Bearbeitung der ramessidischen hieratischen Schriftdokumente der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung des Kunsthistorischen Museums und der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek
Ramesside Hieratic Documents kept in Viennese Collections
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
ÄGYPTOLOGIE,
PAPYRI,
NICHT LITERARISCHE,
ÄG.,
PAPYROLOGIE,
ÄGYPTISCHE,
AG. GESCHICHTE,
NEUES REICH,
WIRTSCHAFTSGESCHICHTE,
ÄGYPTEN
Die Bearbeitung der altägyptischen Kulturdenkmäler, die sich in österreichischen Sammlungen aufbewahrt werden, ist einerseits ein Anliegen der internationalen Ägyptologie und andererseits der österreichischen Kultur- und Wissenschaftspolitik. Im beantragten Projekt sollen hieratische Schriftdokumente bearbeitet werden, die sich in der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung des Kunsthistorischen Museums und in der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek befinden. Diese Dokumente (neun Papyri und einige Ostraka) stammen aus der Ramessidenzeit (d.i. die Epoche von etwa 1300 bis 1000 v. Chr.) und betreffen die Geschichte, Verwaltung und Gesellschaft des alten Ägypten. Die im wesentlichen bekannten, großen religiösen Korpora, wie z. B. Totenbücher, bleiben ausgeklammert. Die genannten Dokumente sollen nach allen Gesichtspunkten vollständig neu publiziert und kommentiert werden. Außerdem ist für den zweiten Teil die kulturhistorische Auswertung im Vergleich mit den bisher bekannten Fakten zur Entwicklung des ramessidischen Ägypten geplant. Das Projekt wird insgesamt ein Jahr in Anspruch nehmen. Für die paläographische und textkritische Arbeit ist ein auf ramessidische, nichtliterarische Texte spezialisierter Ägyptologe -und Absolvent der Wiener Universität, Herr Dr. M. Salah el-Kholi in Aussicht genommen, der seine Mitarbeit am Projekt freundlicherweise zugesagt hat. Die Mitarbeit von Dr. ell-Kholi, welcher nun als Dozent an der Universität Kairo lehrt, dient außerdem dem Interesse dieser ägyptischen Universität an einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum.
In seiner endgültigen Form hatte das Projekt zum Ziel, die ramessidischen hieratischen Schriftdokumente, die in der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung des Kunsthistorischen Museums aufbewahrt werden, textkritisch mit Facsimile, Umschrift, Übersetzung und Kommentar samt photographischen Abbildungen zu edieren sowie historisch und philologisch auszuwerten. Die gesamte Projektarbeit wurde in einer Zeit von sechzehn Monaten von Dezember 1999 bis Februar 2002 von Univ.-Prof. Dr. Salah El-Kholi (Projektmitarbeiter), Universität Kairo, durchgeführt. Bei den Dokumenten handelt es sich um eine Reihe von Papyri und Ostraka, welche Texte in hieratischer Schrift tragen und vornehmlich in die Regierungszeit des Pharaos Ramses`III. (1183/2-1152/1 v. Chr.) aus der 20. Dynastie (1186/5-1070/69 v. Chr.) zu datieren sind. Über die Person des Projektmitarbeiters sowie infolge der Kooperation mit ägyptischen Papyrussammlungen (Ägyptisches Museum in Kairo, Universität Kairo) fügt sich das Projekt durch Inhalt und Zielsetzung in die in jüngster Zeit von der EU geförderten sog. Meda- Projekte ein. Unter den bearbeiteten Dokumenten ist am bedeutendsten der Papyrus Ambras mit Inv.-Nr. 3876 aus dem Ende der 20. Dynastie, der eine Aufzählung und Beschreibung von Grabräuberakten bietet, die aus einem Tempelarchiv verschwunden waren und später an die Verwaltung, einen Steuerbeamten, wieder verkauft wurden. Die neuen Erkenntnisse betreffen die Tätigkeit der Grabräuber, die sich bisweilen in den Königsgräbern im Tal der Könige selbst eine Arbeitsstätte schufen, an der sie Edelmetalle einschmolzen, aber auch Kopien aus Holz anfertigten, um ihren Diebstahl zu vertuschen. Die aufgegriffenen Grabräuber wurden einem geradezu modernen Verhör unterzogen, sie wurden fair behandelt und konnten sich verteidigen. Die Urteile erstreckten sich von Freispruch über Haftstrafen bis hin zur Todesstrafe. Ebenso wichtig ist Pap. 3925, ein magischer Text, der die einzige bekannte Vorlage für den häufig auf den sog. Horus-Stelen wiedergegeben Text darstellt. Im Zuge der Neubearbeitung konnten zahlreiche für das Textverständnis entscheidende Fehler in den verschiedenen Varianten der Horusstelen erkannt und korrigiert werden. In dem bislang unveröffentlichten Pap. Nr. 9340 werden einige niedere Priester verhört, die anscheinend in eine Affäre mit Frauen verwickelt waren, woran wir erkennen, daß viele Probleme unserer Zeit bereits im 2. Jt.v.Chr. existierten. Außer den Papyri gehörte eine Anzahl von Ostraka zu dem Projekt. Hier ist namentlich O.5984 zu nennen, ein sog. Weinetikett, das aus dem Weindepot des Ramesseums stammt. Es berichtet von Weinlieferungen an die Priester und anderes Tempelpersonal des Ramesseums, und zwar wurden drei bis vier Krüge Wein, d.h. etwa 15 bis 20 Liter pro Tag angeliefert.
- KHM-Museumsverband - 100%
- Helmut Satzinger, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Hermann Harrauer, Österreichische Nationalbibliothek , nationale:r Kooperationspartner:in