Das Kompositionalitätsprinzip der Bedeutung in der Montague-Semantik und Situationssemantik
The principle of compositionality in modern semantics
Wissenschaftsdisziplinen
Mathematik (40%); Philosophie, Ethik, Religion (60%)
Keywords
-
BEDEUTUNG,
METASEMANTIK,
KOMPOSITIONALITÄT,
MONTAGUE,
RICHARD,
SUBSTITUTION,
BARWIESE,
JON
Der Untersuchungsgegenstand der Semantik ist die Bedeutung, dh. das Netz der Relationen, die zwischen der Sprache und der Welt bestehen. Solche mindestens zweistellige Relationen zwischen den Ausdrücken einer Sprache und den außersprachlichen Entitäten - wie etwa den Einzeldingen, deren Eigenschaften und Beziehungen zu anderen Einzeldingen, den Sachverhalten, Situationen, Wahrheitswerten usw. - werden in der analytischen Sprachphilosophie semantische Relationen genannt. Beispiele für solche Relationen sind: die Bedeutungsrelation sowie die Relationen des Bezeichnens, Ausdrückens, Beschreibens usw. Jene Entitäten, zu denen die sprachlichen Ausdrücke in einer dieser Relationen stehen, werden als die semantischen Werte dieser Ausdrücke angesehen. Ein grundlegendes semantisches Merkmal einer Sprache L ist, daß sie produktiv ist, d.h. ein kompetenter Benützer von L kann die Bedeutung für ihn neuer Ausdrücke von L verstehen, ohne sie zuvor gekannt zu haben. Viele Vertreter der analytischen Philosophie - wie etwa Gottlob Frege, Rudolf Carnap, Richard Montague, Jon Barwise, John Perry u.a. - sind deshalb bei der Bildung ihrer semantischen - Theorien von einem grundlegenden metatheoretischen Prinzip ausgegangen, nämlich dem Kompositionalitätsprinzip der Bedeutung, wonach die Bedeutung eines zusammengesetzten Ausdrucks eindeutig durch die Bedeutungen seiner Teilausdrücke bestimmt ist. Dieses Prinzip spielt u.a. eine wichtige Rolle in den Fragen nach der Art und nach dem ontologischen Status der semantischen Werte von Ausdrücken. Die von Barwise und Perry entwickelte Situationssemantik ist als eine Verbesserung der üblichen modelltheoretischen Semantik für intensionale Sprachen gedacht, wie man sie in Montagues Mögliche-Welten- Semantik mit ihrem Paradigma der zeitlosen Sätze als primäre Bedeutungsträger vorfindet. Die beiden Fragen werden in diesen Ansätzen (ergänzt um ihre korrespondierenden ontologischen Theorien) unterschiedlich beantwortet. Dabei unterscheiden sich diese beiden Ansätze nicht nur in ihren Antworten auf diese Fragen, sondern auch im jeweils vorausgesetzten Bedeutungs- und Kompositionalitätsbegriff sowie in der Anwendung dieses Prinzips in der jeweiligen Theoriebildung. Ein weiterer Unterschied ist im wissenschaftstheoretischen Status dieses Prinzips als ein widerlegbares versus nicht-widerlegbares Prinzip zu sehen. In diesem Projekt werden verschiedene Präzisierungsmöglichkeiten dieser beiden Begriffe, des Kompositionalitätsprinzips sowie weiterer metatheoretischer Prinzipien für die semantischen Relationen wie etwa Substitutionsprinzipien erforscht. Eine solche Untersuchung verfolgt das Ziel zu erklären, worin der innovative Aspekt der Situationssemantik gegenüber der Mögliche-Welten-Semantik Montagues besteht. Weitere Fragen unserer Untersuchungen sind: Was sind die Unterschiede zwischen diesen semantischen Ansätzen? Sind etwaige Unterschiede begründet? Was sind die Gründe, deretwegen Barwise und Perry eine neue Semantik entwickelt haben? Läßt sich ihr Anliegen auch in der Montague-Semantik verwirklichen? Falls nein, warum nicht? Hinsichtlich dieser Probleme ist die Untersuchung der Präzisierungsmöglichkeiten und der Rolle, die diese metatheoretischen Prinzipien für die semantischen Relationen in der jeweiligen Theoriebildung und ontologischen Grundlegung dieser beiden Semantik-Ansätze spielen, ein wichtiges Desideratum (eine solche Grundlegung verlangt eine Theorie der Welten bzw. eine Situationstheorie). Es wird weiters die Frage untersucht, welche logischen und sachlichen Zusammenhänge zwischen den Prinzipien für die semantischen Relationen und jenen für die Konstruktionsmethoden der semantischen Werte bestehen.
Ein kompetenter Sprachbenützer hat nicht nur die Bedeutung von endlich vielen sprachlichen Ausdrücken eines Lexikons erlernt, sondern beherrscht auch die Regeln, wie aus eben diesen Ausdrücken andere sprachliche Ausdrücke grammatikalisch korrekt zusammengesetzt werden. Angenommen, er wird nun mit einem solchen zusammengesetzten sprachlichen Ausdruck konfrontiert und dieser ist zugleich neu für ihn, d.h. er hat ihn noch nie zuvor gehört oder auch nur gesehen. Er wird dann dennoch die Bedeutung dieses für ihn neuen Ausdrucks verstehen. Unser kompetenter Sprachbenützer verfügt also über die erstaunliche Fähigkeit, die Bedeutung von potentiell unendlich vielen zusammengesetzten sprachlichen Ausdrücken zu verstehen. Wie ist das möglich? Diese Eigenschaft der endlichen Erlernbarkeit einer Sprache wird üblicherweise mit dem Kompositionalitätsprinzip erklärt. Dieses besagt, daß die Bedeutung eines zusammengesetzten sprachlichen Ausdrucks nur von der Bedeutung seiner Teilausdrücke und den grammatikalischen Regeln abhängig ist, denen gemäß diese Teilausdrücke zusammengesetzt werden. In diesem Projekt wurden drei Deutungsmöglichkeiten des Kompositionalitätsprinzips untersucht: Man kann es (i) als eine Zusammensetzungsthese, (ii) als eine Substitutionsthese oder aber (iii) als eine Funktionalitätsthese verstehen. Das Hauptaugenmerk lag auf der Diskussion der Substitutionsthese, wonach sich die Bedeutung eines zusammengesetzten sprachlichen Ausdrucks nicht ändert, wenn man darin Teilausdrücke durch andere Ausdrücke ersetzt, die dasselbe bedeuten. Versteht man nun unter der Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks das, was er bezeichnet - d.h. sein Referenzobjekt -, und unter bedeuten` bezeichnen`, dann kann man einen engen Zusammenhang zwischen der Kompositionalität der Bedeutung - im Sinne von (ii) - und der Extensionalität eines Aussagesatzes (im folgenden kurz: Satz`) herstellen. Demnach kann man einen extensionalen Satz als einen zusammengesetzten sprachlichen Ausdruck auffassen, dessen Referenzobjekt sich nicht ändert, wenn man darin Teilausdrücke durch andere Ausdrücke ersetzt, die dasselbe bezeichnen. Nimmt man zusätzlich noch an, daß Sätze Wahrheitswerte bezeichnen, dann kann man einen extensionalen Satz auch noch auf eine andere Weise verstehen, und zwar als einen zusammengesetzten Ausdruck, dessen Wahrheitswert sich nicht ändert, wenn man darin Teilausdrücke durch andere Ausdrücke ersetzt, die dasselbe bezeichnen. Wir untersuchen - ausgehend von diesen beiden Extensionalitätsbegriffen - die Frage, was es heißt, daß eine Sprache extensional ist. Es wird weiters in unserer Formalisierung der "Slingshot-Argumente" die Rolle aufgezeigt, welche das Kompositionalitätsprinzip als Leitprinzip bei der Suche nach den von Sätzen bezeichneten Entitäten spielt.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 176 Zitationen
- 3 Publikationen
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2013
Titel RAF and antioxidants prevent cell death induction after growth factor abrogation through regulation of Bcl-2 proteins DOI 10.1016/j.yexcr.2013.07.029 Typ Journal Article Autor Koziel K Journal Experimental Cell Research Seiten 2728-2738 Link Publikation -
2011
Titel Mitochondrial dysfunction and biogenesis: do ICU patients die from mitochondrial failure? DOI 10.1186/2110-5820-1-41 Typ Journal Article Autor Kozlov A Journal Annals of Intensive Care Seiten 41 Link Publikation -
2014
Titel A p38MAPK/MK2 signaling pathway leading to redox stress, cell death and ischemia/reperfusion injury DOI 10.1186/1478-811x-12-6 Typ Journal Article Autor Ashraf M Journal Cell Communication and Signaling Seiten 6 Link Publikation