Serotonin-Thromboxan Interaktion und Plättchenfunktion
Serotonin-thromboxane interactions and platelet function
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (67%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (33%)
Keywords
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SEROTONIN,
PLATELET FUNCTION,
THROMBOXANE,
RANDOMISED CONTROLLED TRIAL,
ASPIRIN
Hintergrund: Es gibt eine Speichererkrankung der Plättchen (storage pool disease), die sich durch eine verminderte Speicherung von Serotonin auszeichnet, und mit einer verminderten Plättchenfunktion einhergeht. Kürzlich konnte von unserer Gruppe gezeigt werden, dass ein ähnliche Verminderung der Plättchenfunktion durch die selektive Verminderung der Serotoninaufnahme medikamentös durch eine neue Klasse an Antidepressiva (SSRI) induziert werden kann. Ziel: Da diese Antidepressiva (SSRI) sowie Aspirin häufig verschrieben werden, soll die pharmakodynamische Interaktion beider Substanzen untersucht werden. Insbesonders soll charakterisiert werden, ob die Verminderung der Plättchenfunktion durch die Hemmung der Thromboxanesynthese mittels Aspirin, durch eine gleichzeitige Reduktion des Serotonins in den Plättchen potenziert werden kann. Rationale: Die Hemmung der Thromboxansynthese durch Aspirin ist ein weitverbreitetes Konzept in der Kardiologie, zB zur Behandlung von Patienten mit Angina pectoris oder Herzinfarkt. Daher ist es von Interesse bei Menschen zu charakterisieren, ob die gleichzeitige Verminderung von Thromboxan und Serotonin zu einer synergistisch verstärkten Hemmung der Plättchenfunktion führt. Methodik: In einer randomisierten, doppelt blinden, Placebo kontrollierten Studie erhalten zwanzig männliche Raucher Aspirin in Kombination mit einem SSRI oder Placebo. Als Hauptzielparameter wird die Bildung eines Plättchenthrombus unter Scherkräften mittels PFA-100 Analysegerätes gemessen. Darüberhinaus werden verschiedene Parameter des Serotoninstoffwechsels mittels ELISA und Flowzytometrie quantifiziert, ebenso Aktiverungsmarker von Endothelzellen, Plättchen und Gerinnung.
Serotonin ist ein Plättchenagonist und potenter Vasokonstriktor. Kürzlich wurde die potentielle pathophysiologische Rolle von Serotonin bei akutem Koronarsyndrom diskutiert. Der selektive Serotonin Reuptake Hemmer Paroxetin vermindert die Serotoninspeicher und Plättchenfunktion im Menschen. Dies könnte in Hinkunft für Patienten mit kardiovaskulärer oder zerebrovaskulärer Erkrankung therapeutisch genützt werden. Der akute Effekt von Paroxetin auf die Plasma Serotoninspiegel wurde untersucht, da ein vorübergehender Anstieg von Plasmaserotonin einen potentiellen Risikofaktor für Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen darstellen könnte. Gesunden Probanden wurde 20mg/d Paroxetin in einer randomisierten, doppelt-blinden, Placebo kontrollierten cross-over Studie verabreicht. Plasmaspiegel von Serotonin waren während der gesamten Beobachtungsdauer konstant, und im Vergleich zur Placebogruppe unverändert. Aus diesem Grund bestehen keine Sicherheitsbedenken für die Anwendung von Serotonin Reuptake Inhibitoren bei kardiovaskulär erkrankten Patienten.