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Standardisierung & Validierung eines Wertehaltungstests

Standardization & Validation of a Test of Values

Walter Renner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P14966
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 05.04.2002
  • Projektende 30.04.2004
  • Bewilligungssumme 82.715 €

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (75%); Soziologie (25%)

Keywords

    VALUES, VALIDITY, MEASUREMENT, LEXICAL APPROACH, STANDARDIZATION

Abstract Endbericht

Ziel der Studie ist die Konstruktion eines psychologischen Tests zur Erfassung von Werthaltungen. Auf der Grundlage des "Lexical Approach" entnahmen 2 Beurteiler einem Lexikon der deutschen Sprache eine erschöpfende Taxonomie menschlicher Werthaltungen. 6 andere Beurteiler überarbeiteten diese Liste, sodass 621 Hauptwörter und 559 Adjektiva resultierten. Diese Begriffe wurden von 194 Personen aus unterschiedlichen Berufen, 144 Frauen und 50 Männern, 127 aus Österreich und 67 aus Deutschland, mit einem Durchschnittsalter von 32 Jahren (SD = 13,1) auf einer 11-Punkte-Skale als Leitmotive im Leben bewertet. Eine Faktorenanalyse ergab 5 für Hauptwörter und Adjektiva identische orthogonale Faktoren, welche 37,2 bzw. 38,7% der Varianz erklärten: (1) Harmonie, (2) Intellektualität, (3) Religiosität, (4) Gesellschaftliche Anpassung, (5) Macht. Gegenwärtig wird daraus ein Test zur Erfassung von Werthaltungen entwickelt, welcher etwa 150 wertebeschreibende Substantiva auf diesen 5 Dimensionen und eventuellen Subdimensionen enthalten soll. In der geplanten Studie soll dieses Instrument zunächst standardisiert werden. Zu diesem Zweck soll ein Meinungsforschungsinstitut beauftragt werden, den Fragebogen einer repäsentativen Stichprobe der österreichischen Bevölkerung (n 1000) vorzulegen. Dann soll die Validität des Instruments bestimmt werden, indem insgesamt 10 Hypothesen in drei Schritten getestet werden. Zunächst soll das Instrument mit 8 anderen Methoden zur Erfassung von Werten verglichen werden (n = 80 Vpn.), zweitens soll geprüft werden, ob das Instrument in der Lage ist, zwischen 6 Gruppen (je n = 30) zu unterscheiden, welche typische Vertreterinnen und Vertreter bestimmter Werthaltungen repräsentieren. Drittens soll festgestellt werden, ob Werthaltungen in der Lage sind, die Bewältigungskapazität in einer Gruppe von (n = 25) Opfern von Gewalt vorherzusagen. Zusätzlich sollen semi-strukturierte Interviews geführt werden, um Werthaltungen auch auf qualitativer Ebene verstehen zu können. Da der Test auf der Grundlage einer erschöpfenden und empirisch erstellten Taxonomie ent-stehen soll, nimmt er für sich in Anspruch, im Gegensatz zu früheren Werteinventaren ein umfassendes Spektrum von Werten abzudecken und möglicherweise für den deutschen Sprachraum kulturspezifisch zu sein. Das Instrument soll sowohl zu Forschungszecken als auch für diagnostische Aufgaben in der Sozialpsychologie, Soziologie und Politikwissen-schaft, aber auch in der klinischen und Gesundheitspsychologie eingesetzt werden.

Der neu entwickelte "Österreichische Wertefragebogen" (ÖWF), welcher aus fünf Skalen (Intellektualität, Harmonie, Religiosität, Materialismus und Konservatismus) und 13 Subskalen besteht, wurde hinsichtlich seiner statistischen Eigenschaften überprüft. Es sollte erprobt werden, ob der Fragebogen tatsächlich erfasst, was er messen soll ("Validität"); weiterhin sollte die Messgenauigkeit ermittelt werden ("Reliabilität") und es sollte festgestellt werden, in welchem Maß bestimmte Gruppen von Werten von verschiedenen Teilen der Bevölkerung befürwortet oder abgelehnt werden ("Standardisierung"). Vier Schritte dienten der Validitätsbestimmung: (1) von einem Umfrageinstitut wurde der ÖWF N = 421 annähernd repräsentativ ausgewählten Personen in ganz Österreich zusammen mit einem etablierten Wertefragebogen und Skalen zur Messung religiöser, politischer und gesundheitsbezogener Einstellungen vorgegeben. Die Hypothesen über die diesbezüglichen Zusammenhänge wurden großteils bestätigt; (2) auch der überwiegende Teil der Hypothesen über typische Wertorientierungen spezieller Bevölkerungsgruppen (je N = 30 Priester und Nonnen, Zivildienstleistende, Studierende der Psychologie und der Wirtschaftswissenschaften, Strafgefangene, AutolenkerInnen, die alkoholisiert gefahren waren) wurde bestätigt; (3) die Erwartung, dass religiöse Menschen traumatische Erfahrungen besser bewältigen, wurde nicht bestätigt; (4) in qualitativen, halb-strukturierten Interviews wurden Zusatzinformationen über die Wertorientierungen einzelner Mitglieder der genannten Gruppen gewonnen. Insgesamt wurden hinsichtlich der Validität des ÖWF ermutigende Resultate erzielt. Die Reliabilität wurde durch dreimalige Vorgabe des ÖWF an identische Gruppen von N = 142 Personen geprüft. Die Latent State-Trait-Analyse ergab für den ÖWF zufriedenstellende Reliabilitäten. Es zeigte sich auch, dass die Bewertungen von Religiosität und Konservatismus über längere Zeiträume stabil bleiben, während die Bewertungen der anderen Dimensionen deutlichen situativen Einflüssen unterliegen. Die Standardisierung zeigte, dass Harmonie, Materialismus und Intellektualität generell höher als Religiosität und Konservatismus bewertet wurden. Junge Menschen befürworteten Materialismus stärker als ältere, das Gegenteil war für Religiosität der Fall. Wählerinnen und Wähler der verschiedenen Parlamentsparteien unterschieden sich deutlich hinsichtlich der von ihnen befürworteten Wertedimensionen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Klagenfurt - 100%

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