Romanische Buchmalerei in Oberösterreich
Romanesque bookpainting in Upper Austria
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (15%); Kunstwissenschaften (70%); Philosophie, Ethik, Religion (15%)
Keywords
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BUCHMALEREI,
HOCHMITTELALTER,
OBERÖSTERREICH,
ÖSTERREICH
Im Bereich des heutigen Oberösterreich befanden sich im 12. und 13. Jahrhundert zumindest neun Klosterskriptorien: Kremsmünster, Mondsee, Lambach, Garsten, Baumgartenberg, St. Florian, Reichersberg, Ranshofen und Suben; möglicherweise wurden auch in Gleink, Wilhering und Waldhausen illuminierte Bücher hergestellt. Jedes dieser Skriptorien ist bereits im Hinblick auf die Anzahl und die ungefährezeitliche Ei nordnung der erhaltenen romanischen Handschriften behandelt worden, doch es fehlen weiterführende Untersuchungen. Denn im Mittelpunkt des kunsthistorischen Interesses standen bislang die wenigen Handschriften mit Miniaturen und Federzeichnungen, während der Großteil der Handschriften, die nur mit Initialen geschmückt sind, kaum näher beachtet wurden. Da die Mehrzahl der "Hauptwerke" stilistisch mit Werken der Buchmalerei Salzburgs zusammenhängen, werden einige der österreichischen Skriptorien einfach als künstlerische Filiationen Salzburgs bewertet. Demgegenüber soll in diesem Forschungsvorhaben das gesamte Handschriftenmaterial aus diesem Bereich anhand der verzierten Initialen untersucht werden, um die verschiedenen Einflußströmungen hinsichtlich Ornamentik, Stil und figürlichen Initialen - lkonographie aufzuzeigen. Im Hinblick auf die den Zentren der Buchproduktion ist mit dem Einfluß der Skriptorien in Salzburg, Regensburg und Passau zu rechnen, doch sind bei einigen Handschriften auch weitreichendere Verbindungen wie z.B. nach Italien oder Frankreich anzunehmen. Andererseits ist auch der Frage nachzugehen, inwieweit bedeutendere Klöster wie Mondsee oder Lambach selbst auf die Skriptorien ihrer kleineren Nachbarn einwirkten. Die große Vielfalt an Möglichkeiten des künstlerischen Austausches soll parallel zur Erarbeitung des lokal- und ordensgeschichtlichen Hintergrundes behandelt werden, um einen Beitrag zur ganzheitlichen Erforschung der romanischen Suchmalerei im heutigen Österreich zu leisten.
In diesem Forschungsprojekt wurden die aus den zwölf oö. Klöstern Gleink, Kremsmünster, Mondsee, Lambach, Garsten, Baumgartenberg, St. Florian, Ranshofen, Reichersberg, Suben, Waldhausen und Wilhering stammenden romanischen Handschriften anhand ihres Initialschmucks auf eine Entstehung in Oberösterreich untersucht. Mit Ausnahme von Gleink und Waldhausen ließ sich in jedem Kloster ein Skriptorium nachweisen, das illuminierte Handschriften hergestellt hat. Entgegen der bisherigen Meinung, daß die Buchmalerei kleinerer Skriptorien hauptsächlich von den umgebenden kirchlichen und künstlerischen Zentren wie Salzburg oder Regensburg geprägt wird, wurde eine Fülle von stilistischen Beziehungen festgestellt, die vom Rheinland bis nach Italien reichen. Ausschlaggebend für stilistische Einflüsse waren offenbar Personalbewegungen im Zuge von Neubesetzungen von Konventen oder Abtswechseln, wodurch auswärts geschulte Buchmaler in neue Klöster gelangten und die lokale Produktion (mit)prägten; kurzfristige Kontakte durch Wanderkünstler oder Importhandschriften spielen dagegen keine besondere Rolle. Neben der zum Teil erstmaligen kunsthistorischen und chronologischen Einordnung von oö. Handschriften - besonders jener aus Baumgartenberg, Garsten und Wilhering - konnten auch Befunde erarbeitet werden, die für die romanische Buchmalerei allgemein von Bedeutung sind. Da benachbarte Klöster nicht nur durch das gegenseitige Ausleihen von Handschriften, sondern auch bei der Herstellung von Handschriften nachweislich über Ordensgrenzen hinweg zusammenarbeiteten, können etwa Erklärungsmodelle, die eine Beziehung zwischen Ordenszugehörigkeit und dem Buchschmuck von Handschriften herstellen, nicht länger aufrechterhalten werden.
- Universität Wien - 100%