Studien zum Urkundenwesen Kaiser Friedrichs III. in den Jahren 1458 - 1466
Charters of Frederic III. (1458-1466)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (90%); Rechtswissenschaften (10%)
Keywords
-
KAISER FRIEDRICH III.,
RESIDENZFORSCHUNG,
DIPLOMATIK,
RECHTS- UND VERFASSUNGSGESCHICHTE,
GESCHICHTE DES 15. JHDTS.,
KANZLEIFORSCHUNG
Im österreichischen Haus-, Hof- und Staatsarchiv findet sich mit über 3000 Originalurkunden des spätmittelalterlichen Herrschers Kaiser Friedrich III. (1440-1493) der größte geschlossene Archivbestand dieses Herrschers, wobei der überwiegende Teil dieser Urkunden bisher noch nicht erfaßt wurde. Da es sich bei diesem Archiv um das Hausarchiv der Habsburger handelt, finden sich hier "öffentliche" und "private" Quellen, die in keiner anderen Quellensammlung zu erwarten sind, weshalb die Aufarbeitung gerade dieser Kaiserurkunden ein langjähriges Desiderat der Forschung darstellt. In den vorangegangenen Projekten wurde das Material der Jahre 1440-1457 in Regestenform bearbeitet und bereits teilweise zum Druck gebracht. Das Ziel des eingereichten Projektes ist, neben einer lückenlosen Erfassung und Bearbeitung des Urkundenmaterials der Jahre 1458-1466 in Form von Regesten auch Ansätze einer inhaltlichen Auswertung dieses einzigartigen Quellenbestandes zu erarbeiten. In diese Zeit fallen die großen Konflikte des Habsburgers mit dem Erzbistum Salzburg, die Auseinandersetzung Friedrichs mit seinem Bruder, Herzog Albrecht VI., bis zu dessen Tod 1463, sowie eine Neupositionierung des Verhältnisses zur römischen Kurie durch den Tod von Papst Pius II. (Eneas Silvius de Piccolomini) im Jahre 1464. Dabei können auch neue Erkenntnisse zu Fragen der Organisation spätmittelalterlicher Herrschaft ebenso wie zur Residenzforschung, adeligem Selbstverständnis und der Diplomatie des Spätmittelalters gewonnen werden. Dies geht Hand in Hand mit der Untersuchung der Wirkungsweise von Texten, die nach iherer Herstellung, dem Gebrauch und der Aufbewahrung zu untersuchen sind. Dabei können Grundlagen für eine Diplomatik der Kaiserurkunde des Spätmittelalters erarbeitet und neue Aufschlüsse über die Kanzleigeschichte gewonnen werden. Als Ergebnis können einerseits durch die Bearbeitung der Urkunden in Form von Regesten neue Einsichten in die politische Geschichte eines Herrschers des europäischen Spätmittelalters und ihrer Konstituierung durch Urkundentexte erwartet werden. Andererseits wird gezeigt werden können, daß die Informationen der erhaltenen spätmittelalterlichen Texte nicht einfach als Widerspiegelungen politischer Realitäten interpretiert werden können, sondern selbst eine wichtige Funktion für eine soziale Konstruktion und Durchsetzung eines privaten wie öffentlichen Diskurses "von oben" hatten.