Risikofaktoren für konnatale HCMV Infektion
Evaluation of risk factors for congenital HCMV-infection
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (30%); Mathematik (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
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CONGENITAL HCMV INFECTION,
HCMV VIRUS LOAD,
RISK FACTORS,
HCMV CELL TROPISM,
HCMV STRAIN SPECIFIC IGG PATTERN
Kongenitale HCMV Infektionen sind die häufigsten transplazentar übertragenen viralen Infektionen mit einer Inzidenz von 0,2% bis 2,6%. Das klinische Erscheinungsbild variiert stark und umfaßt sogenannte stille Infektionen, kann aber auch zu der schweren Erkrankung einer "cytomegalovirus inclusion disease" (CID) führen. Im Gegensatz zu anderen Infektionserkrankungen bildet die Anwesenheit von spezifischem IgG im Serum der Mutter keinen Schutz vor der Übertragung. Die Mechanismen dieser Übertragung sind noch nicht geklärt, genausowenig wie alle Faktoren bekannt sind, die zu einer symptomatischen HCMV Infektion führen, aber es kann als sehr wahrscheindlich angenommen werden, daß mehr als ein Faktor dafür verantwortlich ist. Die Parameter, die am wahrscheindlichsten die Übertragung beeinflussen, sind 1. das Virusstamm spezifische Immunglobulin Muster im Serum der Mutter, 2. die Viruslast im Serum der Muster und 3. der Zelltropismus des Virus. Diese drei Parameter sollten bestimmt und in Hinblick auf ihre prediktive Voraussagekraft für eine Virusübertragung untersucht werden. Außerdem sollen diese Faktoren in Hinblick auf den Zusammenhang mit dem Auftreten symptomatischer Infektionen beim Kind untersucht werden. Wechselwirkungen zwischen den erwähnten Parametern sollten evaluiert werden. Außerdem soll die Inzidenzrate der kongenitalen und postnatalen HCMV Infektionen, sowie der Anteil symptomatische Infektionen bestimmt werden. Ein Score-System, das als Hilfestellung in der klinischen Praxis benutzt werden kann, soll erstellt werden. Diese Studie baut auf einem bereits seit 1993 in Graz existierenden Screening Programm auf, das in Zusammenarbeit zwischen der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Kinderklinik und der Gemeinsamen Einrichtung für Medizinisch-Chemische Labordiagnostik/Blocklabor II durchgeführt wird.
Die Ergebnisse des Projektes sind in drei Bereiche zu unterteilen: 1. Etablierung und Evaluierung der Methoden zur Diagnose einer konnatalen CMV Infektion 2. Untersuchungen von Patientenproben (von konnatal CMV infizierten Kindern und nicht infizierten Kindern, sowie deren Mütter) zur Erfassung von in-vivo Unterschieden. 3. In-vitro Untersuchungen zur Abklärung von CMV-Trophoblast Interaktionen Ad 1.: Da die kommerziell erhältlichen CMV-IgM ELISA sehr unterschiedliche Sensitivitäten und Spezifitäten haben, war es notwendig, die für das Screening der Neugeborenen auf konnatale CMV Infektion in Frage kommenden Testsysteme zu Evaluieren. Wesentlich in diesem Zusammenhang war die Erstellung eines statistischen Auswertemodelles, das es ermöglicht, die Wertigkeiten der Testsysteme auch ohne Gold-Standard zu erfasssen. Ein derartiges Auswertesystem hat es bis dato nicht gegeben und stellt einen signifikanten Qualitätsvorsprung dar. Eine ähnliche Problematik stellte sich auch bei der Quantifizierung der CMV DNA. Hier steht kein kommerziell erhältliches System zur Verfügung, dass die notwendige Sensitivität im niedrigen Bereich hat, und den international gültigen Standards entspricht. Auch hier ist der im Rahmen des Projektes entwickelte Assay für die Quantifizierung der CMV DNA der derzeit beste und sensitivste Test. Ad 2. Pathophysiologische Phänomene bei konnatal CMV infizierten Kindern konnten bisher nur im Gewebematerial von verstorbenen Kindern nachvollzogen werden. Es gab bisher keine Daten darüber, die auf Grund von Untersuchungen in Blut, Harn und Liquor Rückschlüsse auf Organbeteiligungen und Veränderungen in Organsystemen im Rahmen der Therapie erlaubten. Die Zell-Assoziation des Virus und die auf Grund von Untersuchungen festgestellte Organ-Assoziation konnte auch bei Kindern, die nicht so stark an einer konntalen CMV erkrankt sind, dass es zu ihrem Tode führt, bestätigt werden. Weiters konnten im Rahmen dieser Untersuchung prädiktive Parameter, die für die Prognose des betroffenen Kindes relevant sind, ermittelt werden, sowie die Effektivität der Therapie im Sinne einer Reduktion der Virusreplikation in den Organen festgestellt werden. Der zweite Schwerpunkt dieser Untersuchungen betraf die genaue Analyse des CMV spezifischen humoralen Abwehrsystems. Hier ergaben sich auch interessante und vermutlich im Sinne einer Prädiktion verwertbare Unterschiede zwischen Frauen, die das Virus auf das Kind übertragen, und solchen, bei denen während der Schwangerschaft keine Übertragung stattfindet. Ad 3. Die Untersuchung der pathophysiologischen Interaktion zwischen CMV und Trophoblasten zeigte als wesentliche Ergebnisse, dass immunologische Abwehrmechanismen, als deren Indikator das proinflammatorische Zytokin Interleukin 6, gewertet werden kann, sofort nach Eintritt des Virus in die Zelle stattfinden, und nicht von einer Virusreplikation abhängen. Das würde erklären, warum in histologischen Präparaten von Plazenten nicht infizierter Kinder sehr wohl CMV gefunden werden kann. In diesen Fällen dürfte die lokale Abwehr im Bereich der Plazenta einen transplazentaren Übertritt des Virus auf das Kind verhindert haben. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass im Rahmen dieses Projektes methodische, klinische und pathophysiologische Fragen bearbeitet und sehr zufriedenstellend beantwortet werden konnten.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 58 Zitationen
- 1 Publikationen
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2002
Titel Human cytomegalovirus load in various body fluids of congenitally infected newborns DOI 10.1016/s1386-6532(02)00188-9 Typ Journal Article Autor Halwachs-Baumann G Journal Journal of Clinical Virology Seiten 81-87