Methoden und Mechanismen der Konfessionalisierung: Die Gegenreformation in Horn, 1620-1670
The Counter-Reformation in Horn, 1620-1670
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (25%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (30%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Soziologie (25%)
Keywords
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STADTGESCHICHTE,
GEGENREFORMATION,
SOZIALGESCHICHTE,
17. JAHRHUNDERT,
NIEDERÖSTERREICH,
ÖSTERREICHISCHE GESCHICHTE
Das Ziel des Forschungsprojektes besteht primär darin, an einem konkreten Beispiel (einer Kleinstadt und ein oder zwei umliegenden Dörfern) Methodik, Funktionsweisen und Erfolg der "katholischen Konfessionalisierung" in den österreichischen Ländern zu untersuchen. Während die Rolle der katholischen Landesfürsten und deren Behörden (in Österreich etwa der Klosterrat) sowie der Institutionen der katholischen Kirche (Papst, Nuntien, Bischöfe, Offiziale, Orden) seit langem Gegenstand der historischen Forschung ist, hat man der Bedeutung der Grundherrn, der Stadt-, Markt- und Dorfgemeinden, der Bürgermeister, Richter, Räte und Geschworenen sowie den katholischen "Agenten" der katholischen Obrigkeiten unter den grunduntertänigen Bürgern und Bauern für Durchführung und Erfolg der "Konfessionalisierung" insbesondere in Osterreich bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Um diesem Desiderat an einem ausgewählten Ort entgegenzuwirken, empfiehlt sich als wissenschaftliche Methode ein mikrohistorischer Zugang. Als Basis für die Interpretation und Analyse der katholischen Konfessionalisierung in Horn soll über eine herkömmliche Fallstudie hinaus unter Zuhilfenahme EDV-gestützter Methoden eine Datenbank angelegt werden, in der alle aus den benützten Archiven zusammengetragenen Informationen zu einzelnen, einschlägig interessanten Personen (Herrschaftsinhaber und -beamte, Pfarrer, Bürger und Bürgerinnen, Bauern und Bäuerinnen etc.), die Kontakte, die sie zueinander unterhielten und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen erfaßt werden. Insbesondere der Pfarrer, das Ausmaß seines Rückhalts in einer Bevölkerung, die in einem nichtkatholischen Glauben sozialisiert worden war und mindestens teilweise auch noch nach 1620 daran festhielt, und dessen "katholische Verbündete" vor Ort rücken hier gleichsam automatisch ins Blickfeld. Die ins Auge gefaßte Methode ist bei einer Stadt von der Größe Horns (um 1600 rund 100 Häuser) sowie einem oder mehreren Dörfern, in denen die Herrschaft Horn die Dorfobrigkeit in4ehatte, sinnvoll anwendbar. Das Forschungsvorhaben soll in zeitlicher Hinsicht die Jahrzehnte nach 1620 bis etwa 1670 mit einem Ausblick auf die nachfolgenden Jahrzehnte umfassen, letzteres insofern, als sich möglicherweise erst unter Einbeziehung von Vorgängen am Jahrhundertende ein Überblick über Verlauf und Erfolg der katholischen Konfessionalisierung erstellen läßt. Zudem muß eine Untersuchung, die wesentlich auch eine frömmigkeitsgeschichtliche sein soll, ohnehin einen längeren Zeitraum in den Blick nehmen. Die Stadt Horn wurde ausgewählt, da es sich hier um einen für die österreichische Reformationsgeschichte bedeutenden Ort handelt, der als ständisches Versammlungszentrum im Mittelpunkt der konfessionspolitischen Auseinandersetzungen zu Beginn des 17. Jahrhunderts stand, die schließlich zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges führten. Außerdem waren hier in einem Zeitraum von ca. 70 Jahren sowohl Herrschaft als auch Bevölkerung "protestantisch", ohne daß irgendeine landesfürstliche oder kirchliche Institution in der Lage war, dazu ein wirkungsvolles Gegengewicht zu schaffen. Geschützt und gefördert von der Herrschaft konnte sich zwischen ca. 1550 und 1620 eine nichtkatholische Glaubens- und Frömmigkeitspraxis weitgehend ungestört entfalten. Diese Konstellation schuf für die in den Jahren nach 1620 einsetzende Gegenreformation eine sehr schwierige Ausgangsbasis, eröffnet aber gleichzeitig gerade für die mikrohistorisch ausgerichtete Forschung ein höchst interessantes Tätigkeitsfeld.
- Institut für Österreichische Geschichtsforschung (seit 01 Jan 2016 Univ Wien) - 100%