Prävalenz und genetischer Defekt Orthostatischer Intoleranz
Prevalence and Basic Defect of Orthostatic Intolerance
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (75%); Klinische Medizin (25%)
Keywords
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ORTHOSTATIC INTOLERANCE,
NOREPINENEPHRINE TRANSPORTER,
SYNCOPE,
CHRONIC FATIGUE SYNDROME
Forschungsprojekte P 14705Prävalenz und genetischer Defekt Orthostotischer IntoleranzHugo RÜDIGER09.10.2000 Orthostatische Intoleranz (=OI) ist ein Syndrom charakterisiert durch adrenerge Symptome, die beim Übergang vom Liegen zum Stehen auftreten, jedoch nicht mit orthostatischer Hypotonie gekoppelt sind. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Zittern, Herzklopfen (Herzfrequenzanstieg um mindestens 30 Schläge pro Minute), Müdigkeit und Synkopen. Diese Symptome sind assoziiert mit hohen Noradrenalin-Plasma Konzentrationen. Die Inzidenz ist bis heute unbekannt, ein Grund dafür ist das Fehlen genau und einheitlich definierter Kriterien und Richtlinien für eine exakte Diagnostik. Die meisten Patienten mit orthostatischer Intoleranz sind junge Frauen. Außerdem besteht ein Zusammenhang zwischen Chronic Fatigue Syndrome und orthostatischer Intoleranz (Schondorf (1995), De Lorenzo(1 997)). Der pathophysiologische Mechanismus der orthostatischen Intoleranz ist noch nicht bekannt. Bis jetzt konnte man in zahlreichen Versuchen und Studien ermitteln, dass es bei den betroffenen Patienten zu einer überschießenden Noradrenalin Ausschüttung als Antwort auf einen Lagewechsel vom Liegen zum Stehen kommt. Mittels Gensequenzierung ist es kürzlich gelungen, einen NoradrenalinTransporter-Defekt resultierend aus einer Mutation auf dem Chromosom 16q mit orthostatischer Intoleranz in Zusammenhang zu bringen (Shannon et al., N Engl J Med 342(8): 541-549). Es ist nicht bekannt, welche Relevanz dieser Defekt in quantitativer und qualitativer Hinsicht hat. Unser Projekt umfasst folgende Fragestellungen und Ziele: * Ermittlung der Inzidenz der Orthostatischen Intoleranz, * Erforschung der Häufigkeit der Ala457Pro-Mutation bei Patienten mit OI, * Untersuchung des Vorkommens dieser Mutation bei Patienten mit Chronic Fatigue Syndrom.
Obwohl Orthostatische Intoleranz (OI) keine Krankheit im eigentlichen Sinn sondern eher eine konstitutionelle Besonderheit ist, hat sie eine besondere Bedeutung für die Arbeitsmedizin. OI tritt nämlich vorwiegend bei Tätigkeiten auf, die langes Stehen erfordern. Aus diesem Grund stellt es für die Betroffenen in vielen Fällen eine wesentliche Einschränkung für Wohlbefinden und berufliche Leistung dar. Dadurch ergibt sich in manchen Berufen auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Zur gesicherten Diagnose der orthostatischen Intoleranz ist ein Kipptischtest unumgänglich; dieser diagnostische Aufwand ist jedoch für Screening-Zwecke zu aufwändig. In der vorliegenden Studie konnten wir zeigen, dass ein einfacher Fragebogen mit Fragen nach 10 Beschwerden als effektive Vor- Diagnostik eingesetzt werden kann. Das zweite Ziel der Studie war, die Häufigkeit des Vorkommens einer spezifischen Mutation des Noradrenalin-Transporter Gens bei Patienten mit OI zu untersuchen. Die spezifische Mutation konnte in keinem der vierzehn Patienten mit OI detektiert werden. Die routinemäßige Bestimmung der Mutation wird deshalb bei der Diagnostik der OI nicht nützlich sein.