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N. Trubetzkoys kulturtheoretisches Erbe

N. Trubetzkoy´s theory of culture and the Austrian Slavistics

Heinz Miklas (ORCID: 0000-0003-3873-7705)
  • Grant-DOI 10.55776/P14351
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.06.2001
  • Projektende 28.02.2003
  • Bewilligungssumme 66.196 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)

Keywords

    TRUBETZKOY N.S., EUROPÄISCHE KULTURGESCHICHTE, RUSSISCHE EMIGRATION, BEWEGUNG DER EURASIER, ÖSTERREICHISCHE SLAWISTIK

Abstract Endbericht

Forschungsprojekt P 14531N. Trubetzkoys kulturtheoretisches Erbe Heinz MIKLAS09.10.2000 Der Begründer der Phonologie und Professor für Slawinistik an der Universität Wien, Nikolaj Sergeevic Trubetzkoy (Trubetzkoy, 1890-1938), gehört zu den bedeutendsten Sprachwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Auch auf den Gebieten der russischen Literaturwissenschaft und er Ethnologie ist er durch eine Reihe von maßgeblichen Schriften hervorgetreten. Während diese Teile seines Schaffens hinreichend rezipiert und durch Neuauflagen und Textsammlungen (vgl. u.a. Moskau 1987, Wien 1988, Moskau 1995) erschlossen sind, blieb ein dritter Bereich seines intellektuellen Nachlasses - sein kulturtheoretisches Schaffen - mangels Zugänglichkeit weitgehend aus der Analyse ausgeschlossen. Trubetzkoys Bücher und Aufsätze zur Theorie der Kultur, insbesondere der russischen, verfaßt im Zusammenhang und unter dem spezifischen Blickwinkel der sog. Eurasier-Bewegung (einer Gruppe russ. Exil-Philosophen, - Historiker und -Literaten), jedoch hinsichlich ihrer Position im eurasischen Konzept noch im einzelnen zu klären, sind heute weder als Gesamtwerk greifbar noch interpretativ erschlossen. Veröffentlicht in kleinen Auflagen und an entlegenen Publikationsorten, hatten diese Schriften eine beschränkte Zirkulation und sind nur an einzelnen weinigen europäischen und amerikanischen Bibliotheken, stets lückenhaft, vorhanden. So konnte ihr Ertrag für die Kulturwissenschaften wie auch die europäische Geistes- und Wissenschaftsgeschichte bisher lediglich über Umwege (wie eine amerikanische Auswahl-Übersetzung von Ann Arbor, 1991) rezipiert werden. Die gewaltigen Veränderungen der politischen und kulturellen Landschaft Ost- und Mitteleuropas haben im letzten Jahrzehnt auch die Rolle der Emigrationsforschung als Teil des europäischen Dialogs der Kulturen deutlicher hervortreten lassen. Vor diesem Hintergrund erscheint es geboten, Trubetzkoys kulturtheoretisches Wirken am Schnittpunkt von Slawistik, russischer Exilkultur und europäischer, insbesondere österreichischer, Geistes- und Kulturgeschichte während der Zwischenkriegsjahre 1920-1938 textuell und interpretativ zu erschließen. Das Projekt strebt eine umfassende Präsentation von Trubetzkoys kulturtheoretischem Opus und dessen Interpretation als Beitrag zur slawischen Kultur- und Sprachwissenschaft, russischen Emigrationsforschung sowie der Geschichte der österreichischen Slawistik an. Für den Interpretationsteil der kritischen Edition sollen auch unveröffentlichte Archivmaterialien ausgewertet werden, die Trubetzkoys Leben und Schaffen während seiner Wiener Periode beleuchten.

Die Ergebnisse sind in einem Band ausgewählter Schriften (N. S. Trubetzkoy: Rußland - Europa - Eurasien) vereint, der im Verlag der ÖAW erscheinen soll. Seinen Hauptteil bilden die grundlegenden, kommentierten Abhandlungen Trubetzkoys zur Kulturwissenschaft in deutscher Übersetzung, darunter Das Erbe Dschingis Chans (Ein Blick auf die russische Geschichte nicht vom Westen, sondern vom Osten), Zum Problem der russischen Selbsterkenntnis und die neu entdeckte, vom Autor für das westeuropäische Publikum überarbeitete Fassung von Die Ideokratie als Gesellschaftsordnung ... Der Edition sind eine Einleitung und Bibliographie vorangestellt, die neben einer Charakteristik von Leben und Werk des Autors einen Überblick über die seit 1989 aktualisierte Diskussion über die geopolitische und kulturelle Eigenart Rußlands vermitteln sowie die Rezeption seines Gesamtwerk zwischen 1988 und 2002 dokumentieren. Es folgt eine Darstellung der für Trubetzkoys weltanschauliche Entwicklung maßgeblichen Lebensumstände auf dem Weg von Moskau nach Wien mit zahlreichen, z.T. neu entdeckten, z.T. erst seit kurzem bekannten Zeugnissen. Der Anhang enthält zur weiteren Dokumentation vier Quellen zu N. S. Trubetzkoy sowie ein Namens- und Sachregister. Inhaltlich weist das Werk zwei Schwerpunkte auf, die sich primär auf Wien als Trubetzkoys intellektuellen Wirkungsort beziehen: Zum einen werden die (mitunter recht polemischen) Aussagen des Autors vorgestellt, die als Interpretationen kulturgeschichtlicher, ethnologischer und linguistischer Fragestellungen mit den Methoden des frühen Strukturalismus charakterisiert werden können. Trotz kontroverser Thesen (wie der Annahme einheitlicher Identitätsmerkmale für die sog. romanogermanische Zivilisationssphäre) sind seine Antworten, noch mehr aber seine Fragestellungen, heute von brennender Aktualität, ebenso seine Kritik am Europazentrismus der westlichen Welt. Der zweite Schwerpunkt betrifft den biographischen Hintergrund sowie die Ursprünge bzw. maßgeblichen Einflussfaktoren der im kulturwissenschaftlich Werk Trubetzkoys vertretenen Positionen und tangiert die Wissenschaftsgeschichte und Exilforschung. Von besonderer Relevanz ist hier die Beziehung zwischen der Wiener Slavistik und den damaligen Strömungen der russischen Emigration in Sofia, Prag, Berlin und Paris innerhalb der von Trubetzkoy mitbegründeten sog. "eurasischen Bewegung". Insgesamt erschließt der Band eine wenig bekannte, besonders für die österreichische Wissenschaftstradition bedeutsame publizistische und historiosophische Dimension im Schaffen Trubetzkoys, dessen sprachwissenschaftliche Arbeiten ihn zu einer der führenden Persönlichkeiten in der Geisteswissenschaft des 20. Jahrhunderts werden ließen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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