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Rekonstruktion des Donau Lebensraumes im Machland 1715-1991

Reconstruction of Danube-Habitats in the machland 1715-1991

Mathias Jungwirth (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P14959
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2001
  • Projektende 31.10.2004
  • Bewilligungssumme 182.631 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (30%); Biologie (30%); Geowissenschaften (30%); Informatik (10%)

Keywords

    DANUBE, FLUVIAL DYNAMICS, MORPHOLOGY, FLOODPLAIN, FISH ECOLOGY, RIVERINE VEGETATION

Abstract Endbericht

Im Rahmen vorliegenden Projektes werden die ursprünglichen Habitatverhältnisse der alluvialen Donau-Landschaft im oö./nö. Machland rekonstruiert. Primäres Ziel dabei ist es, das Wissen über gewässerdynamische Prozesse und Prinzipien der hydrologischen Konnektivität des Fluss-Auensystemes zu vertiefen. Zudem werden die natürlichen Situationen 1715-1821 mit jenen nach Regulierungen (1832-1925) und Kraftwerkserrichtungen (1991) verglichen. Durch die Untersuchungen von Flussmorphologie, Vegetations- und Fischökologie sowie Kulturlandnutzung soll das komplexe Wirkungsgefüge dieses Lebensraumes integrativ analysiert werden. Da an der österreichischen Donau keine naturbelassenen Flussabschnitte mehr existieren, fehlen heute konkrete Informationen bezüglich der ursprünglichen Auenmorphologie und -ökologie weitgehend. Vorliegendes Projekt soll daher dazu beitragen, abiotische und biotische Parameter im Sinne gewässertypspezifischer Referenzverhältnisse für zukünftige Schutzkonzepte und Revitalisierungsmaßnahmen in alluvialen Abschnitten der österr. Donau zu definieren. Zudem sollen dadurch wertvolle Grundlagen für die Beurteilung der "Ökologischen Funktionsfähigkeit" derartiger Lebensräume gewonnen werden. Da 41 historische Vermessungen der ehemaligen Flusslandschaft vorliegen, lassen sich speziell die natürlichen gewässerdynamischen Prozesse vor Beginn der Regulierung (1826) sowohl in kurzen Zeitintervallen von wenigen Jahren, als auch über längere Zeiträume von mehreren Jahrzehnten sehr detailliert analysieren. In einem ersten Schritt werden die ehemaligen flussmorphologischen Verhältnisse anhand historischer Quellen mittels CAD/GIS sowohl zwei- als auch dreidimensional rekonstruiert. Dabei soll neben Parametern des Grundrisses, des Querschnittes und des Längenschnittes auch Umlagerungsvolumina/-flächen sowie die Wasser- Land-Verzahnung ermittelt werden. Auf Basis von Flächenanalysen erfolgt die qualitative und quantitative Modellierung der ursprünglichen Habitatsverhältnisse auf Mesohabitat-Niveau. Durch Auswertung historischer Geländehöhen werden Aussagen über Anbindungen, Vernetzung und Expansion/Kontraktion der Wasserfläche ermöglicht. Darauf aufbauend werden die ursprünglichen fischökologischen Verhältnisse (z.B. Artenvielfalt und Dominanz) auf generellem Niveau rekonstruiert. Anhand der historischen Geländehöhen lassen sich zudem auch die ehemaligen Standortsbedingungen der Auenvegetation ableiten. Durch Analyse der Gewässerdynamik kann unter anderem auf Besiedelungspotential von Rohböden, Entwicklungsstadien und Sukzessionsreihen geschlossen werden. Diese Parameter ermöglichen die Modellierung der räumlichen Verteilung der Pflanzengesellschaften mittels GIS. Untersuchungen zur Nutzung des Donauraumes als Kulturland sollen den Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf das Fluss-Auensystem dokumentieren.

Das Machland-Forschungsprojekt dient der Rekonstruktion der ursprünglichen Lebensraumbedingungen der Donau-Flusslandschaft im ober-/niederösterreichischen Machland vor Beginn der Regulierung (1715 - 1826) sowie der Analyse der durch den Menschen verursachten Veränderungen (1826 - 1991). Die Ergebnisse des Projekts verdeutlichen die hohe Dynamik der Flussarme und des Augebietes, wodurch sich die Lebensbedingungen für die Auenvegetation wiederholt veränderten und Gebüsche sowie Weichholz-Auwälder dominierten. Der ursprüngliche Flusslebensraum begünstigte vor allem jene Fischarten, welche Schotterbett- Gewässer mit hohen Fließgeschwindigkeiten bevorzugen. Da das Augebiet nahe des Hauptarmes häufig überflutet und umgelagert wurde, war eine intensive landwirtschaftliche Nutzung lediglich in den entfernteren Bereichen am Rande des Donau-Augebietes möglich. Flussregulierungen, welche zur Verbesserung der Schiffbarkeit im 19. Jhdt. ausgeführt wurden, sowie die Errichtung von Wasserkraftwerken im 20. Jhdt., führten zu einer weitgehenden Stabilisierung der Flusslandschaft. In Folge dessen unterlagen jene Fisch- und Vegetationsgesellschaften, welche ursprünglich typisch für die Donau waren, einem stetigen Rückgang. Heute spiegeln sich die drastisch veränderten Umweltbedingungen in der Dominanz fortgeschrittener Entwicklungsstadien der Auenvegetation sowie im vermehrten Auftreten von Fischarten, welche die geringere Fließgeschwindigkeit der gestauten Donau bevorzugen, wider. Im Gegensatz dazu profitierte die Landwirtschaft von der Donauregulierung. Dies äußerte sich vor allem durch die intensivierte Landnutzung in den zentralen Bereichen des Augebietes nahe dem Hauptstrom. Die Ergebnisse des Machland-Forschungsprojektes wurden bereits im Zuge der Leitbild-Diskussion ökologisch angepasster Fluss-Auen-Rückbaumaßnahmen in ähnlichen Donauabschnitten und als Grundlagendaten für die Vorausweisung von NATURA 2000-Schutzgebieten herangezogen. Zudem ermöglicht dieses Projekt neue Einblicke in den Gebieten der Umwelt- und Lokal-/Regionalgeschichte, der sozio-ökonomischen Entwicklung von Flusslandschaften über 300 Jahre und stellt wertvolle Informationen für verschiedenste Bildungsaktivitäten (Ausstellungen, Vorträge, Unterrichtsmaterialien, ...) zur Verfügung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Bodenkultur Wien - 100%

Research Output

  • 177 Zitationen
  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2008
    Titel Type-specific reference conditions of fluvial landscapes: A search in the past by 3D-reconstruction
    DOI 10.1016/j.catena.2008.06.004
    Typ Journal Article
    Autor Hohensinner S
    Journal CATENA
    Seiten 200-215
  • 2016
    Titel Die unbekannte dritte Dimension: Geländehöhen, Gewässertiefen und Dynamik österreichischer Donaulandschaften vor der Regulierung
    DOI 10.1007/s00506-016-0323-6
    Typ Journal Article
    Autor Hohensinner S
    Journal Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft
    Seiten 324-341
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Importance of multi-dimensional morphodynamics for habitat evolution: Danube River 1715–2006
    DOI 10.1016/j.geomorph.2013.08.001
    Typ Journal Article
    Autor Hohensinner S
    Journal Geomorphology
    Seiten 3-19
  • 2011
    Titel Spatio-temporal habitat dynamics in a changing Danube River landscape 1812—2006
    DOI 10.1002/rra.1407
    Typ Journal Article
    Autor Hohensinner S
    Journal River Research and Applications
    Seiten 939-955
  • 2012
    Titel The Environmental History of the Danube River Basin as an Issue of Long-Term Socio-ecological Research
    DOI 10.1007/978-94-007-1177-8_5
    Typ Book Chapter
    Autor Winiwarter V
    Verlag Springer Nature
    Seiten 103-122

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