Wissensmanagement/ Organisationales Lernen in MNC´s
Knowledge Management/ Organizational Learning in MNC´s
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
KNOWLEDGE MANAGEMENT,
ORGANIZATIONAL LEARNING,
LEARNING ORGANIZATIONS,
MULTINATIONAL COMPANIES,
STRATEGY
Bedingt durch sich ständig verändernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen ist ständiges Lernen im und als Unternehmen Voraussetzung, um als Unternehmen erfolgreich bzw. überlebensfähig zu sein. Die Fähigkeit eines Unternehmens, sich diesen Veränderungen anzupassen und sich entsprechend weiterzuentwickeln, ist entscheidend für dessen Weiterbestehen. Die Erarbeitung, Verbreitung und Weiterentwicklung von Wissen stellt dabei die Grundlage für organisationalen Wandel und Erneuerung sowie für langfristige Wettbewerbsvorteile dar. Gerade in multinationalen Unternehmen, deren globales Umfeld durch starken Wettbewerb geprägt ist, ist das Management von Wissen und Lernen eine große und äußerst wichtige Herausforderung für das Management. Das vorliegende Forschungsprojekt zielt darauf ab, die wichtigsten Einflussfaktoren auf erfolgreiches organisationales Lernen und ein funktionierendes Wissensmanagement in multinationalen Unternehmen zu identifizieren. Im Speziellen widmet sich das Forschungsprojekt den Prozessen des Wissenstransfers in und zwischen den einzelnen Organisationen multinationaler Unternehmen. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen vor allem zwei bisher empirisch noch wenig bis gar nicht untersuchte Aspekte: 1. Inwieweit besteht ein Zusammenhang zwischen Unternehmensstrategie und der Form des praktizierten Wissensmanagementsystems? 2. Wie funktioniert und welche (Prozess- und Kontext-) Faktoren haben einen Einfluss auf das Wissensmanagement, den inter-organisationalen Wissensaustausch und das organisationale Lernen innerhalb eines multinationalen Unternehmens? Zentrales Ziel des Forschungsprojekts ist es, vorhandene Lücken in der Forschung zu organisationalem Lernen und lernenden Organisationen zu schließen und dadurch theoretische und empirische Grundlagen für das strategische Wissensmanagement in multinationalen Unternehmen zu generieren. Um die gestellten Fragen beantworten zu können, werden zwei neu entwickelte Modelle ("Modell über den Zusammenhang zwischen Strategie und Wissensmanagement" bzw. "Modell des intra und inter-organisationalen Wissensaustausches in multinationalen Unternehmen") verwendet. Gemeinsam stellen die beiden Modelle ein Gesamtbild von Wissensmanagement in multinationalen Organisationen dar. Als Forschungsmethode werden sowohl hypothesentestende als auch hypothesengenerierende Ansätze herangezogen (Mix aus quantitativer und qualitativer Forschung).
Handelt es sich bei Knowledge Management (KM) lediglich um eine "Mode-Erscheinung" mit wissenschaftlich schwindender Halbwertszeit oder doch um eine nachhaltige theoretische Konzeption samt in der Praxis anwendbarer Managementmethodik? Diese Frage stellt sich umso mehr, als dass sich KM in den letzten Jahren zu einem beliebten Denkansatz entwickelt hat, der sowohl den theoretischen Diskurs der WissenschaftlerInnen aus verschiedensten Disziplinen als auch ManagerInnen in der Praxis beschäftigt. In einer umfassend und international angelegten Studie wurde versucht, diese Kernfrage zu beantworten und zu klären, wie die KM-Aktivitäten in Multikulturellen Unternehmen (MNCs) organisiert sind bzw. funktionieren und wie standortübergreifender Wissenstransfer prozessmäßig abläuft. Qualitative Interviews mit jeweils drei Top Managern im Headquarter und in jeweils zwei Niederlassungen bei insgesamt acht renommierten MNCs dienten uns dabei als Grundlage für eine umfassende Analyse. Als überaus interessantes Ergebnis dieser Analyse lässt sich die eingangs gestellte Frage annähernd folgendermaßen beantworten: Generell konnte kein direkter Zusammenhang zwischen dem Unternehmenserfolg einer Organisation und ihrem erfolgreichen KM nachgewiesen werden. Vielmehr erwies sich die jeweilige Branche als ausschlaggebend für die Rolle und Bedeutung des KM: Während Beratungsunternehmen auf ein gut funktionierendes KM angewiesen sind, brauchen High-Tech-Unternehmen nicht notwendigerweise ein KM, um erfolgreich am Markt agieren zu können. Allgemein betrachtet ist das effektive Management der Ressource "Wissen" aber eine wichtige Herausforderung für das Top Management in MNCs. Um standortübergreifenden Wissenstransfer verstehen und gestalten zu können, ist es notwendig, sowohl den Prozess als solchen als auch den Kontext zu analysieren, unter denen dieser Prozess abläuft. Unseren Ergebnissen zufolge ist der standortübergreifende Wissenstransfer als stufenweiser Prozess mit vier verschiedenen Phasen zu betrachten: 1. Verfügbarkeit des Wissens, 2. Nutzenzuschreibung dem Wissen gegenüber, 3. Nutzung des Wissens und 4. Integration des Wissens in die Organisation (organisationale Wissensbasis) Wie unsere Ergebnisse bestätigen, nimmt die Intensität der KM-Aktivitäten entlang dieser vier Faktoren kontinuierlich ab. Nur wenn Wissen standortübergreifend tatsächlich verfügbar ist und diesem Wissen innerhalb der Organisation auch ein entsprechender Nutzen beigemessen wird, kann die konkrete Wissensnutzung auf individueller Ebene stattfinden. Die Organisation selbst ist allerdings erst dann in der Lage, zu lernen, wenn das genutzte Wissen durch geeignete Dokumentation (über Strukturen oder Prozesse) in eine organisationalen Wissensbasis einfließt und sich damit gleichermaßen "materialisiert". Über diesen wesentlichen Grundzusammenhang hinaus, konnten durch das vorliegende Forschungsprojekt auf der Prozessebene im Detail auch noch weitere interessante Wechselwirkungen festgemacht werden: Je mehr Wissen auf technischer Ebene verfügbar ist, desto weniger Wissensaustausch findet auf persönlicher Ebene findet. Der Nutzen, der dem standortübergreifendem Wissen insbesondere vom Headquarter der Organisation zugeschrieben wird, hat einen wesentlichen Einfluss auf die Intensität des Wissensaustausches: standortübergreifendes Wissen zeigt sich somit als zentrums-getriebenes Phänomen. Soweit zur vorgefundenen Wechselwirkung der Prozessfaktoren, die allein nicht ausreicht um KM erschöpfend zu erklären. Hinzu kommen auch noch bestimmte Kontextfaktoren - sowohl auf organisationaler als auch auf multinationaler Ebene, von denen die Intensität des Wissensaustausches ebenfalls abhängt. Kontextmäßig gilt: Je relevanter Wissen für das Unternehmen auf strategischer Ebene ist, desto stärker (intensiver) ist auch der standortübergreifende Austausch. Einen positiven Einfluss auf den Wissenstransfer haben Dezentralität sowie die standortübergreifenden Netzwerke, während sich Kontrolle und zentrale Entscheidungsstrukturen negativ auswirken. Die Rolle der Organisationskultur ist eine indirekte: sie wirkt sich über den Partizipationsgrad und den praktizierten Umgang mit Fehlern auf den Wissensaustausch aus. Im Zusammenhang mit organisationskulturellen Normen konnten gerade bei Beratungsunternehmen besonders spannende Zusammenhänge aufgespürt werden KM-Systeme sind für Berater "janusköpfig": Sie nützen und schaden gleichermaßen der "Karriere". Informelle Netzwerke fördern Karriere stärker als kodifiziertes Wissen. Abschließend muss auf ein - auf den ersten Blick für eine angeblich so globalisierte Welt wohl sehr ernüchterndes - Phänomen hingewiesen werden: Geografische Entfernung und gesellschaftliche Distanz erweisen sich trotz modernster Medientechniken als gravierende Hindernisse für einen standortübergreifenden Wissenstransfer. Ein weiteres Schlüsselergebnis unserer Analyse betrifft Englisch als Unternehmenssprache und sollte in weltweit agierenden Konzernen ernsthafte (Nach)Denkprozesse auslösen: Kognitive Limitationen und emotionale Aversionen von MitarbeiterInnen gegenüber Englisch als Unternehmenssprache von MNCs ver- und behindern in entscheidender Weise standortübergreifenden Wissenstransfer.
- Wirtschaftsuniversität Wien - 100%
Research Output
- 25 Zitationen
- 1 Publikationen
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2013
Titel On the different “worlds” of intra-organizational knowledge management: Understanding idiosyncratic variation in MNC cross-site knowledge-sharing practices DOI 10.1016/j.ibusrev.2012.05.001 Typ Journal Article Autor Kasper H Journal International Business Review Seiten 326-338 Link Publikation