Der Oberleiserberg in der Bronzezeit
The Oberleiserberg in the Bronze Age
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Technische Wissenschaften (10%); Geowissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (80%)
Keywords
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URNENFELDZEIT,
HÖHENSIEDLUNGEN,
BRONZEZEIT,
NIEDERÖSTERREICH,
FRÜHE BRONZEZEIT
Forschungsprojekt P 14568Der Oberleiserberg in der BronzezeitMichaela LOCHNER09.10.2000 Die urgeschichtlichen Funde und Befunde der Grabung 1976 -1990 auf dem Oberleiserberg sollen in Hinblick auf ihre chronologische Stellung und ihren Aussagewert zur Siedlungsstruktur am Fundort und zur Besiedlungsgeschichte des Weinviertels untersucht werden. Neue Ergebnisse und genauere Kenntnisse zur Chronologie der Frühbronzezeit (Obergang von der Aunjetitzkultur zur Vetefovkultur) und der Umenfelderzeit werden erwartet.
Der Oberleiserberg ist eine seit 1872 in der prähistorischen Forschung bekannte Fundstelle. In den letzten Jahrzehnten wurden hauptsächlich Ergebnisse zum germanischen Fürstensitz aus dem 4. und 5. Jh. n. Chr. veröffentlicht. Im Rahmen dieses Projektes konnten die bronzezeitlichen Befunde und Funde der Grabungen der Jahre 1976-1990 aufgearbeitet werden. Die Ergebnisse des Projektes bringen neue Erkenntnisse zur Besiedlungsgeschichte des Oberleiserberges und des zentralen Weinviertels im nordöstlichen Niederösterreich. Der Besiedlungsablauf stellt sich folgendermaßen dar. Die erste großflächige Besiedlung des Oberleiserberges erfolgt in der Frühen Bronzezeit (Aunjetitzkultur). Die Siedlung war ursprünglich unbefestigt. Im Laufe der Zeit wurde sie mit einem Graben umgeben, der sich rund um das Plateau zog. Außerhalb dieses Grabens errichtete man mit dem aus dem Graben ausgehobenen Material (Kalksteinen) und Erde aus dem Innenbereich der Siedlung, die stark mit Keramikbruchstücken versetzt war (Siedlungsschutt), einen Wall. Gegen Ende der Aunjetitzkultur wurde die Befestigung durch Brand zerstört. Teile der verbrannten Wallkonstruktion stürzten in den Graben. Die Siedlung dürfte kurz nach dieser Brandkatastrophe aufgegeben worden sein. In der Späten Bronzezeit (Urnenfelderkultur) wird der Oberleiserberg erneut besiedelt und vermutlich auch wieder von einem Wall umgeben. Die geringen erhalten Spuren zeigen, dass er aus einer Holz-Erde-Stein-Konstruktion bestanden haben muss. Ob dieser Wall ebenfalls durch Brand vernichtet worden ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Siedlungstätigkeit endet im Laufe der jüngeren Urnenfelderzeit. Die geschützte und doch verkehrsgünstige Lage der Siedlung bescherte ihren Bewohnern durch die Zeiten Weltoffenheit und Wohlstand. Belege dafür sind Importe aus entfernten Regionen und Hinterlassenschaften des lokalen Handwerks wie Bronzegussformen sowie zahlreiche Spinnwirtel und Webgewichte für die Textilherstellung. Die Publikation der umfangreichen Dokumentation sowie der Ergebnisse der Auswertung ist in Vorbereitung und wird in den "Mitteilung der Prähistorischen Kommission" veröffentlicht werden. Weiters werden diese Ergebnisse auch in die Neugestaltung der Ausstellung in der Aussichtwarte auf dem Oberleiserberg einfließen und somit einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.
- Herwig Friesinger, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in