Die politische Philosophie von Jaspers und Popper
The political philosophy of Jaspers and Popper
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
KARL JASPERS,
KARL POPPER,
POLITISCHE PHILOSOPHIE,
OFFENE GESELLSCHAFT,
WELTANSCHAUUNGSANALYSE - IDEOLOGIEKRITIK,
KRITISCHE VERNUNFT
In diesem Projekt soll erstmalig eine vergleichende Untersuchung der politischen Philosophie von Karl Jaspers und Karl R. Popper vorgenommen werden. Diese beiden Denker zählen zu den bedeutendsten Philosophen und Humanisten des 20. Jahrhunderts. Ihre anti-totalitären, liberal--demokratischen Grundüberzeugungen werden auch im 21. Jahrhundert bedeutsam sein sobald es gilt, fundierte und stichhaltige Argumente gegen autoritäre Weltanschauungen und totalitäre politische Gesinnungen vorzubringen. 1.) Den. ersten Abschnitt des Projekts bildet eine Einleitung, in welcher die Leitideen der politischen Philosophie von Jaspers und Popper in ihren Grundzügen dargestellt werden. 2.) Den Schwerpunkt des Projekts bildet der zweite Abschnitt, der sich neben einem Vergleich der biographischen Hintergründe der politischen Philosophie von Jaspers und Popper dann ausführlich mit den Leitideen von deren politischem Denken beschäftigen wird. Dabei sollen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den politischen Ansichten der beiden Denker möglichst differenziert herausgearbeitet werden. 3.) Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der Positionierung und der Aktualität der politischen Philosophie von Jaspers und Popper. Im ersten Unterabschnitt soll das politische Denken der beiden Philosophen in den weiteren Bereich der politischen Philosophie der Gegenwart eingeordnet werden. Dabei wird vor allem auf den gegenwärtigen Stand der Diskussion zwischen Liberalismus und Kommunitarismus bezug genommen werden. Im Mittelpunkt des zweiten Unterabschnittes steht die Wirkungsgeschichte und die Aktualität des politischen Denkens von Jaspers und Popper. Die inhaltliche Ausrichtung des geplanten Projekts zielt auf die differenzierte Herausarbeitung folgender Themenbereiche in der politischen Philosophie von Jaspers und Popper: (a) des anti--totalitären, anti-dogmatischen und anti-holistischen Grundzuges im politischen Denken beider Philosophen, (b) ihr Demokratieverständnis, (c) ihre Ansichten zu grundlegenden Problemen der Sozialphilosophie (insbesonders der Relationen zwischen Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit), (d) die vergleichende Gegenüberstellung von Poppers Konzeption des piecemeal- social engineering und Jaspers` Idee von der Notwendigkeit einer radikalen moralischen und politischen "Umkehr", (e) ein Vergleich zwischen ihrer Geschichtsphilosophie und ihrer zeitdiagnostischen Perspektiven in bezug auf die politische Situation ihrer Zeit. Ferner soll (f) die Frage nach den Zusammenhängen zwischen Politik, Moral, demokratischer Bildung und Wirtschaft im politischen Denken der beiden Philosophen geklärt werden. Im Rahmen der Untersuchung und Bearbeitung dieser Hauptthemen sollen nicht nur die werkimmanenten Entwicklungsphasen der politischen Philosophie von Jaspers und Popper anschaulich herausgestellt werden, sondern auch die gravierendsten externen Einflüsse auf ihre politischen Auffassungen näher untersucht und deutlich vor Augen geführt werden. Den abschließenden Teil der Untersuchung sollen Überlegungen zur Aktualität der politischen Auffassungen von Jaspers und Popper bilden. Dabei wird vor allem auf die Liberalismus- Kommunitarismus-Debatte bezug genommen und die Frage geprüft werden, welchen Stellenwert die politischen Philosophien von Jaspers und Popper im Kontext dieser Debatte haben könnten und welcher Position sie am ehesten zuzuordnen wären.
Im Rahmen des Projektes wurde der erste ausführliche Vergleich zwischen den politischen Ideen von Karl Jaspers und Karl Raimund Popper durchgeführt. Obwohl es sich bei Jaspers und Popper um Hauptvertreter unterschiedlicher Denkrichtungen handelt, konnten im Projekt viele Parallelen in ihrem politischen Denken aufgezeigt werden, ohne jedoch auf die Herausarbeitung wesentlicher Unterschiede zu vergessen. Für die erheblichen Übereinstimmungen stellte sich im Laufe des Projektes eine bei beiden Philosophen vorherrschende liberale und der Aufklärung verpflichtete Grundeinstellung heraus. Damit verbindet sich auch die Akzentuierung der individuellen Freiheit als wichtigster gesellschaftspolitischer Wert. Der starke Einfluss der Aufklärung spiegelt sich besonders in der Bedeutung der Philosophie von Kant wider, die sich als grundlegend für die moralische Dimension des politischen Denkens beider Philosophen herauskristallisiert hat. Als für die politische Philosophie von Jaspers und Popper grundlegend erwies sich auch die Grundannahme der prinzipiellen Fehlbarkeit der menschlichen Vernunft und der sich daraus ergebenden Ablehnung von absoluten Geltungsansprüchen. Hieraus lässt sich die für beide Denker charakteristische anti-totalitäre, anti-dogmatische und anti-holistische Grundhaltung erklären, mit der ihr grundlegendes Bekenntnis zur Demokratie und zur Vermeidung von radikalen revolutionären Umbrüchen einhergeht. Im Bereich der demokratietheoretisch relevanten Ansichten beider Denker haben sich im Laufe des Projektes jedoch auch wesentliche Unterschiede gezeigt. So beschäftigt sich Popper vor allem mit der Funktion der Demokratie und den für ihren Bestand notwendigen Institutionen, während Jaspers die Frage nach dem Wesen der Demokratie stellt. Die stärker pragmatische, institutionentheoretische Ausrichtung Poppers und die eher auf individuelle moralische Werthaltungen abzielende politische Philosophie von Jaspers spiegeln sich auch in dem im Projekt durchgeführten Vergleich zwischen Poppers gesellschaftlichen Reformmodell des social piecemeal engineering und der von Jaspers für eine demokratische Gesellschaftsveränderung als notwendig erachteten radikalen moralischen und politischen Umkehr wider. Wichtig für das Projekt war weiters die erstmals erfolgte Aufarbeitung der politischen Philosophien von Jaspers und Popper im Kontext der Liberalismus- Kommunitarismus-Debatte. Die aus dem Projekt gewonnen Erkenntnisse machen eine fundierte und differenzierte Kritik sowohl an neoliberalistischen Ideologien als auch an anti-liberalen, fundamentalistischen Weltanschauungen möglich. Daraus können wertvolle Richtlinien für eine politische Bildung gewonnen werden, wie sie im 21. Jahrhundert zur Verteidigung von sozial-liberalen Grundwerten einer pluralistisch-demokratischen Gesellschaft notwendig sein werden.
- Universität Graz - 100%