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Soziales Lernen bei Keas

Social Learning in Keas

Ludwig Huber (ORCID: 0000-0002-0217-136X)
  • Grant-DOI 10.55776/P15027
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2001
  • Projektende 19.01.2005
  • Bewilligungssumme 231.201 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (60%); Psychologie (40%)

Keywords

    SOCIAL LEARNING, KEA, IMITATION, COGNITION

Abstract Endbericht

Soziales Lernen ist der Grundbaustein für das Entstehen von Verhaltenstraditionen ("Kulturen") und wurde daher zu einem Schlüsselthema im Bereich der Kognitions- und Verhaltens-wissenschaften. Für unsere beantragte Studie der Mechanismen und Funktionen von sozialem Lernen möchten wir Keas (Nestor notabilis) als Modell-Tierart verwenden, weil diese Art eine einzigartige Kombination von Vorbedingungen aufweist, die für das Entstehen von sozialem Lernen im Tierreich verantwortlich gemacht werden. Darunter finden sich: komplexer Sozialverband, opportunistischer Generalismus, Futtersuche in der Gruppe, Verhaltensflexibilität, Neugierverhalten, ausgedehnte Abhängigkeit von den Eltern und lange Lebensspanne. Tatsächlich haben wir kürzlich in einem Volierenexperiment eine Reihe von Mechanismen des sozialen Lernens bei Keas finden können. Darunter fand sich auch eine besonders interessante und selten gezeigte Form, Emulation. Hier nun möchten wir Volierenexperimente und Freilandbeobachtungen kombinieren, um funktionale, kognitive und ontogenetische Aspekte integrieren zu können. Die Schlüsselfragen sind: Was ist die Rolle von sozialem Lernen bei der Evolution von Sozialverhalten bei Keas? Welche Funktion hat soziales Lernen bei der Gruppenexploration und beim sozialen Spiel? Was ist die adaptive Signifikanz von sozialem Lernen bei Keas? Welche Mechanismen sozialen Lernens verwenden diese Tiere? Wann entstehen diese Mecahnismen während der Individualentwicklung? Können Keas imitieren?

Das Ziel dieses Projektes war es, empirische Evidenz für Funktion und Mechanismen des sozialen Lernens bei Tieren zu sammeln. Bis heute wurden vor allem ausführliche Laborstudien durchgeführt, in denen untersucht wurde, welche Informationen von einem Tier genutzt werden, um durch Beobachten von einem erfahrenen Artgenossen zu profitieren. Im Gegensatz dazu versuchten wir allgemeiner zu untersuchen, ob unter den Bedingungen des Freilandes soziales Lernen auftritt. Als Studienobjekt wählten wir den Kea (Nestor notabilis), ein neuseeländischer Bergpapagei, der verschiedene Vorbedingungen erfüllt, die für das Auftreten von sozialem Lernen als notwendig erachtet werden. Unsere Untersuchungsmethode bestand darin, freilebenden Keas und Volierenkeas Informationen von einem Artgenossen anzubieten, wie mechanische Probleme zu lösen sind und indem wir danach die Lösungsversuche des Beobachters testeten. Im Gegensatz zu den Volierenkeas versagten frei lebende Keas in unserer Aufgabe. Dies zeigt, dass Abklärungen nötig sind, um die Gültigkeit der Schlussfolgerungen aus Laborbefunden für Feilandsituationen zu gewährleisten. Unsere Analyse des Öffnens von Abfallkübel durch die Vögel bestätigte die untergeordnete Rolle des sozialen Lernens bei freilebenden Keas. Nur wenige Individuen schafften es, die Deckel zu öffnen. Obwohl andere Keas dies beobachteten, waren sie bei eigenen Versuchen nicht erfolgreich. Aufgrund unserer Untersuchungen nehmen wir an, dass eine unterschiedliche Entwicklung in der physikalischen Kognition zwischen Frei- und in Gefangenschaft lebenden Keas zu dem unterschiedlichen Verhalten beiträgt und dass es einen Zusammenhang zwischen sozialem Lernen und physikalischer Kognition (technischer Intelligenz) gibt. Um die technische Intelligenz zu studieren, untersuchten wir deren Entwicklung an Volierenvögel. Wir gaben Keas eine Aufgabe vor, bei welcher sie eine an einer Sitzstange angebundene Schnur hochziehen mussten, um an eine Belohnung zu gelangen. Einzig bei Raben wurde ein ähnlich gutes Lösungsverhalten wie bei den Keas gefunden. Bei anderen technischen Aufgaben versagten die Keas, ähnlich wie es sich in anderen Studien bei Primaten zeigte. Dies weißt auf ähnliche kognitive Dispositionen bei Vogelarten mit großem Hirn und Primaten hin. Die Untersuchung der Lernmechanismen eines Nicht-Säugers im Labor und im Freiland ist wichtig für die Integration von biologischem und psychologischen Erkenntnissen. Das Projekt trägt zu unserem Wissen bei, inwieweit sich die Kognition von Menschen und Tieren unterscheidet, wo Gemeinsamkeiten bestehen und wie diese evolutiv entstanden sind. Das Projekt verbessert unser Verständnis über das Erkundungsverhalten einer Tierart, die weltweit für ihre Neugier bekannt ist, die in Neuseeland aber auch als Problemart gilt, weil sie Beschädigungen an Gütern von Menschen verursacht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 368 Zitationen
  • 4 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel How to solve a mechanical problem: the relevance of visible and unobservable functionality for kea
    DOI 10.1007/s10071-012-0588-5
    Typ Journal Article
    Autor Gajdon G
    Journal Animal Cognition
    Seiten 483-492
  • 2006
    Titel Technical intelligence in animals: the kea model
    DOI 10.1007/s10071-006-0033-8
    Typ Journal Article
    Autor Huber L
    Journal Animal Cognition
    Seiten 295-305
  • 2006
    Titel Limited spread of innovation in a wild parrot, the kea (Nestor notabilis)
    DOI 10.1007/s10071-006-0018-7
    Typ Journal Article
    Autor Gajdon G
    Journal Animal Cognition
    Seiten 173-181
  • 2006
    Titel A case of quick problem solving in birds: string pulling in keas, Nestor notabilis
    DOI 10.1016/j.anbehav.2005.06.018
    Typ Journal Article
    Autor Werdenich D
    Journal Animal Behaviour
    Seiten 855-863

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