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Die Stadtmauern von Velia

The fortifications of Velia

Fritz Krinzinger (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P13791
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.1999
  • Projektende 14.04.2001
  • Bewilligungssumme 103.408 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    MAGNA GRECIA-FORSCHUNG, STADTMAUERN, URBANISTIK, RÖMISCHES MUNICIPIUM

Abstract Endbericht

Forschungsprojekt P 13791Archäologische Forschungen in Velia 1999Fritz KRINZINGER28.06.1999 Im Mittelpunkt der archäologischen Arbeiten in Velia im Jahr 1999 stehen weiterhin Fragen der Siedlungsentwicklung, wobei besonders der Bereich innerhalb der Befestigung untersucht werden soll, der in der Unterstadt von Velia vom Mauerzug B begrenzt wird. Die Bedeutung dieses Bereiches hangt eng mit den antiken Geländeverhältnissen zusammen, da hier die Einmündung des kleinen Wasserlaufs, der die Wasserversorgung der Stadt sicherstellte, ins Meer anzunehmen ist. Dieses Wassertal muß sowohl die erste Verbauung der Unterstadt mit Wohnhäusern in der Zeit um 500 v. Chr., beeinflußt haben, aber auch die Planung und Anlage der Stadtbefestigung der folgenden Jahrhunderte. Im städtebaulichenKonzept mußten dabei sowohl die Phänomene der Verlagerung der Kostenlinie sowie die enormen Erhöhungen des Niveaus durch ständige Hangerosionen berücksichtigt werden. Im Anschlug an die archäologischen Untersuchungen der Stadtmauern in diesem Bereich in den beiden vorangegangenen Jahren soll 1999 das chronologische Verhältnis der Befestigung in ihren verschiedenen Phasen zum anschliegenden Siedlungsbereich geklärt werden. Neben teilweise freigelegten hellenistischen Wohnhäusern kann hier nach den Resten mächtiger Pfeilerfundamente ein öffentliches Gebäude oder ein öffentlicher Platz vermutet werden. Diese Arbeiten sind als vordringlich einzustufen, da in diesem Areal 1999 die erste Ausbauphase des archäologischen Parks von Velia und damit konkrete Gestaltungsmaßnahmen beginnen, nach deren Abschluß archäologische Grabungen nur mehr mit grogen Schwierigkeiten durchgefühhrt werden können. Eine weitere kleinere Untersuchung soll die genauere Erforschung der 1998 angeschnittenen spätarchaischen Stadtmauer betreffen. Weiters soil auch 1999 die Bearbeitung einer Reihe von Publikationsvorhaben fortgeführt werden. Dies betrifft neben der 1997 begonnenen Bauanalyse der Befestigungsmauern in der Unterstadt von Velia vor allem die Erforschung der römischen Keramik, durch welche die Bedeutung und kulturelle Ausrichtung Velias in jener Zeit untersucht sowie Aufschlüsse über die Anderungen im Leben der Stadt am Übergang von der griechischen Polis zurn römischen Municipium erhalten werden sollen. Schließlich soll die im Rahmen einer Dissertation erfolgte Bearbeitung der römischen Thermen im Vignale abgeschlossen werden. Diese Badeanlage ist von besonderem Interesse, weil eine Reihe von kleinteiligen Räumen und Elinzelbadeplätzen auf einen individuelien "Kurbetrieb" schliegen lassen.

Die Erforschung der Befestigungsanlagen in der großgriechischen Stadt Velia in Süditalien stellen seit einigen Jahren einen Schwerpunkt der archäologischen Forschung des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Wien dar. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei der Mauerzug B in der Unterstadt von Velia. Aufgabe des Projektes war die Erforschung der Baugeschichte dieses Mauerzugs sowie die Klärung seines Verhältnisses zur Wohnbebauung vor allem im westlich anschließenden Bereich, um so die Bedeutung des Gebietes im städtebaulichen Konzept der Stadt besser verständlich zu machen. Durch die Arbeiten der Jahre 1999 und 2000 konnte ein bisher unbekannter, spätarchaischer Teil der Befestigung entdeckt werden sowie Aufschlüsse über die komplexe Baugeschichte der Befestigung von spätarchaischer bis in hellenistische Zeit gewonnen werden. Von besonderem Interesse waren dabei die Ergebnisse für das 4. Jh. v. Chr., da aus dieser Zeit bis jetzt kaum archäologische Reste bekannt waren und daher davon ausgegangen wurde, daß die Stadt unter der politisch schwierige Situation des 4. Jhs. gelitten und in ihrer Entwicklung negativ beeinflußt worden wäre. Die Arbeiten der letzten Jahre zeigen hingegen, daß wir gerade in dieser Zeit mit einer sehr lebhaften Bautätigkeit rechnen müssen, die zu wesentlichen Änderungen im urbanistischen Konzept der Stadt führte. Besonders deutlich tritt uns dies im Bereich der Befestigungen entgegen, wo durch die Neuerrichtung von Mauerzug B die Stadt in eine Ost- und eine Westhälfte geteilt wurde. Diese urbanistische Neukonzeption kann sowohl als fortifikatorische Maßnahme gesehen werden als zusätzlicher Schutz der Weststadt mit dem religiös- politischen Zentrum der Stadt, kann aber möglicherweise auch geänderte soziale oder ethnische Verhältnisse widerspiegeln. Da die italienische Soprintendenza im Jahr 2000 in der Unterstadt von Velia mit der Gestaltung eines archäologischen Parks begonnen hat, war im Jahr 1999 für längere Zeit die letzte Möglichkeit für Tiefgrabungen in diesem Bereich gegeben. Die Ergebnisse der österreichischen Forschungen konnten dabei einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Stadtgeschichte Velias sowie wichtige Impulse für die Bewahrung und Gestaltung des kulturellen Erbes Europas geben.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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