deutschsprachige Kinder erwarben basale Fertigkeiten der phonologischen Bewusstheit leicht und rasch mit dem Schuleintritt. Im Unterschied dazu wiesen englischsprachige Kinder mit Leseproblemen anhaltende Defizite in der phonologischen Bewusstheit auf. (2) Es wurde ein standardisiertes Testverfahren zur Beurteilung basaler Lesefertigkeiten entwickelt und normiert Die Kinder lesen leise eine Liste inhaltlich einfacher, nicht zusammenhängender Sätzen. Am Ende ist jeweils anzuzeichnen, ob die Aussage des Satzes zutreffend ist oder nicht. Die Bearbeitungszeit ist mit 3 min festgelegt. Als Maß der Lesefähigkeit wird die Anzahl der in diesem Zeitraum korrekt bearbeiten Sätze herangezogen. Der Test liegt in 4 Parallelversionen vor und kann somit gut als Gruppentest sowie zur wiederholten Testung derselben Kinder herangezogen werden. Der Test ist so aufgebaut, dass die Sätze unter lesetechnischen Gesichtspunkten zunehmen schwieriger werden. Dies ermöglicht es, ein und denselben Test von Ende der 1. Klasse bis zum Ende der 4. Klasse einzusetzen, wodurch die Leistung nicht nur zur Altersgruppe in Beziehung gesetzt werden kann, sondern auch das Lesealter des Kindes ermittelt werden kann.
- Universität Salzburg - 100%
- Karin Landerl, Universität Salzburg , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 718 Zitationen
- 3 Publikationen
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2019
Titel Biocompatible Glyconanoparticles by Grafting Sophorolipid Monolayers on Monodispersed Iron Oxide Nanoparticles DOI 10.1021/acsabm.9b00427 Typ Journal Article Autor Lassenberger A Journal ACS Applied Bio Materials Seiten 3095-3107 Link Publikation -
2008
Titel Development of Word Reading Fluency and Spelling in a Consistent Orthography: An 8-Year Follow-Up DOI 10.1037/0022-0663.100.1.150 Typ Journal Article Autor Landerl K Journal Journal of Educational Psychology Seiten 150-161 -
2010
Titel Dyslexia in regular orthographies: manifestation and causation DOI 10.1002/dys.411 Typ Journal Article Autor Wimmer H Journal Dyslexia Seiten 283-299