Die Qualität der Therapiemotivation
The quality of therapy motivation
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (10%); Klinische Medizin (10%); Psychologie (80%)
Keywords
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PSYHOTHERAPIEFORSCHUNG,
QUALITATIVE FORSCHUNG,
THERAPIEMOTIVATION,
SUBJEKTIVE KRANKHEITSTHEORIEN
Forschungsprojekt P 14318 Die Qualität der TherapiemotivationThomas SLUNECKO26.06.2000 Die Forderung nach einer qualitativen und praxisorientierten Neuorientierung der Psychotherapieforschung wird in den letzten Jahren immer deutlicher. Hintergrund. dieser Entwicklung ist die zunehmende Einsicht, daß die hochkomplexen, nicht-linearen Kommunikationsprozesse in der Psychotherapie mit einer dem naturwissenschaftlichen Forschungsprogramm entlehnten, rein quantifizierenden Methodik ungenügend erfaßt werden und die innerhalb dieses Forschungsprogrammes generierten Ergebnisse wenig an die Bedürfnisse und Probleme von Praktikern anschlußfähig sind. Für eine lebensweltlich verankerte, naturalistische Psychotherapieforschung erscheint dabei - in Erweiterung des methodischen Zuganges, - die induktiv-verdichtende Strukturierung jener Angaben, die von den an der Therapie Beteiligten auf offene Befragung hin gegeben werden, als eine der vorrangigen Aufgaben. Den inhaltlichen Focus des gegenständlichen Projektes bilden daher klienten- wie therapeutenseitigen Angaben über die (wahrgenommene) Therapiemotivation - eine Variable, der für die Explikation des Zugang zu Psychotherapie insofern zentrale Bedeutung zukommen dürfte, als sich aus der Wahrnehmung dieser Motivation durch den Therapeuten und der `Passung` mit seinen Behandlungsvorstellungen wesentliche Weichenstellungen für die Indikationsentscheidung und damit das weitere `Schicksal` eines Psychotherapieklienten ergeben. In einem ersten Untersuchungsteil soll aus diesen offenen Angaben mittels qualitativer Inhaltsanalyse ein reliables Kategorienschema für Therapiemotivation entwickelt werden. Mit Hilfe dieses Schemas soll dann die Bedeutung unterschiedlicher Therapiemotivation sowie die Bedeutung der Passung von Klientenmotivation und therapeutischern Angebot bzw. therapeutenseitiger Wahrnehmung dieser Motivation für den Zugang zu und das Ergebnis von ambulanter Psychotherapie faßbar werden. Weiters soll überprüft werden, ob sich mit Hilfe dieses Kategorienschemas die in der Literatur postulierten Veränderungen der Motivation im Verlauf von Therapie darstellen lassen.
Für eine erfolgreiche Psychotherapie ist die Motivation des Patienten entscheidend. Motivation ist aber nicht nur eine quantitativ zu bestimmende Größe (d.h. wie sehr jemand motiviert ist). Wesentlich ist auch die Art dieser Motivation und ob sie mit dem, was der Therapeut anbietet, zusammenfindet. Unser primäres Forschungsziel ist deshalb die Entwicklung eines Instruments, mit dem sich die spezifische Qualität der Therapiemotivation überschaubar und verlässlich abbilden läßt. Wie führen dazu eine Inhaltsanalyse jener Antworttexte durch, die 202 Patienten, jeweils vor ihrem Erstinterview an einer großen Therapieambulanz, auf die offene Frage, was sie zur Therapie motiviert, gegeben hatten. Auf dieser Basis legen wir ein über Definitionen, Ankerbeispiele und Kodierregeln dokumentiertes, gut überprüftes System von 16 Motivkategorien vor, das leicht für weitere Forschungskontexte aufgegriffen werden kann. Im Vergleich zu bisherigen Untersuchungen zur Therapiemotivation fällt auf, daß häufig ein relativ unspezifischer Wunsch nach Gespräch und Unterstützung zur Therapie motiviert, - ein Motiv, das von einer an Problemen oder Zielen orientierten Forschungslogik offenbar ausgeblendet war. Wir beobachten interessante Zusammenhänge zwischen den Therapiemotiven der Patienten und ihrem institutionellen Schicksal`: Personen, die von ihren eigenen Entwicklungsmöglichkeiten, von Selbsterkenntnis oder davon motiviert sind, ihre Lebensfreude wiederzuerlangen, erhalten häufiger Gruppen-, Paar- und Familientherapie; diese Patienten sind auch am jüngsten. Bei 8 Patienten, es sind ausnahmslos Frauen, führt die Erstvorstellung an der Ambulanz hingegen überhaupt nicht zum Beginn einer Therapie. Diese Patientinnen sind überdurchschnittlich alt und geben v.a. Fremdanraten, Depression und Leidensdruck als Motive ihres Kommens an. Wir identifizieren sie als Problempatienten des Therapiesystems, die, von Ärzten oder Familienangehörigen überwiesen`, mit wenig Reflexionsmotivation bzw. -kapazität die therapeutischen Ambulanzen anlaufen, um dort trotz hohen Leidensdrucks überzufällig häufig wieder weggeschickt zu werden. Weiters fällt auf, dass Teilnehmer, die bereits über Therapieerfahrung verfügen, signifikant häufiger Leidensdruck bzw. Wünsche nach Gespräch und Unterstützung als Motive angeben. Signifikant seltener hingegen beziehen sich therapieerfahrene Patienten auf kritische Lebensereignisse und auf Probleme am Arbeitsplatz. Dies könnte man als eine Art Lerneffekt bzw. als Anpassung der angehenden Patienten an die Erwartung des therapeutischen Systems interpretieren.
- Universität Wien - 100%
- Christian Korunka, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in