Marmore römerzeitlicher Brüche und Steindenkmäler der Steiermark
Provenance of Roman marble objects in Styria (Austria)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (40%); Geowissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (30%)
Keywords
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MARBLE,
STYRIA (AUSTRIA),
ARCHAEOLOGY,
ARCHAEOMETRY,
ROMAN
Mineralogische, petrographische und geochemische Untersuchungen von Marmoren bieten die einzige sichere Grundlage, um die Herkunft römerzeitlicher Steindenkmäler bzw. die Verwendung einheimischer, Marmorbrüche in der römerzeitlichen Steiermark zu bestimmen. Die Charakterisierung der Marmore wird durch die Kombination mehrerer Analysenmethoden ermöglicht: Lichtmikroskopische Untersuchungen von Gesteinsdünnschliffen, Verhältnisse der Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopen, geochemische Analysen und die Bestimmung des Verhältnisses von Kalzit und Dolomit sind vorgesehen. Die naturwissenschaftlichen Ergebnisse werden erstmals eine Beantwortung wichtiger Fragen der provinzialrömischen Forschung ermöglichen: Es wird auf dieser gesicherten Grundlage gelingen, antike Nutzungen von Steinbrüchen festzustellen, Zusammengehörigkeiten der Steinbrüche zu bestimmten Steinmetzwerkstätten und ihren Produkten zu erkennen und Handelsbeziehungen und Transportwege in der römerzeitlichen Steiermark zu erschließen. Im Projekt festgestellte zeitliche und räumliche Unterschiede in der Verwendung einzelner einheimischer oder auch importierter Marmore werden eine Neubeurteilung der Römersteine als archäologische Denkmale und Kunstwerke, aber auch als Indikatoren wirtschaftlicher und finanzieller Verhältnisse erlauben.
Die heutige Steiermark gehört mit einigen anderen Regionen des Südostalpenraumes zu den an qualitätvoller Marmorskulptur besonders reichen Gebieten des Römischen Reiches außerhalb der mediterranen Kernländer. Da die Steiermark über einige Marmorsteinbrüche verfügt, war die Annahme lokaler Materialgewinnung für diese beachtliche Produktion an marmornen Skulpturen, Reliefs, Inschriften und Architekturteilen naheliegend; bislang fehlten aber gesicherte Zuweisungen vollständig. Im Zuge des Projektes konnten sowohl die in Frage kommenden Steinbrüche in der Ober- (Sölk, Öblarn), West- (Kainach, Salla) und Untersteiermark/Stajerska (Bachern/Pohorje) als auch weit über 200 römerzeitliche Steindenkmäler in breiter Streuung beprobt werden. Moderne naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden (Isotopen, Geochemie, Dünnschliffe) ermöglichten - mit sehr großer Wahrscheinlichkeit - Zuordnungen dieser Steindenkmäler zu einzelnen Brüchen. Generell lässt sich auch vor einer endgültigen Auswertung bereits feststellen, dass das Material der meisten Steindenkmäler aus möglichst nahegelegenen einheimischen Brüchen stammt. Die Nähe jeweils gut nutzbarer Steinbrüche ist ausschlaggebend für das Überwiegen eines bestimmten Materials. Die Beschaffung des Materials orientiert sich also vorwiegend an der Entfernung des Fertigungs- oder Aufstellungsortes zum Steinbruch, eine Auswahl nach verschiedenenen Verwendungszwecken oder Qualitäten (und damit auch Preiskategorien ?) scheint kaum ablesbar. Erfreulicherweise konnten mit der bewilligten Projektsumme aufgrund verschiedener Einsparungen und Umschichtungen mehr Proben analysiert werden als vorgesehen. Die dadurch kontinuierlich gewachsene Auswertungs- und Interpretationsarbeit wird eine Fertigstellung des bereits in Teilen vorhandenen Manuskriptes erst bis Jahresende ermöglichen; der Bericht mit detaillierten Interpretationen soll als erste ausführliche Arbeit zur diesem Thema in den "Fundberichten aus Österreich" publiziert werden. Ergebnisse werden einem breiteren Publikum bereits in dem im Herbst 2003 zu eröffnenden neuen Lapidarium des Landesmuseums Joanneum und dem zugehörigen Führer (E. Hudeczek) zur Verfügung stehen. Eine Fachtagung soll sich im Februar 2004 der Diskussion der Projektergebnisse widmen.
- Bundesdenkmalamt - 100%
- Erich Hudeczek, assoziierte:r Forschungspartner:in
- Harald W. Müller, assoziierte:r Forschungspartner:in