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Temperatur und Eisbedeckung alpiner Seen als Klimasignale

Alpine lake temperatures/ice as climate signals

Roland Schmidt (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P14912
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2001
  • Projektende 31.12.2003
  • Bewilligungssumme 109.055 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (50%); Geowissenschaften (30%); Informatik (20%)

Keywords

    TEMPERATURE AND ICE-COVER VARIATION, CLIMATE MODELING, HOLOCENE, INSTRUMENTAL RECORDS, ALPINE LAKES, PALAEO(BIO)INDICATORS

Abstract Endbericht

Alpine Seen sind sensitiv gegenüber Klimaeinflüsse. Wassertemperatur und Eisbedeckung sind wetter/klimaabhängige Kenngrößen. Es werden hochauflösende Transferfunktionen für ausgewählte Paläo(bio)indikatoren und ein Temperatur/Eisbedeckungs-Modell (TIM) erstellt, auf der Basis kontinuierlicher Wassertemperaturmessungen mittels Thermistoren. Diese Datensätze werden an Langzeitserien (Sedimentkernen) angewandt, um Aufschlüsse über ehemalige Klimaschwankungen und mögliche Auswirkungen einer künftigen Erwärmung auf Seen der Alpen zu gewinnen. In 1998 wurden Thermistoren in 45 Seen zwischen 1500 und 2300 Metern der Niederen Tauern (Österreichische Zentralalpen) exponiert, die Wassertemperaturdaten in 2-Stunden-Intervallen liefern. Diese Datensätze werden verwendet (1) um Transferfunktionen für Paläo(bio)indikatoren (Chironomiden, Zysten von Chrysophyceen, Diatomeen) für Wassertemperatur, Eisbedeckung, klimaabhängige wasserchemische Parameter, und regionale Lufttemperatur zu erstellen (2) um Wasser- mit Lufttemperatur zu koppeln, unter Einbezug (Justierung) geländemorphologischer Eigenheiten der untersuchten Seen (Beschattung, Morphometrie, Geländeneigung und Exposition) In der zweiten Staffel der Untersuchungen werden (1) die erstellten Kalibrier-Datensätze und (2) das TIM-Modell zur Klimarekonstruktion an ausreichend datierten Holozänen Langkernen zweier benachbarter waldgrenznaher Seen (gleiches Einzugsgebiet, im Kalibrierdatensatz erhalten) verwendet, um die Holozäne Klimageschichte zu rekonstruieren. Zur Datenabsicherung werden die Ergebnisse aus beiden Seen sowie zweier unterschiedlicher Modelle (TIM, LRP) miteinander verglichen.

Die Länge der Eisbedeckung und die Wassertemperatur sind wichtige klimagesteuerte Kenngrößen, die den Chemismus und die Verteilung von Organismen in den Alpenseen beeinflussen. Ablagerungen in Seesedimenten stellen Klimaarchive dar. Diatomeen (Bacillariophyceae) und Dauerstadien von Goldalgen (Chrysophyceae) sind häufig in den Ablagerungen von Bergseen. Für ihre Verwendung als quantitative Klimaindikatoren wurden diese mit Hilfe von Temperaturschreibern kalibriert, die in 45 Seen der Niederen Tauern über 5 Jahre exponiert wurden. Es wurden damit die mittleren monatlichen Wassertemperaturen und die Zeitpunkte der Eislegung und Eisfreiheit als wichtige Klimavariable gemessen. Multivariate Statistik wies den Zeitpunkt von Frühjahrs- (Chrysophyceen) und Herbstdurchmischung (Diatomeen) als signifikante klimaabhängige Kenngrößen für diese Organismen aus. Aus beiden Variablen lassen sich sowohl die Länge der Eisbedeckung als auch, aufgrund des linearen Bezuges zur Meereshöhe, die saisonale Lufttemperatur berechnen. Die quantitativen Modelle (Transferfunktionen) wurden zusammen mit einem multidisziplinären Ansatz für die Rekonstruktion klimagesteuerter Umweltveränderungen während des Holozäns (ca. letzten 11500 Jahre) in Sedimentkernen zweier alpiner Seen der Niederen Tauern (Österr. Zentralalpen) verwendet. Vorläufigen Ergebnisse des umfangreichen Datensatzes weisen auf eine mit heutigen Klimabedingungen vergleichbare mittel- Holozäne Warmphase hin, der eine Serie kühler und feuchter Klimaoszillationen zwischen 9500 und 7000 vor heute vorausging. Diese korrespondieren mit Alpinen Gletschervorstößen, niederschlagsreichen Abschnitten des nördlichen Mittelmeeres, bzw. mit der in Grönländischen Eiskernen entdeckten Kältephase von 8,200 v. h. Während der letzten 3500 Jahre überlappen sich Klima und menschliche Einflüsse auf Seen der Alpen. Die erstellten Modelle sind geeignete Werkzeuge zur Entschlüsselung dieser Interaktionen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

Research Output

  • 113 Zitationen
  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2007
    Titel Disentangling late-Holocene climate and land use impacts on an Austrian alpine lake using seasonal temperature anomalies, ice-cover, sedimentology, and pollen tracers
    DOI 10.1007/s10933-007-9174-2
    Typ Journal Article
    Autor Schmidt R
    Journal Journal of Paleolimnology
    Seiten 453-469
  • 2007
    Titel Relationships among recent Alpine Cladocera remains and their environment: implications for climate-change studies
    DOI 10.1007/s10750-007-9083-4
    Typ Journal Article
    Autor Kamenik C
    Journal Hydrobiologia
    Seiten 33-46
  • 2007
    Titel Siliceous algae-based seasonal temperature inference and indicator pollen tracking ca. 4,000 years of climate/land use dependency in the southern Austrian Alps
    DOI 10.1007/s10933-007-9089-y
    Typ Journal Article
    Autor Schmidt R
    Journal Journal of Paleolimnology
    Seiten 541-554

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