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Paläographische Untersuchungen indischer Handschriften

Palaeographical Studies of Indian Manuscripts

Utz Podzeit (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P14824
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.12.2001
  • Projektende 30.11.2005
  • Bewilligungssumme 84.090 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)

Keywords

    PALAEOGRAPHY, MANUSCRIPTS, INDOLOGY, SANSKRIT, VEDIC, SOURCE STUDY BASIS RESEARCH, HISTORY OF DEVANAGARI SCRIPT

Abstract Endbericht

Seit mehr als hundert Jahren werden an der Universität Wien 220 wertvolle indische Manuskripte aufbewahrt, die zum Großteil in der Devanagari-, zu einem geringeren Teil auch in der Sarada-Schrift verfaßt sind. Die von dem international herausragenden österreichischen Indologen und Paläographen GEORG BÜHLER erworbene Sammlung von 102 Handschriften besteht ausschließlich aus Papierhandschriften, die in die 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts bis ins 18. Jahrhundert datiert werden können. Ebenso bestehen die zwei weiteren Sammlungen, die von EUGEN HULTZSCH und A.FÜHRER erworben wurden, zum Großteil aus Papierhandschriften, darüber hinaus finden sich darunter auch fünf umfangreiche Palmblatthandschriften, die einen besonderen Wert innerhalb dieser Sammlungen darstellen. In paläographischer Hinsicht ist dieser bedeutende Handschriftenbesitz bedauerlicherweise bis heute unerschlossen geblieben. Selbst in kodikologischer Hinsicht gab es nur eine von Bühler 1882 veröffentlichte Auflistung der von ihm nach Wien gebrachten Handschriften, die nur sehr knapp gehaltene Angaben über Autoren, Werktitel und Sachgebiete enthielt. Für den übrigen Fundus gab es lange Zeit hindurch überhaupt nur ein öffentlich nicht zugängliches, handgeschriebenes und überarbeitungsbedürftiges Zettelverzeichnis. Diese äußerst bedauerliche Lücke wurde durch die kodikologische Erfassung der Manuskripte im Rahmen eines vom Antragsteller betreuten und von dem im vorliegenden Projektantrag nominierten Mitarbeiter durchgeführten Projektes geschlossen. Damit konnte eine solide Grundlage für die im vorliegenden Antrag detailliert angeführten paläographischen Untersuchungen geschaffen werden. Das Ziel des beantragten Projektes ist es, die indischen Handschriften an der Universität Wien einer umfangreichen, den gegenwärtigen wissenschaftlichen Ansprüchen entsprechenden paläographischen Untersuchung zu unterziehen. Der im Antrag nominierte Projektmitarbeiter hat unter Anwendung der modernen Methodik der westlichen Paläographie, Graphemik und Graphetik unter Berücksichtigung der Spezifika des indischen Materials ein detailliertes Konzept entwickelt: I. ALLGEMEINER TEIL. Angaben zur Handschriftenbasis: A. Formale Beschreibung. B. Inhaltliche Beschreibung. - II. MONOGRAPHISCHER TEIL: 1. Prinzipien der paläographischen Auswertung. 2. Gestaltung des Textspiegels. 3. Zeilenzahl. 4. Schrifttypen. 5. Aksara-Formen. 6. Subklassenmerkmale der Aksaras. 7. Ligaturen. 8. Akzentzeichen (in vedischen Texten). 9. Gestaltung der Grenzsignale. 10. Textgliederungsrelevanz der Interpunktionszeichen. 11. Methoden der Rubrizierung. 12. Teratomorphe, zoomorphe, phytomorphe (florale), anthropomorphe Ausstattungselemente in der Auszeichnungsschrift. 13. Korrekturen. 14. Vergleichende Tabellen repräsentativer Aksara-Formen aus den Wiener Handschriften mit anderen zeitlich oder lokal vergleichbaren Codices (nach den Fachkatalogen). 15. Spezialregister als Synthese der paläographischen und kodikologischen Analyse. 16. Beilagen: digital bearbeitete Illustrationen verschiedener Buchstaben- und Textausstattungsformen aus den Handschriften.

Die Universität Wien besitzt 220 wertvolle indische Handschriften, die zu einem großen Teil von Georg Bühler, dem Begründer der österreichischen Indologie, nach Wien gebracht worden sind. Sie sind die Grundlage der Untersuchungen des Projektmitarbeiters Dr. Velizar Sadovski (Österreichische Akademie der Wissenschaften), der eine umfassende paläogra-phische Erschließung dieser Handschriften unter Einbeziehung moderner Methoden der Graphematik in Angriff genommen hat. Das ausführliche Konzept des Projekts mussten we-gen einer personellen Veränderung des Projektmitarbeiters kurz nach Beginn der Projektar-beiten mit Genehmigung des FWF stark eingeschränkt werden. In der Folge wurden grund-legende Arbeitsergebnisse erzielt: Die für repräsentative graphematische und paläographi-sche Untersuchungen am besten geeigneten Handschriften waren zu begutachten und zu selektieren. Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, dass sich eine wesentliche Anzahl der Handschriften räumlich gut zuordnen lässt und manuskriptinterne Originaldatierungen auf-weist, sodass diese Handschriften für repräsentative paläographische Studien einer be-stimmten Epoche bzw. einer lokalen Tradition der Devanðgar- Schrift gut geeignet waren. Dr. Sadovski hat projektrelevante methodische Ansätze der modernen Graphematik und ihre Adaptierung auf indisches Handschriftenmaterial zusammengestellt, ein Gesamtkonzept zur graphematischen, paläographischen und kodikologischen Erfassung indischer Handschriften in Devanðgar-Schrift entwickelt und einen differenzierten Raster von distinctive features der Elemente von Schriftzeichenformen ausgearbeitet. Auf dem Gebiet der byzantinisch-griechischen, lateinischen oder slavischen Paläographie sind solche Raster bereits zur Selbstverständlichkeit geworden, auf dem Gebiet der indischen Paläographie stellen sie eine zukunftsweisende Innovation dar.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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