Die erkenntnistheoretische Tradition des Buddhismus
The epistemological tradition of Buddhism
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
INDOLOGY,
LOGIC,
TIBETOLOGY,
HISTORY OF BUDDHIST PHILOSOPHY,
EPISTEMOLOGY,
HISTORY OF INDIAN PHILOSOPHY
Die erkenntnistheoretisch-logische Tradition des Buddhismus soll für ihre indische Periode (ca. 5. - 13.Jh. n. Chr.) und für ihre tibetische Periode (ca. 9. - 20.Jh. n. Chr.) durch die folgenden Team- und Einzelarbeiten erschlossen werden: A. Editionen der Pramanasamuccayatika (PST): kritische Edition der PST, Kapitel I, Kapitel II(teilweise); diplomatische Edition, Kapitel I, Kapitel II(teilweise); Transkription der Kapitel III (Teilweise) und IV bis VI. B. Bemühungen um die Erschließung der Handschriften dieser Schule in der VR China C. Einzelarbeiten: 1. Publikation der Sankhya-Fragmente aus der PST, Kapitel I 2. Rekonstruktion von Dignagas Pramanasamuccaya(vrtti), Kapitel II 3. Übersetzung von Dharmakirtis *Hetuprakarana (logische Teile) 4. Kritische Edition von Dharmakirtis Pramanaviniscaya, Kapitel I und II 5. Kritische Edition von Dhannakirtis Pramanaviniscaya, Kapitel III 6. Übersetzung von Dharmakirtis Pramanaviniscaya, Kapitel III (teilweise) 7. Studien zur Begriffslehre Dharmakirtis 8. Kritische Edition von Dharmottaras Pramanaviniscayatika, Kapitel II 9. Strukturanalyse von Jnanasrimitras Sakarasiddhisastra in Bezug auf seine Theorie von den `Aspekten/Formen` der Erkenntnis 10. Übersetzung des letzten Teils der Tattvasiddhi 11. Historische und problemsystematische Studie der Theorien der Schule zur übernormalen Erkenntnis (yogijnana) 12. Übersetzung von sTag-tshang lotsavas Rig-gnas kun-shes-nas bdag-med grub-pa D. Vorarberiten zum Projekt eines `Bauddhanyayakosa`
Die Erschließung der Geschichte und Ideen der erkenntnistheoretisch-logischen Tradition des Buddhismus in Indien und Tibet durch editorische und interpretatorische Arbeiten hat durch die internationale Anerkennung der in einer Reihe von durch den FWF ermöglichten Vorprojekten geleisteten Arbeit im Berichtszeitraum einerseits zu einer erfolgreichen Intensivierung der Bemühungen und andererseits zu einem wissenschaftsgeschichtlich bedeutsamen Durchbruch im Zugang zu bisher unzugänglichen neuen Quellen geführt. Die Edition der einzigen erhaltenen Biographie des ersten großen tibetischen Interpreten ist in Druck, und eine umfangreiche Studie zur Polemik gegen den Gottesbeweis sowie ein Sammelwerk zur Funktion des Beispiels in der indischen Logik sind erschienen. Ebenso ist eine große Zahl von begleitenden Aufsätzen zu verschiedenen Themen der Tradition und ihrem ideengeschichtlichen Umfeld in nationalen und internationalen Zeitschriften und Sammelwerken erschienen. Die große Gemeinschaftsarbeit der kritischen und diplomatischen Edition von Jinendrabuddhis Pramanasamuccayatika, 1. Kapitel (Wahrnehmung) ist abgeschlossen und wird Anfang 2005 in Beijing veröffentlicht. Ebenso abgeschlossen ist die kritische Edition mit Übersetzung von Jnanasrimitras Ksanabhangadhyaya, 1. Kapitel. Die meisten anderen Projektarbeiten sind zügig fortgeführt worden. Im Jänner 2004 wurde zwischen der ÖAW und dem China Tibetology Research Center (CTRC) ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, durch den erstmals ein Zugang zu den Sanskrithandschriften in der VR China eröffnet und die Veröffentlichung der dadurch ermöglichten Editionsarbeiten als "joint venture" zwischen den Verlagen der ÖAW und des CTRC in Beijing vorgesehen wurde. Ein im Juni 2004 in Beijing unterzeichneter erster Subvertrag definiert die folgenden Texte als erste Gegenstände dieser Kooperation für die Zukunft: Jinendrabuddhis Pramanasamuccayatika, Dharmakirtis Hetubindu und Pramanaviniscaya, Candrakirtis Madhyamakavatarabhasya, zwei Pancakrama-Kommentare. Für die Erstellung von KWIC (Key Word in Context) Indices aller neuen Editionen von Sanskrittexten aus Tibet wurde ein Kooperationsvertrag mit der Tokyo University of Foreign Studies abgeschlossen und für eine zukünftige "on-line" verfügbare Beschreibung dieser Sanskrithandschriften wurde auf Basis des 1984-85 verfaßten Katalogs von Prof. Luo Zhao eine relationale Datenbank entworfen. Dieser Fortschritt in der Erschließung der Quellen aus Tibet, der sich zunächst vor allem im Gewinn von bisher nur in tibetischen Übersetzungen zugänglichen Originaltexten der erkenntnistheoretischen Tradition auswirkt, insbesondere in dem zweier Hauptwerke von Dharmakirti, des wichtigsten buddhistischen Philosophen, wird für die gesamte buddhistische Literatur bedeutsam werden, denn von den ca. 4000 noch in Tibet vorhandenen Sanskrittexten ist für ca. 25-30% das Sanskritoriginal bisher nicht bekannt. Die internationale kulturelle und politische Bedeutung dieses ersten Öffnungsschrittes kann nicht hoch genug bewertet werden, entzieht sich aber in vollem Umfang der Vorstellungskraft des Berichterstatters.
- Shoryu Katsura, Ryukoku University - Japan
- Takashi Iwata, Waseda University - Japan
- Tom J.F. Tillemans, University of Lausanne - Schweiz