Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
APOSTOLISCHE BEWEGUNGEN,
MOVIMENTI,
KIRCHENENTWICKLUNG
Abstract
Zahlreiche apostolische Bewegungen prägen maßgeblich das Leben der katholischen Kirche, auch in Österreich -
z.B. Cursillo, Neokatechumenat, Opus Dei, Pfadfinder, Plattform "Wir sind Kirche". Sie sind in ihrer Ausprägung
sehr unterschiedlich und teilweise kirchenpolitisch konfliktiv.
In der Pastoraltheologie wurde ihre Bedeutung für Kirche und Gesellschaft bislang kaum reflektiert, was an deren
herkömmlichen Konzentration auf die Pfarrgemeinde und deren seelsorgliche Erfordernisse liegen mag. Mindestens
fünf Gründe machen die pastoraltheologische Auseinandersetzung mit ihnen dringlich: die Zielgruppenpastoral geht
längst ihre von der Gemeindetheologie unabhängigen Wege, die Pfarrgemeinden leiden unter einer mehrfachen
Tradierungskrise des Glaubens, Sekten und neue religiöse Bewegungen treten in teilweise gesellschaftlich
anerkannte Konkurrenz zu den Kirchen, am Esoterikmarkt finden auch kirchlich wohl integrierte Christinnen
Inspiration für eine postmoderne Ausgestaltung ihres Glaubens, die enormen sozialpolitischen und ethischen
Problemen unserer spätmodernen Gesellschaften fordern Laieninitiativen zu einer explizit christlichen
Mitverantwortung für die Zukunft unserer (Welt-)gesellschaft heraus.
Vor diesem Hintergrund sind die apostolischen Laienbewegungen - über die bisher hauptsächlich anlaßhaft an
Kirchenkonflikten sich entzündende Beschäftigung mit ihnen hinaus - pastoraltheologisch in fünffacher Hinsicht zu
erkunden: ihre Vorstellungen von Mensch, Kirche, Gesellschaft und Zukunftsverantwortung; ihr Verständnis von
Religion, Glauben, Spiritualität und Frömmigkeit; ihre pastoralen Zielsetzungen angesichts der Tradierungskrisen
des Glaubens; ihre strukturelle und personelle Einbindung in die Kirche und ihr Verhältnis zu den Pfarrgemeinden;
ihre konkrete Weise der Mitgestaltung von Wirtschaft, Politik, Kultur und Lebensweise der Gesellschaft mit
besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Armen, Benachteiligten und Marginalisierten.