Der östliche Kastellvicus von Mautern/ Favianis - Die Grabungen 1997-1998
Eastern Vicus of Mautern/ Favianis
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)
Keywords
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LIMESFORSCHUNG,
KASTELLVICUS,
MAUTERN AN DER DONAU,
FUNDBEARBEITUNG,
INTERDISZIPLINÄRES FORSCHUNGSPROJEKT
In den Jahren 1997-1998 fanden im östlichen Lagervicus des römischen Auxiliarkastells Mautern/Favianis (Mautern a. d. Donau, Niederösterreich) durch das Österreichische Archäologische Institut ausgedehnte Grabungen statt. Auf einer Fläche von über 4.500 m2 konnten die Baustrukturen dieser dorfähnlichen Siedlung im Umfeld eines Kastells untersucht werden. Im Zuge der Grabungen gelang es, wichtige neue Erkenntnisse über die Baumuster und das Fundmaterial in einem norischen Lagervicus zu gewinnen. Der Lagervicus war ab dem Ende des 1. Jhs. n. Chr. bis in das 2. bzw. 3. Jh n. Chr. bewohnt, es gibt bauliche Reste von drei Phasen. Innerhalb des Vicus bzw. der einzelnen Gebäude (Typ "Streifenhäuser") können Werkstätten- und Wohnbereiche unterschieden werden. In zwei der Gebäude waren Töpfereien eingerichtet. Die Ergebnisse dieser Forschungen sind von überregionaler Bedeutung. Bis dato sind in Österreich vom Donaulimes keine Grabungen dieser Größenordnung zusammen mit dem Fundmaterial vorgelegt worden. Die Bearbeitung der Befunde soll eine Diskussionsbasis für weitere archäologische und historische Fragestellungen am Limes bilden. Der Rahmen eines FWF-Projektes soll die Bearbeitung des umfangreichen keramischen Fundmaterials und der Kleinfunde aus diesen Grabungen parallel zu der Aufarbeitung des Grabungsbefundes am ÖAI umfassen. Die Bearbeitung konzentriert sich dabei auf drei von insgesamt neun ergrabenen Streifenhäuser und schließt damit das Material aus den beiden Töferwerkstätten mit ein. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit soll sich auch auf die Bereiche Archäozoologie und Archäobotanik erstrecken. Die große Materialmenge wird im Kontext mit dem Grabungsbefund eine solide Basis für eine Interpretation der Befundlage liefern. Von besonderer Bedeutung sind dabei Vergleiche sowohl zwischen Befunden aus dem Kastell Favianis und seinem Vicus als auch mit benachbarten Kastellen und deren Vici. Bauformen, Haustypen und Fundmaterial sind mit Befunden vor allem entlang des obergermanisch/rätischen Limes vergleichbar und dementsprechend auch zur Diskussion zur stellen. Ziel des Projektes ist eine Publikation von Teilen der Grabungen 1997-1998 im östlichen Lagervicus von Mautern mit einer Zusammenstellung und Interpretation der Befunde und des relevanten Fundmaterials.
Das Forschungsprojekt "Östlicher Kastellvicus von Mautern/Favianis" (P13689-G03) hatte die interdisziplinäre Bearbeitung einer großflächigen archäologischen Ausgrabung in einer Siedlung an der Grenze (Limes) des römischen Reiches in Österreich (Noricum) zum Inhalt. Dabei konnten erstmals für diese Region die ökonomischen und ökologischen Grundlagen bzw. Veränderung für die Bewohner eines Dorfes (Vicus) im Umfeld eines römischen Militärstützpunktes (Kastell) über vier Jahrhunderte hinweg (1.-5. Jh. n. Chr.) aufgezeigt und analysiert werden. Durch Truppenverschiebungen bedinget Wechsel in der Bevölkerung ließen sich ebenso anhand der materiellen Hinterlassenschaften nachvollziehen, wie die ökonomischen Grundlagen der Einwohner und Reaktionen auf sich auch durch die Nutzung des Siedlungsraumes bedingte ändernde Umweltbedingungen. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes geben Aufschluß über die Struktur, die Bautypen und die wirtschaftlichen Einrichtungen der Siedlung und ermöglichen es die oben genannten dynamischen Veränderungen in einen chronologischen Rahmen darzustellen.
- Universität Wien - 100%