Die fiskalpolitische und sozioökonomische Situation der landesfürstlichen Städte und Märkte in den Österreichischen Erbländern im 16. bis 18. Jahrhundert
The fiscal-political and social-economical situation of the principal towns in the Austrian Lands during the 16th and 18th centuries
Wissenschaftsdisziplinen
Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (50%); Wirtschaftswissenschaften (50%)
Keywords
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STEUERGESCHICHTE,
STÄDTISCHES FINANZWESEN,
STADTGESCHICHTE,
LANDESFÜRSTLICHE STÄDTE,
VIERTER STAND,
STÄDTISCHE WIRTSCHAFTSPOLITIK
In den Jahren nach 1740 initiierte Maria Theresia eine weitgespannte Staats- und Verwaltungsreform, die das Steuerwesen der Habsburgermonarchie tiefgehend umgestaltete. Trotz seiner epochalen Bedeutung wurde dieser fiskalische Modernisierungsprozeß bis dato für den städtischen Bereich im speziellen kaum untersucht. Dabei existierten im 17. bzw. 18. Jahrhundert in der "Monarchia Austriaca" mit den Landesfürstlichen sowie den patrimonialen oder herrschaftlichen Städten und Märkten zwei Kategorien von zentralörtlichen Siedlungen. Das Betrachtungsobjekt des Forschungsprojektes bildet erstere Gruppe, die als Teil des Kammergutes von weitreichenden, auf den Fürstenregalen über das Straßen-, Markt-, Maut- und Münzwesen sowie das Kommerziale basierenden Privilegien profitierte. In die Untersuchungen wird der gesamte Zeitraum 1500 bis 1800 miteinbezogen, die im Detail anhand von Primärquellen bearbeitete Periode erstreckt sich auf die Jahre 1650 bis 1800. Als Studienobjekte dienen mit Nieder- und Oberösterreich, Steiermark sowie Kärnten diejenigen Erbländer, die dem Großteil der heutigen Republik Österreich entsprachen. Generell finden dabei sowohl die ökonomischen, sozialen als auch administrativen Funktionen der Städte Berücksichtigung, in Anbetracht der Komplexität des Themenkreises konzentrieren sich die Untersuchungen pars pro toto auf einige besonders forschungsrelevante fiskalische, stadtökonomische sowie ständepolitische Aspekte. Für die Beurteilung der Kernbereiche, die summa summarum die Charakterisierung des Urbanisierungsprozesses in der Ära des Absolutismus gestatten, fällt den zeitgenössischen Steuerakten eine zentrale Bedeutung zu. Diese Operate bieten für jede Kommune Daten über die Häusernutzungen, Gewerbebetriebe, landwirtschaftliche Einkommen, Handel, Finanzgebarung sowie Kommunalausgaben, aus denen sich ein differenziertes Bild der Situation im 17. bzw. 18. Jahrhundert gewinnen läßt. Eine weitere Beurteilungsperspektive bildet die Positionierung "Österreichs" im Vergleich zu Böhmen, Mähren bzw. Schlesien sowie dem übrigen West- und Mitteleuropa.
Obwohl das Steuer- und Finanzwesen einen der wesentlichen Kristallisationspunkte des frühneuzeitlichen Verwaltungsstaates bildete, wurde der Sektor der öffentlichen Finanzen insbesondere für den Bereich der Landesfürstlichen Städte und Märkte des "Vierten Standes" in der österreichischen Forschung bis dato vernachlässigt. Angesichts der unzureichenden Forschungslage konzentrierte sich das Projekt daher auf die erstmalige Publikation und systematische Auswertung des umfangreichen unveröffentlichten Primärquellenmaterials, wobei die möglichst exakte Wiedergabe der statistischen Informationen angestrebt wurde. Um der Komplexität der administrativen Prozesse und der Inhomogenität der Quellen Rechnung zu tragen, beinhaltete die Forschungstätigkeit sowohl systematisch ausgerichtete als auch diachron strukturierte Felder. Der inhaltliche Schwerpunkt lag dabei auf den Themenblöcken "Steuerausschreibungs- und Repartitionsmodalitäten", "Veranlagungsgrößen", "Gesamtsteuerbilanz", "Abgabentypen" sowie "Lokale Steuereinhebungspraxis". Um den komparativen Aspekten des Forschungsfeldes Rechnung zu tragen, wurde so weit als möglich versucht, die Situation im Bereich der liegenschaftsbasierten direkten Steuern in Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Kärnten sowie der Stadt Wien nach vergleichbaren Kriterien zu untersuchen. Im Rahmen der Analyse der Ausschreibungsmodalitäten standen die präzise Definition der veranlagten Steuerobjekte und -subjekte und die Frage nach der Strukturierung des Administrationsapparates auf Landesebene im Mittelpunkt. Darüber hinaus wurde für die einzelnen Länder die Zusammensetzung bzw. Entwicklung des (Halben) "Vierten Standes" als Steuerkörper rekonstruiert. Einen weiteren zentralen Aspekt des administrativ-organisatorisch orientierten Forschungsfeldes bildete die Analyse der für die Aufteilung der direkten Steuern zwischen den Bürgergemeinden üblichen Repartitionsmodalitäten. In bemessungstechnischer Hinsicht befaßte sich das Projekt mit den "Pfundeinlagen" bzw. der vermögenswertbasierten Veranlagung sowie der Entwicklung der "Häusereinlagen" respektive der ansässigkeitsbasierten Abgabenberechnung. Darüber hinaus wurden die 1500 bis 1800 für die bürgerlichen Parteien nachweisbaren direkten Steuertypen hinsichtlich ihrer quantitativen sowie veranlagungstechnischen Entwicklung sowie die "Gesamtsteuerbilanz" der Städte und Märkte als Landstand untersucht. Um den lokalen Spezifika des Steuerwesens in den einzelnen Kommunen Rechnung zu tragen, befaßte sich das Projekt zudem mit den Bemessungs- und Einhebungsmodalitäten auf Kommunalebene. Der gegenwärtige Stand der Forschung mußte dabei in vielen Belangen korrigiert werden.
- Universität Wien - 100%