Rekostruktion miozäner ökosysteme mit Diasporen in Austria
Extracting palaeoecological and palaeoclimatic data from dispersed fruits and seeds (diaspores) in Miocene terrestrial ecosystems of eastern Austria.
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
-
ÖSTERREICH,
MIOZÄN,
PALÄOKARPOLOGIE,
PALÄOÖKOLOGIE,
PALÄOKLIMA,
BIOSTRATIGRAPHIE
Forschungsprojekt P 13742Rekonstruktion mizäner Ökosysteme mit Diasporen in AustriaDavid K. FERGUSON28.06.1999 Während des Miozans kam es aufgrund der alpinen Orogenese zu weitreichenden paläogeographischen und topographischen Veränderungen in Österreich. Die neu entstandenen terrestrischen Lebensräume boten zusätzlichen Raum zur Besiedlung durch Pflanzen, was durch die Verbreitung von Samen und Früchten (Diasporen) erfolgte. Aus den terrestrischen Bereichen des entstehenden Alpenorogens wurden Klastika und Pflanzencletritus nach N in das Molasse-Vorlandbecken geschüttet. Das im NE das Molassebecken begrenzende Böhmische Kristallinmassiv lieferte ebenfalls Sediment- und Pflanzenmaterial. Diese Sedimente sind in Oberösterreich und im nördlichen Niederösterreich weit verbreitet und enthalten zahlreiche Diasporen, Pollen und Sporen als auch Blätter. Starke Dehnungsbewegungen in den alpinen Decken führten weiterhin zu zahlreichen Brüchen und Störungssystemen. Durch Absenkungen entstanden neue Ablagerungsräume, die die Sedimente aus den urngebenden Gebieten aufnahmen. Pflanzenfuhrende Sedimente befinden sich vor allem in den nördlichen Randgebieten der Zentralen Paratethys in Südosten Österreichs. Zur Rekonstruktion miozäner Ökosysteme in Österreich anhand von Diasporen wurden aus einzelnen Zeitabschnitten vom unteren bis zurn oberen Miozän bestimmte Lokalitäten innerhalb des Molassebeckens und der intramontanen Becken ausgewählt. Geologische als auch paldobotanische Vorarbeiten und Untersuchungen gewährleisten die Erreichung der Projektziele. Durch die Kombination mit den anderen Pflanzenorganen (Blätter und Pollen / Sporen), die Gegenstand weiterer Projekte sind, werden die Florenspektren, die die Grundlage für die paläoökologischen Analysen bilden, ergänzt. Die Untersuchung der Ursachen für Nosystemänderungen in Zeit und Raum wird durch die geologischen, paläomagnetischen und paläozoologischen Projekte, unterstützt. Die Hauptziele des Projektes sind: * Systernatisch-taxonornische Bestimmung der Diasporen aus den verschiedenen Ablagerungsräumen (Molassebecken; intramontane Becken (Fohnsdorfer Becken und Pannonisches Beckensytem) und aus verschiedenen Zeitebenen (Egerium/ Eggenburgiurn, Eggenburgiurn/ Ottnangium, Karpatian/ Badenium, Sarmatium, Pannonium). * Paläoökologische Charakterisierung der Diasporen-Vergesellschaftungen und die Rekonstruktion der für bestimmte Standortverhältnisse charakteristischen Pflanzengemeinschaften (z.B. mesophytische Wälder, Sumpfwälder, Auenwälder, Moore). * Untersuchung der möglichen Ursachen für Übereinstimmungen und Unterschiede in den diversen rekonstruierten Pflanzengerneinschaften aus den einzelnen Gebieten. * Zusammenfassung der Ergebnisse aller untersuchten Pflanzenorgane, um zu einem vollständigeren Bild der unterschiedlichen Vegetationstypen zu kommen. * Interpretation der Ergebnisse vor dern Hintergrund der Daten aus den geologischen, palaornagnetischen und paläozoologischen Projeklen. * Überprüfung einzelner Taxa auf ihre regionale biostratigraphische Bedeutung und ein Vergleich mit bereits existierenclen biostratigraphischen Modellen in Süddeutschland und der Lausitz.
Aus verschiedenen österreichischen Pflanzenfundstellen miozänen Alters wurden Samen- und Frucht-Floren (=Diasporenfloren) geborgen, systematisch-taxonomisch untersucht als auch paläoökologisch, paläoklimatisch und ansatzweise stratigraphisch interpretiert. Die Artenspektren aus den diversen Fundorten sind unterschiedlich reich und in ihrer Zusammensetzung variabel. Viele Pflanzenelemente waren aus dem öster-reichischen Neogen bisher nicht mit Diasporen belegt. Als besonders reich und gut erhalten erwiesen sich die Diasporenfioren aus den obe-miozänen Sedimenten des ehemaligen Hausrucker Braunkohlenreviers (oberöster-reichische Molassezone). Über 80 Arten dokumentieren verschiedenste Lebensräume und Vegetationstypen: große offene Seen mit Seerosengewächsen, Wassernüssen und Tausendblattgewächsen, weite Uferbereiche mit großräumigen Beständen von Sauer-gräsern, Sumpfwälder mit Sumpfzypressen, als auch Flüsse, deren Ufer mit krautigen und holzigen Pflanzenbewachsen waren. Die Hinterland-Elemente (grundwasserunab-hängig) sind nur vereinzelt vertreten, was auf eine größere Entfernung dieser Vegetation zum Sedimentationsgebiet hindeutet. Der Vergleich aller österreichischen Molassefloren mit jenen aus der südbayerischen Molassezone zeigt gewisse floristische Unterschiede. So fehlen dort viele Arten und Gattungen und umgekehrt. Eine Ursache dafür könnten die unterschiedlichen Faziesverhältnisse sein, da es während des Miozäns im Gebiet der südbayerischen Molassezone nicht zu ausgedehnten zeigen ebenfalls Unterschiede. Dort kommen artenreiche Diasporenfloren mit diversen subtropischen Elementen vor, die in der österreichischen Molasse mit Diasporen nicht dokumentiert sind. Aus der Tongrube Mataschen, im Steirischen Tertiärbecken (SE Österreich), stammt die bisher reichste obermiozäne Diasporenvergesellschaftung dieses Sedimentationsgebietes (ca. 60 Taxa). Einzigartig für tertiäre Diasporenvergesellschaftungen Osterreichs sind das häufige Vorkommen von Sinomenlum cantalense (Mondsamengewächs) und die ersten Nachweise von Butomus, der Schwanenblume und von Paulownia (Blauglockenbaum). Das 28 m lange Sedimentprofil dokumentiert Seesedimente, die einen Sumpfwald überfluteten und einen zunehmenden Einfluss eines Flussdeltas im See. Uberraschende Ergebnisse erbrachte eine kombinierte anatomisch-morphologische und biochemische Untersuchung der fossilen Gattung Geratostratiotes (Ceratophyllaceae oder Hydrocharitaceae?). Die biochemischen Resultate deuteten auf eine dikotyle Pflanze, die Morphologie und Anatomie dagegen zeigen eine große Ubereinstimmung zu den monokotylen Hydrocharitaceen. Ceratostratiotes, deren Vorkommen auf 4 Regionen in der Umgebung der Zentralen Paratethys beschränkt ist, bleibt damit ein rätselhaftes Element.
- Universität Wien - 100%