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Ballettkompositionen im Kontext der Wiener Klassik

Balletcompositions in context of the Viennese Classic

Sibylle Dahms (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P15270
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2002
  • Projektende 28.02.2006
  • Bewilligungssumme 164.513 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Keywords

    BALLET, STARZER JOSEPH, VIENNESE CLASSIC, INSTRUMENTAL MUSIC, GLUCK CHRISTOPH WILLIBALD, ANGIOLINI GASPARO

Abstract Endbericht

Wien spielt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgrund bahnbrechender Neuerungen auf dem Gebiet des Musiktheaters wie der autonomen Instrumentalmusik eine zentrale Rolle in der Musikkultur Europas. In diesem Kontext trat auch der Bühnentanz in seine entscheidende Entwicklungsphase. Bei den durch die Aufklärung ausgelösten großen Theaterreformen, die ab Mitte des 18. Jahrhunderts - was Oper und Ballett betrifft - vor allem im deutschsprachigen Raum wirksam wurden, spielte Wien eine herausragende Rolle, da es hier zu einer besonders fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Opernreformer Chr. W. Gluck, dem Literaten R. de` Calzabigi und den Choreographen G. Angiolini und J. G. Noverre kam. Erstmals entstand hier eine eigenständige Ballettform, genannt `ballet en action`, die komplette Handlungsabläufe ohne verbale Hilfsmittel (erklärende Texte für die stumme Handlung) auf die Bühne brachte, die allein durch Körpersprache und eine neuartige ausdrucksstarke Instrumentalmusik umgesetzt werden sollte. Diese `redende` Instrumentalmusik - neben Gluck sind hier die österreichischen Komponisten F.Deller, J.Starzer und F.Aspelmayr zu nennen -, die nicht nur für das Ballett, sondern generell für die Entwicklung der Instrumentalmusik der Wiener Klassik von Bedeutung ist, wurde bislang noch nicht systematisch erfaßt und untersucht. Der umfangreichste und repräsentativste Materialbestand findet sich heute im Schwarzenberg-Archiv Krumau (ca. 180 Ballette); weitere etwa 70 Ballette sind über Europa (Deutschland, Italien Dänemark, Polen, Rußland) verstreut. Ziel des Projektes ist die Aufarbeitung des bekannten Quellenbestandes und die Erschließung weiterer damit in Verbindung stehender Referenzquellen sowie deren Auswertung in Hinblick auf Querverbindungen zur Instrumentalmusik der Wiener Klassik. Nach digitaler Erfassung der Noteninzipits sämtlicher Kompositionen mittels eines projektspezifischen Softwarekonzepts sollen einerseits Werkzusammenhänge ermittelbar werden - Werkzerstückelungen und Montage finden im Ballett ebenso wie in der zeitgenössischen Oper; andererseits soll es auf diese Weise gelingen, Zitate und Kompositionsabschnitte aus diesem Quellenbestand in Werken der Wiener Klassik nachzuweisen, was sich bereits in Stichproben erwiesen hat. Die Klärung von Fragen nach Gemeinsamkeiten dieser über ganz Europa verstreuten Quellen Wiener Provenienz (Datierung, Schreiber, Beziehung zu zeitgenössischen Wiener Aufführungen, Inszenierungsfragen etc.) sind überdies Ziel dieses Projektes, das erstmals die systematische Erschließung dieses Quellenbestandes mit Möglichkeiten moderner Computertechnologie unternimmt.

Durch die Projektarbeit konnte ein umfangreicher Bestand an Balletten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts für die Wissenschaft (Musik-, Theater- und Kulturwissenschaft) erschlossen werden, dessen Ausgangspunkt Wien war und der in ganz Europa Verbreitung fand. Diese Ballette waren einerseits unverzichtbarer Bestandteil der Theateraufführungen in jener Zeit, andererseits wurden sie zu wichtigen Impulsgebern für die Entwicklung der autonomen Instrumentalmusik der Wiener Klassik. Die musikalischen Quellen zur Gattung Ballett, die in dieser Form noch nie einer systematischen Untersuchung unterzogen worden sind, konnten systematisch aufgearbeitet werden und stehen nunmehr sowohl der Wissenschaft als auch der Praxis (Theater, Konzert) zur Verfügung. In einer über das Internet zugänglichen umfangreichen Datenbank sind derzeit musikalische Quellen zu 208 Wiener Balletten erfasst. Enthalten sind: 1) Stammdaten (Titel, Sujet, Komponist, Choreograph, Ort und Datum der Uraufführung) 2) zeitgenössischer Aufführungskontext (Theaterchroniken, Journale etc.) 3) Angaben zur Quelle (Bibliothek, Beschaffenheit) 4) musikalische Gestalt der Werke (Satzfolge, Tonart, Taktart, Tempo, Inzipits) 5) Spezialliteratur Die Datenbank bietet eine Vielzahl an Recherchemöglichkeiten, die von einfachen Auskünften (etwa zu Werken bestimmter Choreographen und/oder Komponisten) bis hin zu sehr komplexen kombinierten Suchabfragen reicht. Dabei ist es gelungen, eine Suchfunktion nach musikalischen Inzipits (melodisch-rhythmischen Tonfolgen einzelner Sätze) zu implementieren, die ganz neue Forschungsperspektiven erschließt. So kann im Einzelfall nicht nur die Zuordnung der überwiegend anonym überlieferten Musik zu (Ballett)Komponisten der Wiener Klassik erfolgen, sondern auch der Nachweis der Wiederverwendung in zeitgenössischen Instrumentalwerken erbracht werden. Ergänzt wird die Datenbank durch eine ausführliche Spezialbibliographie zum Forschungsgegenstand und durch eine Personentabelle, in der die mit den Werken in Verbindung stehenden Künstler (Komponisten, Choreographen, Tänzer, Musiker) durch Kurzbiographien erfasst sind. Ein gedruckter Katalog der gesammelten Quellen und Informationen ist geplant und konzipiert. Im Rahmen der Projektarbeiten konnte an der Abteilung Musik- und Tanzwissenschaft der Universität Salzburg ein umfangreiches Spezialarchiv von musikalischen Quellen zum Wiener Ballett des 18. Jahrhunderts angelegt werden, das rund 280 Stimmensätze und Partituren sowie ca. 50 Libretto-Szenarien umfasst und laufend erweitert und ergänzt wird. Dieses Spezialarchiv bildet die Grundlage weiterer Forschungsarbeiten zum dargestellten Themenkomplex, die durch die geplante Errichtung eines Zentrums TheaterKulturen im 18. Jahrhundert gefördert und vorangetrieben werden sollen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

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