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Migration aus der Habsburgermonarchie nach Übersee

Overseas migration from the Austrian Empire

Josef Ehmer (ORCID: 0000-0001-6684-0254)
  • Grant-DOI 10.55776/P14733
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2001
  • Projektende 30.04.2004
  • Bewilligungssumme 186.714 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (10%); Soziologie (80%); Wirtschaftswissenschaften (10%)

Keywords

    OVERSEAS MIGRATION, MIGRATION HISTORY, AUSTRIAN EMPIRE, DEMOGRAPHIC STRUCTURES

Abstract Endbericht

Forschungsprojekt P 14733 Migration aus der Habsburgermonarchie nach ÜberseeJosef EHMER27.11.2000 Ziel des geplanten Projektes ist die detaillierte Analyse der Migration aus der Habsburger Monarchie nach Amerika von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahre 1914. Damit soll eine im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern hierzulande noch bestehende Forschungslücke geschlossen werden. Den geographischen Schwerpunkt der Studie bilden die ehemaligen Länder der Monarchie Böhmen, Mähren, Ober- und Niederösterreich (inklusive Wien). In einem ersten Teil wird eine systematische Beschreibung der quantitativen Entwicklung der Migration nach Obersee und ihres Stellenwertes im Vergleich zu anderen Formen der Migration sowie eine deskriptive Analyse der Verteilung der regionalen Herkunft der MigrantInnen erfolgen. Sowohl die Herkunftsregionen als auch die MigrantInnen selbst werden nach ihren demographischen Charakteristika und ihrem sozio-ökonomischen Profil naher untersucht. Den Ausgangspunkt wird die erstmalige Analyse einer repräsentativen Stichprobe (10.000 bis 15.000 Personen) der im Ankunftshafen New York erstellten Schiffslisten für das Jahr 1906 bilden. Diese Quelle erlaubt auch eine nähere Untersuchung des Phänomens der "Re-Migration" sowie der eventuell bestehenden "familialen Netzwerke" der MigrantInnen. Ergänzt wird die Analyse dieses Materials durch eine detaillierte Auswertung der in der Habsburgermonarchie entstandenen publizierten Statistiken zur Emigration, zu den verschiedenen Formen der kleinraumigen Migration und zu den demographischen und ökonomischen Charakteristika der Herkunftsregionen. In einem zweiten Teil wird versucht, Erklärungen für die Entwicklung der Amerika Auswanderung, deren zeitliche Rhythmen und deren unterschiedliche quantitative Bedeutung in den untersuchten Regionen zu finden. Migration nach Amerika wird in unserem Ansatz als Teil wesentlich vielfältigerer Migrationsbewegungen verstanden. Die Einbettung der Amerika Migration in die Komplexität aller Migrationsprozesse und die gesellschaftlichen Strukturen der Ziel- und Ausgangsregion sollte es ermöglichen, neue Zusammenhänge in der gegen Ende des 19. Jahrhunderts stark zunehmenden Migrationsbewegung nach Obersee zu erkennen und neue Einsichten in die Motivationen der MigrantInnen zu gewinnen. Da viele der zu untersuchenden Regionen durch Ab- und Zuwanderung gleichzeitig geprägt waren, kann dieser Ansatz außerdem ein komplexeres Bild der Herkunftsregionen erbringen, als die herkömmliche Trennung beider Erscheinungsformen.

Das Ziel des Forschungsprojekts war eine detaillierte Analyse sowohl der Auswanderung aus dem österreichischen Teil der Habsburgermonarchie als auch der Binnenmigration innerhalb der Monarchie von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1914, und insbesondere der Beziehungen zwischen transatlantischer und interner Migration. Ausgewertet wurden - erstmals in der österreichischen Forschung - Passagierlisten von Schiffen, die ÜberseemigrantInnen von Hamburg und Bremen nach New York brachten, und zusätzlich die österreichischen Volkszählungen der Jahre 1880 bis 1910 auf der Bezirksebene. Die Ergebnisse der Analyse der Überseemigration zeigen einen starken Wandel während der Untersuchungsperiode. Während zunächst vor allem Menschen aus den tschechischsprachigen Ländern in die USA migrierten, dominierte in den letzten Jahrzehnten der Monarchie Galizien als Herkunftsgebiet der österreichischen Überseewanderer. Auswanderer aus Böhmen und Galizien unterschieden sich in vielfältiger Weise. Überseemigration aus Böhmen war zum Teil eine Familienwanderung und unter den Ledigen waren beide Geschlechter stark vertreten. Handwerkliche Berufe spielten eine große Rolle. Galizische Amerikawanderer dagegen waren überwiegend alleinstehende Männer zwischen 15 und 49 Jahren, die aus der Landwirtschaft kamen und in Amerika Arbeit in der Industrie suchten. Viele von ihnen kehrten zurück oder pendelten mehrmals über den Atlantik. Neueren Ansätzen der Migrationsforschung folgend, wurde transatlantische Migration im Projekt als integraler Bestandteil umfassender Migrationsbewegungen verstanden: Binnenwanderung, Aus- und Einwanderung beeinflussten einander. Transatlantische Migration war vor allem in Gebieten mit geringer interner Wanderungsdichte bedeutend. Auch die Binnenmigration innerhalb der Monarchie war - so ein weiteres Ergebnis des Projekts - wesentlich komplexer als die üblicherweise für die Periode der Industrialisierung angenommene Land-Stadt-Wanderung. Bezirke mit hohen Zuwanderungsraten hatten zumeist auch eine hohe Abwanderung. Die bisher kaum erforschte Abwanderung aus den Städten in ländliche Gebiete bildete auch in einer Zeit eines starken Stadtwachstums einen regulären Bestandteil der allgemein hohen Mobilität.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Peter Eigner, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Klaus J. Bade, Universität Osnabrück - Deutschland
  • Eduard Maur, Karlsuniversität Prag - Tschechien
  • Ira A. Glazier, Temple University at Philadelphia - Vereinigte Staaten von Amerika

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