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Mittelsteinzeit Ullafelsen

Mesolithic site Ullafelsen

Dieter Schäfer (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P15237
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.12.2001
  • Projektende 30.11.2005
  • Bewilligungssumme 259.183 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (30%); Andere Naturwissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (50%)

Keywords

    STEINZEITFORSCHUNG, SILEX, UMWELTGESCHICHTE, FUNDPLATZAPHONOMIE, HOLOZÄN

Abstract Endbericht

Die Frage des Beginns sowie des Charakters einer nacheiszeitlichen Nutzung alpiner Höhenbereiche des österreichischen Teiles der Ostalpen durch den prähistorischen Menschen entzieht sich zu weiten Teilen noch immer der Kenntnis. Seit der Entdeckung des altmesolithischen Fundplatzes vom Ullafelsen (Staubaier Alpen) im Jahr 1994 beginnt ein allmählicher Wandel dieses Bildes. Mit ihm liegt nicht nur die erste naturwissenschaftliche Datierung eines alpinen Freilandfundplatzes in Österreich vor: Die Vielzahl an Beobachtungen zu den Befunden und Funden am Ullafelsen selbst wie auch zur naturräumlichen Umgebung des Tales erlauben eine sehr komplexe Analyse zu Fragen der klimatischen und geologischen Voraussetzungen der Nutzung des Fotschertales durch die Menschen, der Beginn dieser Nutzung (vor 11.000 bis 10.000 Jahren vor heute) sowie den vor Ort nachweisbaren Tätigkeiten und hierbei verwendeten Geräten. Schließlich wird mit den für die Herstellung dieser Geräte verwendeten Gesteinsrohstoffen auch allmählich klar, aus welchen verschiedenen Richtungen die Menschen nach dem Ende der Eiszeit nördlich und südlich des Alpenhauptkammes aufbrachen, um alpine Höhenbereiche regelmäßig zu nutzen. Das `Projekt Ullafelsen` kann beim derzeitigen Kenntnisstand als gutes Beispiel für die Möglichkeiten eines interdisziplinären Zusammenwirken von Geistes- und Nturwissenschaften dienen.

Der Ullafelsen (Fotschertal, Stubaier Alpen/Tirol) ist der erste und zugleich älteste von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe untersuchte mittelsteinzeitlichen Fundplatz in Österreich. Dieser in den westlichen Zentralalpen weitgehend unerforschte Zeitabschnitt der letzten Wildbeuter (11.000 bis ca. 7.000 Jahre vor heute) ist in mehrfacher Hinsicht von großem Interesse. So stellt sich im Zusammenhang mit dem Rückschmelzen der letzteiszeitlichen Gletscher die Frage nach den Richtungen, zeitlichen Abläufen und Motivationen der (Wieder- )Begehung subalpiner und alpiner Höhenbereiche durch den steinzeitlichen Menschen. Da zudem die kulturelleechnologische Entwicklung während dieser Zeit z.B. (im deutlich besser erforschten) Oberitalien etwas anders verlief, als diejenige im nördlich benachbarten bayerischen Raum, ergeben sich weitergehende Fragen nach der Positionierung westösterreichischer Fundplätze im Rahmen dieser Entwicklung. Schließlich galt es, mittels aufwändiger Ausgrabungs- und Dokumentationstechniken ein hohes Maß an qualitativ hochwertigen Informationen zu erzielen, welche ebenfalls für quellenkritische, räumliche und funktionale Aspekte der Fundplatzanalyse von Bedeutung sind. Die erzielten Ergebnisse konnten wesentlich dazu beitragen, durch die intensive Untersuchung am Ullafelsen eine systematische Mittelsteinzeitforschung in Österreich zu etablieren. Hierzu tragen u.a. folgende Ergebnisse bei: 1) Die erzielten C14-Daten an den bisher entdeckten Feuerstellen (zwischen 9.500 und 10.500 Jahre alt) bilden ein bisher einmaliges Datengerüst zur Urgeschichte der frühen Nacheiszeit im subalpinen Höhenbereich der Zentralalpen. 2) Die Analyse von Holzkohlen aus einigen dieser Feuerstellen erlauben erstmalig Korrelationen menschlicher Siedlungsaktivitäten mit der natürlichen Waldgrenzentwicklung. 3) Die ergrabenen Artefakte haben einen hohen Anteil ferntransportierter Hornsteine/Radiolarite mit dem zugleich weitesten nachweisbaren Transportweg für diese Kulturperiode im circumalpinen Gebiet. 4) Wegen des südalpinen Anteils dieser Gesteine ergeben sich eindeutige Belege für die frühholozäne Überquerung des Alpenhauptkammes. 5) Die in Arbeit befindliche Zusammensetzung von Steinartefakten ergibt zahlreiche Hinweise auf die fundplatzinternen Prozesse und Arbeitsabläufe. 6) Im Rahmen der erstmals kompletten Gebrauchsspurenanalyse an allen Geräten eines mittelsteinzeitlichen Fundplatzes wurden zahlreiche Nachweise organischer Schäftungskittspuren erbracht - bisher einmalig außerhalb von circumalpinen Feuchtbodensiedlungen. 7) Prospektionen und Sondierungen im Fotschertal (und Umgebung) konnten weitere Hinweise für die urgeschichtliche und historische Nutzung des Gebietes erbringen und führten zudem zur Entwicklung eines speziellen Aufnahmesystems, in dem Aspekte der Geologie, der Geomorphologie, der Bodenkunde, der Botanik und der Archäologie zusammengeführt werden. - Online-Informationen: http://www.hochgebirgsarchaeologie.info/

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Ebbe Nielsen, University of Bern - Schweiz

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