Motoneurone des Rückenmarks reagieren auf proximale axonale Läsionen mit einer Reihe von morphologischen
und funktionellen Veränderungen, welche, wenn ein bestimmter Stresspunkt überschritten wird, zum Zelltod
führen. Neueste Studien zeigen, daß verschiedene Nervenwachstumsfaktoren, unter Ihnen auch der "Glial Cell Line
Derived Growth Factor" (GDNF), diesen durch Axotomie oder Nervenausreissung induzierten Zelltod verhindern
können. Ob diese überlebenden Motoneurone fähig sind funktionelle neuromuskuläre Einheiten zu bilden, konnte
bisher nicht beantwortet werden. In dieser Studie soll eine proximale Schädigung des Plexus brachialis der
neugeborenen Ratte als Modell einer neuronalen Läsion dienen, welche es uns erlaubt 1.) eine normierte axonale
Läsion zu setzen, 2.) den Einfluß von GDNF auf geschädigte Motoneurone (MN) zu studieren, und 3.) die Anzahl
der überlebenden MN in Beziehung zur Extremitätenfunktion zu setzen. Die Anzahl der überlebenden MN wird
mit retrograden Färbetechniken (HRP, Fluorogold), die Extremitätenfunktion mit einem von uns
entwickeltenVerhaltensmodell in der Zeitspanne vom 21 bis zum 42 Tag nach der Geburt, jeden vierten Tag
beurteilt. Sollten die Ergebnisse dieser Studie zeigen, daß die durch den Einfluß von GDNF überlebenden MN zu
einer verbesserten neuromuskulären Funktion der oberen Extremität führen sollte, sind neue Wege in der
Behandlung schwerer geburtstraumatischer Plexusläsionen denkbar.