Miozäner Ökosystemwandel in den O-Alpen-Blattfloren
Miocene terrestrial environments reflected in leaf assemblages.
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (40%); Geowissenschaften (60%)
Keywords
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PALÄOBOTANIK,
ÖKOSYSTEMFORSCHUNG,
GEODYNAMIK,
BECKENEVOLUTION,
ÖSTERREICH,
NEOGEN
Forschungsprojekt P 13741Miozäner Ökosystemwandel in den O-Alpen-BlattflorenJohanna EDER- KAVAR28.06.1999 In den Neogenbecken Ostösterreichs sind zahlreiche fluviatil/lakustrische, häufig kohleführende Abfolgen entwickelt. Pflanzenfundstellen (Blätter) in diesen sind seit dem 19. Jahrhundert bekannt oder wurden in den letzten Jahre entdeckt. Jüngste geodynamische Untersuchungen trugen zur Klärung der unterschiedlichen Genese einzelner Becken bei. Diese Fakten bilden den einmaligen Ansatzpunkt für die Erforschung von Ökosystemveränderungen unter dem Einfluß geodynamischer Prozesse. Diese Untersuchungen werden auf fossile Pflanzenvorkommen (Blatt-Vergesellschaftungen) aus fluviatil/lakastrischen Komplexen der Zeitintervalle höheres Unter/unteres Mittel-Miozän (Karpatium/Badenium), Mittel-Miozän (Badenium) und Ober-Miozän (Pannonium) in folgenden Becken konzentriert: Fohnsdorf und Parschlug Becken (k1eine, intramontane Becken entlang der Mur/Mürz-Furche, Molassezone nördlich der Alpen (alpines Vorlandbecken), Oststeirisches Becken (Pannonisches Beckensystem). Die Auswertung der fossilen Blattreste erfolgt systematisch-taxonomisch unter Anwendung großmorphologischer und kutikularanalytischer Bestimmungsmerkmale. Ausgewähte systematische Gruppen (Acer-Ahorn, Trapa- Wassernuß, Salicaceae-Weidengewächse) sind Themen monographischer Bearbeitungen. Unter Einbeziehung taphonomischer und sedimentologischer Daten der pflanzenführenden Schichten werden die floristischen Spektren der einzelnen Blatt-Vergesellschaftungen paläoökologisch interpretiert. Der Vergleich und die Kombination dieser Ergebnisse mit jenen der Studien fossiler Früchte/Samen und Pollen/Sporen (fachverwandte Projekte dieses Bündels) dienen zur Evaluierung der komplementdren Informationspotentiale der unterschiedlichen Organvergesellschaftungen. Basierend auf den paläobotanischen Untersuchungen erfolgt die Rekonstruktion der begleitenden Vegetation in den Gebieten der fluviatil/lakustrischen Systeme. Paläoklimatische Parameter werden durch Anwendung des "Coexistence approach" (MOSBRUGGER & UTESCHER 1997) ermittelt. Die Ergebnisse aus den verschiedenen Becken innerhalb der einzelnen, und nachfolgend auch der unterschiedlichen Zeitintervalle werden vergleichend ausgewertet und in den Kontext geodynamischer Prozesse gestellt. Potentielle Ursachen für floristische und Vegetationsunterschiede (edaphische, fazielle, tektonisch-geodynamische, klimatische, stratigraphische) sind zu ergründen. Die paläobotanischen Ergebnisse werden den Modellen der Beckenentwicklung, die als Ergebnis des Sedimentologie-Geodynamik Projektes dieses Bündels vorgesehen sind, gegenübergestellt.
Miozäne Floren verschiedener Becken Österreichs wurden untersucht, um das Verständnis der Verschiedenartigkeit terrestrischer Lebensräume zu verbessern: Hinterschlagen (Hausruck Kohlerevier, Oberösterreich, Molasse Becken) - Pannon Pellendorf (Bez. Mistelbach, Niederösterreich, Wiener Becken) - Pannon Mataschen (bei Fehring, Steiermark, Oststeirisches Becken) - Pannon Parschlug (bei Kapfenberg, Steiermark, Norische Senke) - Karpat/Baden. In Pellendorf ist ufernahe Vegetation vom NW-Rand des Pannonischen Sees überliefert: Ausgedehnte Stände der "Wasserweide" (Decodon), die heute auf den Osten Nordamerikas beschränkt ist, und artenreiche aquatische Vergesellschaftungen sind von bisher einmaliger Zusammensetzung. Die Habitate und ihre mosaikartige Anordnung gestatten den Vergleich mit dem Volga Delta im Astrachan Biosphären Reservat am Nordrand des Kaspischen Meers heute. In der Schichtabfolge von Mataschen dokumentiert ein basaler Horizont Sumpfhabitate und ein höherer überwiegend Laubgehölze des Hinterlands. Die Flora von Mataschen ist die artenreichste unter den pannonen Blätterfloren Österreichs. Im Vergleich mit anderen zentraleuropäischen Floren sind lorbeerartige Gehölze in Mataschen sehr artenreich (Lauraceae, Fagaceae, etc.). Die Floren des Pannon belegen warm-temperate, humide klimatische Verhältnisse vergleichbar mit jenen, wie sie heute in Teilen des südöstlichen Nordamerikas und Asiens ausgebildet sind. Die seit Jahrhunderten berühmte Flora von Parschlug wurde erstmals monographisch bearbeitet.. Physiognomisch sklerophylle Arten sind artenreich vertreten und bezeugen trockenere klimatische Verhältnisse als in früheren und späteren miozänen Perioden. Salix hausruckensis (Weide), Trapa ungeri (Wassernuss) (beide von Hinterschlagen) und Mikia pellendorfensis (Pellendorf) sind einige der neu entdeckten Arten. Letztere repräsentiert möglicherweise die Schwimmblätter der ausgestorbenen Gattung Hemitrapa (Wassernuss-Verwandte), von der nur die Nüsse bekannt sind. Prinsepia (Rosengewächs, heute Ostasien) wurde in Parschlug erstmals in einer europäischen Blätterflora nachgewiesen. Artenvielfalt, Ökologie, regionale und stratigraphische Verbreitung der Ahorne wurden untersucht. Der Entwicklung der Wassernussgewächse in Österreich und Europa und der kritischen Überprüfung der Nachweise von Weiden und Pappeln waren weitere Detailuntersuchungen gewidmet. Diese zeigen deutlich, dass die miozäne Flora von Feuchtlandshabitaten erheblichen Veränderungen unterlag, die von Bedeutung für biostratigraphische und klimatische Interpretation sind.
Research Output
- 104 Zitationen
- 1 Publikationen
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2008
Titel The Integrated Plant Record: An Essential Tool For Reconstructing Neogene Zonal Vegetation In Europe DOI 10.2110/palo.2006.p06-039r Typ Journal Article Autor Kovar-Eder J Journal PALAIOS Seiten 97-111