Spätglaziale Gletscherschwankungen: Alpines N-S - Profil
Lateglacial glacier fluctuations: Alpine N-S traverse
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
-
LAST TERMINATION,
ALPINE LATEGLACIAL,
GLACIER FLUCTUATIONS,
PALAEOCLIMATE,
CLIMATIC FLUCTUATIONS,
GLACIER-CLIMATE-INTERACTION
Der Zerfall der eiszeitlichen Gletscher wurde durch Gletschervorstöße unterbrochen, die durch Moränen dokumentiert sind. Ihre Kartierung und ihre Datierung mit den kosmogenen Radionukliden 10Be und 36Cl zeigt zwei Hauptphasen mit gletschergünstigen Bedingungen. Während der ersten Phase vor ca. 16.000 Jahren waren größere alpine Täler noch vollkommen von Gletschern des arktischen Typs erfüllt; das Klima war sehr kalt und sehr trocken. Die Sommer waren 9 bis 11 Grad kälter als heute und die jährlichen Niederschlagssummen lagen bei etwa einem Drittel der heutigen Mengen. Die heutige kanadische Arktis ist ein gutes Vergleichsgebiet für die damaligen Bedingungen in den Alpen. Die Zahl der dokumentierten Gletscher aus dieser Zeit konnte im Norden und Süden des Projektgebiets deutlich erweitert werden. Sie zeigen, daß die Gletscher der Alpen damals nur mehr einen kleinen Bruchteil der Fläche umfassten, die während der Hocheiszeit vor ca. 22.000 Jahren vergletschert war. Während der zweiten Hauptphase vor 12.700 - 11.500 Jahren (Kälteperiode der "Jüngeren Dryas") waren die Gletscher deutlich kleiner als während der ersten Hauptphase. Die Datenbasis umfaßt ca. 180 detailliert dokumentierte Gletscher aus den Nord-, Zentral- und Südalpen. Die Sommer waren etwa 3,5 bis maximal 5 Grad kälter als heute. Der Nordalpenraum war etwas feuchter als heute, während der Zentralraum und der Süden deutlich trockener war. Das läßt auf ein atmosphärisches Zirkulationsmuster schließen, das von West- und Nordwestlagen dominiert war. Gegen Ende der Jüngeren Dryas wurde es deutlich trockener. Die Datierungen zeigen, daß sich diese gletschergünstige Periode noch etwa 500 Jahre in die Nacheiszeit hineinzog, ein Zeitraum, über den man im Alpenraum noch wenig weiß. Die klimageschichtliche Interpretation beruht auf den rekonstruierten Gletschertopographien und Höhen der Gleichgewichtslinie. Ihre Interpretation mit analytischen oder empirischen Gletscher-Klima-Modellen ergibt Werte für Sommertemperatur und Niederschlag. Diese Verfahren können auch verwendet werden, um die Gletscherausdehnung unter anderen klimatischen Bedingungen in der Zukunft zu simulieren. Die Änderung der Massenbilanz eines Gletschers mit der Höhe kann mit Fließmodellen berechnet werden. Sie ist eine wichtige Kenngröße für die klimatischen Bedingungen, unter denen ein Gletscher existiert. Ihre weitere Interpretation mit der Energie- und Massenbilanzgleichung scheint ein sehr brauchbarer Weg zu sein, um Klimainformationen für Zeitabschnitte der jüngsten geologischen Vergangenheit zu bekommen, für die keine anderen klimageschichtlichen Informationen vorliegen.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 763 Zitationen
- 4 Publikationen
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2016
Titel Evidence of central Alpine glacier advances during the Younger Dryas–early Holocene transition period DOI 10.1111/bor.12170 Typ Journal Article Autor Moran A Journal Boreas Seiten 398-410 -
2006
Titel Glacier response in the European Alps to Heinrich Event 1 cooling: the Gschnitz stadial DOI 10.1002/jqs.955 Typ Journal Article Autor Ivy-Ochs S Journal Journal of Quaternary Science Seiten 115-130 -
2009
Titel Latest Pleistocene and Holocene glacier variations in the European Alps DOI 10.1016/j.quascirev.2009.03.009 Typ Journal Article Autor Ivy-Ochs S Journal Quaternary Science Reviews Seiten 2137-2149 -
2008
Titel Palaeoclimate from glaciers: Examples from the Eastern Alps during the Alpine Lateglacial and early Holocene DOI 10.1016/j.gloplacha.2006.07.034 Typ Journal Article Autor Kerschner H Journal Global and Planetary Change Seiten 58-71