Das Schicksal ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiter in Österreich 1944/45 und die gerichtliche Verfolgung von deren Mördern und Peinigern in der Zweiten Republik
Hungarian Jews in Austria 1944/45
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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NS JUDENVERFOLGUNG,
NS JUDENVERNICHTUNG,
ZWANGSARBEIT,
KRIEGSENDE ÖSTERREICH,
OKKUPATION UNGARNS,
KRIEGSVERBRECHERPROZESSE
Forschungsprojekt P 13683Ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter in Österreich 1944/45Erika WEINZIERL28.06.1999 Zwischen März 1944 und März 1945 wurden mehr als 100.000 ungarische Juden in mehreren Wellen nach Österreich verschleppt. Die frühesten Deportationen erfolgten unmittelbar nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Ungarn, als zur Brechung des ungarischen Widerstandes antifaschistische Intellektuelle, Politiker und Wirtschaftstreibende festgenommen und in Lagern in Ungarn, aber auch in Wien und Niederösterreich sowie im KZ Mauthausen interniert wurden. Unter diesen Häftlingen befanden sich zahlreiche Juden. Angesichts der Arbeitskräfteknappheit wurden im Juni 1944 Deportationszüge aus Nordsiebenbürgen, der Karpatenukraine und der ehemals jugoslawischen Batschka auf dem Weg nach Auschwitz nach Gänserndorf umgeleitet, wo etwa 3000 Juden und Jüdinnen für Zwangsarbeiten in landwirtschaftlichen, Gewerbe- und Industriebetrieben im Gau Niederdonau selektiert wurden. Dieser Arbeitseinsatz dauerte für die meisten der Selektierten bis zur neuerlichen Verschleppung nach Theresienstadt und Mauthausen im Februar und März 1945. Ende Juni folgten 15.000 Juden aus den Ghettos Szolnok und Debrecen. Diese Menschen sollten ebenfalls das Arbeitskräftereservoir in den Gauen Wien und Niederösterreich verstärken, doch waren sie auch ein Faustpfand der SS bei deren Verhandlungen um einen Separatfrieden mit den Westmächten. Verwaltungsmäßig bildeten diese Menschen mit den im Mai nach Österreich Verschleppten eine Einheit und unterstanden dem Wiener Außenkommando des Budapester "Sondereinsatzkommandos Eichmann". Vermittelt wurden die Arbeiter durch die Arbeitsämter, die Löhne kassierte die SS, die allerdings aus politischen Erwägungen heraus danach trachtete, den Großteil dieser Gruppe von Deportierten am Leben zu erhalten. Nach Einbringung der Emte, im November 1944 gingen einige Transporte mit Arbeitslosen ins Sonderlager von Bergen-Belsen ab. Im Frühjahr 1945, als sich die Russen bedrohlich der österreichischen Grenze näherten, sollten die verbliebenen Arbeiter nach Theresienstadt verbracht werden. Nachdem die Bahnverbindung von Strasshof nach Theresienstadt durch Bombenangriffe unterbrochen worden war, wurden die Arbeiter in Todesmärschen nach Mauthausen und Gunskirchen getrieben. Die größte Gruppe ungarischer Juden kam nach dem Nylas Putsch im Herbst/Winter 1944/45 an die ungarisch- österreichische Grenze, wo sie zu Schanzarbeiten am "Südostwall" eingesetzt wurden. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren so schlecht, daß ein erheblicher Teil der Zwangsarbeiter an Kälte, Hunger, Entkräftung und Seuchen starb. Ende März 1945 erteilte Heinrich Himmler den Befehl, die jüdischen Zwangsarbeiter nach Mauthausen zu "evakuieren". Da nicht genügend Transportmittel zur Verfügung standen, mußte der Großteil der erschöpften Arbeiter und Arbeiterinnen den Weg nach Mauthausen zumindest streckenweise zu Fuß bewältigen. Die Wachmannschaften, die vom Volkssturm, der Hitlerjugend, der Gendarmerie und der SS gestellt wurden, hatten den Befehl, Nichtmarschfähige zu erschießen. Nach dem Krieg wurden bis in die sechziger Jahre Strafprozeß wegen Gewaltverbrechen gegen ungarische Juden in Österreich abgehalten. Die Justizakten sind nicht nur die wichtigste Quelle für dieses Forschungsvorhaben, sie werden auch im Hinblick auf den Aufbau des demokratischen Justizwesens in Österreich nach 1945 untersucht. Die österreichischen Prozesse werden mit ausländischen verglichen.
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