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Österreich, Friedrich III. und Burgund

Austria, Frederick III. and Burgundy

Heinrich Koller (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P15038
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2001
  • Projektende 30.09.2005
  • Bewilligungssumme 272.799 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (70%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (30%)

Keywords

    SPÄTMITTELALTER, KOMMUNIKATION, DIPLOMATIE, SOZIALE NETZWERKBILDUNG, KAISER FRIEDRICH III, HERZOG KARL DER KÜHNE VON BURGUND

Abstract Endbericht

Infolge des Todes Herzog Karls des Kühnen von Burgund und der Heirat seiner einzigen Tochter Maria mit Maximilian, dem Thronfolger Kaiser Friedrichs III., kamen 1477 die wirtschaftlich und kulturell blühenden Länder Flandern und Brabant in den Familienbesitz der Habsburger. Damit wurde die Grundlage zur Hegemonie des Hauses Habsburg gelegt. Um dieses wichtige familiär-dynastische und politische Ziel - der Erwerb des Herzogtums Burgund - zu erreichen, bemühte sich Kaiser Friedrich III. mit wechselnden Erfolgen rund 10 Jahre lang (1467-1477). Viele schriftliche Zeugnisse dieser Verhandlungen finden sich im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, dessen Bestände aus dem Hausarchiv der Habsburger gewachsen sind. Bisher wurden im Rahmen der "Regesta Imperii - Regesten Friedrichs III." nur die Bestände bis zum Jahre 1466 erfaßt, deshalb soll ein Ziel des hier beantragten Projekts sein, die systematische Erfassung und Regestierung der Briefe und Urkunden dieses wichtigen Kaisers bis zum Jahre 1477 fortzuführen. Mit dieser grundlegenden Quellenarbeit wird der Zugang zu einem für diese Epoche wichtigen Archiv geöffnet und dient als Grundlage für neue Fragestellungen zur Erforschung des ausgehenden Mittelalters. Das erarbeitete Material soll in diesem Projekt auch als Grundlage für eine Studie über Ablauf und Struktur der Verhandlungen im Vorfeld der habsburgisch-burgundische Heirat dienen, um zu zeigen, wie beide Seiten, rund 10 Jahre lang mit wechselnden Erfolgen, diese Verbindung mit möglichst guten Konditionen erreichen wollten. Gleichzeitig soll auch die politische Kommunikation am Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit untersucht werden, um so das Phänomen zu erfassen, das man heute als "Außenpolitik" bezeichnen würde. Anhand der habsburgisch-burgundischen Gesandtschaften und der daraus resultierenden Schriftstücke sollen die Formen und Funktionen der politischen Diplomatie herausgearbeitet werden. Der Vergleich wird dabei Differenzen und Gemeinsamkeiten in der Diplomatie zweier unterschiedlich entwickelte Kulturen des Spätmittelalters aufdecken und zeigen.Vor allem die formale und inhaltliche Analyse der Gesandtschaftspapiere wird Aufschluß über die verschie-denen Medien der diplomatischen Kommunikation geben, gleichzeitig erfahren wir auch mehr über die Aufgaben, Handlungsspielräume und Erfolge von Gesandtschaften. Mit der Untersuchung der Zusammensetzung der hierbei agierenden Personengruppen sollen die institutionellen Rahmenbedingungen aufgedeckt werden, die es ermöglichten, daß gerade in dieser Zeit sich Netzwerke der adeligen, bürgerlichen und juristischen Eliten entwickelten, die entscheidend am Informationsfluß und an der politischen Entscheidungsfindung in ganz Europa beteiligt waren.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts expandierten die Herzöge von Burgund in Gebiete, die vom Heiligen Römischen Reich lehensabhängig waren. Unter Kaiser Friedrich III. (+ 1493) gab es deshalb zahlreiche Verhandlungen mit Herzog Philipp dem Guten von Burgund (+ 1467) und dessen Sohn Karl dem Kühnen (+ 1477) um ihre Anerkennung als Reichsfürsten. In diesem Zusammenhang sind auch die in den 1460er und 1470er Jahren geführten Verhandlungen über eine Verheiratung des Kaisersohns Maximilian mit der burgundischen Erbtochter Maria zu sehen, denn damit sollten die strittige burgundische Territorialherrschaft legalisiert werden. Durch den überraschenden Tod Herzog Karls des Kühnen und der kurz danach vollzogenen Heirat fielen große Teile Westeuropas an die Habsburger. Sie bildete den Anfang ihrer Hegemoniebestrebungen und eröffneten ihnen den Weg zur Weltmacht. Um diese Entwicklung beschreiben zu können, bedurfte es einer neuen Quellengrundlage. Während der Projektlaufzeit wurden deshalb für den Zeitraum 1464 bis 1472 alle in ausgewählten Beständen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien überlieferten Urkunden und Briefe Friedrichs III. aufgenommen und nach den Maßgaben der "Regesten Kaiser Friedrichs III.", die dem international tätigen und renommierten Großunternehmen "Regesta Imperii" angegliedert sind, erfaßt. Damit wurde die schon in mehreren Bänden vorliegende chronologische Reihung fortgeführt. Entstanden sind so über 500 wissenschaftlich fundierte Regesten, die inhaltlich weit über das Rahmenthema hinausreichen. Das bisher weitgehend unbekannte Material hat eine breite thematische Streuung und bietet neue Forschungsgrundlagen nicht nur für Mittelalterhistoriker und Heimatforscher, sondern interdisziplinär für die Kirchen-, Rechts-, Wirtschafts-, Sozial-, Kunst-, Mentalitäts- und Diplomatiegeschichte. Bald nach Projektende werden zwei, aus den Wiener Beständen resultierende Bände mit Regesten Kaiser Friedrichs III. erscheinen, sowie ein umfangreicher Aufsatzband zum "Außenpolitischen Handeln im 15. Jahrhundert: Akteure und Ziele". In ihm veröffentlichen die Projektmitarbeiterinnen ergänzt durch 14 Beiträge in- und ausländischer Fachkollegen Studien zur Beziehung Friedrichs III. zu Burgund und zur Außenpolitik dieses Kaisers und dessen Sohn Maximilian I.

Forschungsstätte(n)
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