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Experimentelles Theater in Österreich 1945-1983

Experimental Theatre in Austria 1945-1983

Ulf Birbaumer (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P15275
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2003
  • Projektende 31.01.2005
  • Bewilligungssumme 122.252 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (15%); Kunstwissenschaften (60%)

Keywords

    THEATERWISSENSCHAFT, ÖSTERREICH, THEATERGESCHICHTE, AKTIONSTHEATER, KULTURWISSENSCHAFT, AVANTGARDE

Abstract Endbericht

Ziel des Projekts "Experimentelles Theater in Österreich 1945 - 1983" ist die wissenschaftliche Aufarbeitung des experimentellen Theaters in Österreich. Zum Untersuchungsgegenstand zählen heimische Produktionen von Gruppen und Künstlern auf dem Gebiet des experimentellen Theaters im Zeitraum vom Ende des 2. Weltkriegs bis zur Arena-Bewegung in Wien 1976 und den daraus resultierenden (kulturpolitischen) Entwicklungen bis 1983, dem Ende der Ära Kreisky. Der interdisziplinäre Forschungsansatz vereint theaterhistorische, medienwissenschaftliche und zeitgeschichtliche Aspekte. Die umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung der Aktivitäten im Bereich des experimentellen Theaters in Österreich soll eine fundierte Darstellung der Wechselbeziehungen, gegenseitigen Beeinflussungen und Vernetzungen zwischen Theatergruppen und Künstlern ermöglichen. Darüber hinaus sollen Dokumente und Materialien aufgespürt und katalogisiert werden, um diese für das österreichische Kulturleben wichtigen Ereignisse vor dem gänzlichen Verlust bzw. Vergessen zu bewahren. Angestrebt wird eine bisher in ihrer Gesamtheit noch nicht erfolgte historisch-kritische Bearbeitung aus theaterwissenschaftlicher Sicht und eine Neubewertung der Relevanz des experimentellen Theaters in Österreich im kulturhistorischen und internationalen Kontext. Eine theaterwissenschaftliche Aufarbeitung des Themenkomplexes Experimentelles Theater erfordert ein Methodenbündel. Die Katalogisierung des Materials wird anhand einer phänomenologischen Analyse, die sich an theatralen Phänomenen orientiert, durchgeführt. Das so geordnete Material wird anschließend mittels der komparatistischen Methode bearbeitet; die einzelnen theatralen Erscheinungsformen werden untereinander und zu politischen, sozialen und kulturellen Geschehnissen der Zeit in Beziehung gesetzt. So wird sichergestellt, dass der Forschungsgegenstand einer intermedialen, intrakulturellen und intersoziablen Betrachtung unterzogen wird. Wo die in der damaligen Zeit aktiven KünstlerInnen noch persönlich über die Geschehnisse Auskunft geben können, ist es sinnvoll, sich der Methode der Oral History zu bedienen. Dadurch kann erstmals ein relevanter Gesamtüberblick geschaffen werden, der die Zusammenhänge einzelner herausragender Phänomene wie etwa des Aktionismus und der Sprach- und Demonstrationskunst der Wiener Gruppe mit weniger bekannten aber nichtsdestotrotz bedeutenden Ereignissen und Persönlichkeiten klärt. Gleichzeitig soll durch die Dokumentation und Archivierung mittels elektronischer Datenträger am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien eine professionelle internationale Anlaufstelle für alle Fragen zum österreichischen experimentellen Theater geschaffen werden. Die Ergebnisse der Studie sollen in einer gesonderten Publikation veröffentlicht werden.

Nach zwei Jahren (2003-2004) intensiver Forschungstätigkeit im Bereich des Experimentellen Theaters in Österreich von 1945 - 1983 kann auf eine Reihe vielschichtiger und unterschiedlicher Materialien verwiesen werden, die unter theaterwissenschaftlichen Aspekten aufgearbeitet wurden. Darunter sind theoretische Schriften (oft als "Manifeste" bezeichnet) ebenso zu finden wie Aufzeichnungen von praktischen Umsetzungen (in seltenen Fällen auch "Stücktexte" - formale Experimente) oder handschriftliche Protokollnotizen. Diese meist in privaten Sammlungen und Archiven aufzuspürenden Primärquellen stellten eine besondere Herausforderung dar. Fotos zählen ebenfalls zu den wichtigsten Quellen, die ausgehoben wurden, Videos hingegen sind erst im Zeitraum ab den 1970er zugänglich, hier jedoch oft bereits Teil eines theatralen Experiments. Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen experimentell theatrale und performative Realisierungen in Österreich, die schließlich auch über die Grenzen hinausführten. Sei es, dass einzelne KünstlerInnen durch ihre Arbeiten Aufsehen erregten (durchaus auch Schockwirkung) und internationale Einladungen bis in die U.S.A. erhielten, sei es, dass sie gerade aus den selben Gründen Österreich "freiwillig" verlassen haben. Innerhalb Österreichs hat sich die zentrale Position von Wien bestätigt. Einen Gegenpol bildete - neben engagierten Einzelerscheinungen wie zum Beispiel dem Theater 107 in Innsbruck oder den Bregenzer Randspielen, Veranstaltungsorten wie Petersbrunnhof (Salzburg), Posthof Linz - Graz mit seinen Dunkelkammer Lesungen wie überhaupt mit dem Forum Stadtpark und der Literatenbewegung in der Steiermark und dem Steirischen Herbst. Dieser war für eine bemerkenswert große Anzahl von Experimentierfreudigen erste öffentliche Präsentationsmöglichkeit. Als besondere Drehscheibe experimenteller Ideen, Einzelpersonen und Gruppen galt das Dramatische Zentrum in Wien, das als Ausbildungsstätte, Trainingszentrum, Experimentierfeld, Kommunikationszentrum, Labor, und Forschungsstätte viele Jahre wichtigster Impulsgeber für die experimentelle österreichische Theaterszene war. Arbeits- und Reisestipendien ermöglichten vielen jungen DramatikerInnen die Entwicklung und Verwirklichung radikaler Ideen und gleichzeitig den Kontakt und Austausch mit der internationalen Szene. Dieser war damals sowohl das Dramatische Zentrum als auch der Schlachthof Arena Gastgeber. Institutionalisiert und geschlossen das eine, wild gewachsen und später verzweigt die andere (Gassergasse, Amerlinghaus, WUK). Diese am Rande "großer" Theaterereignisse stattgefundener Theaterexperimente leben in der Erinnerung einzelner Personen - KünstlerInnen, Drehpunktspersonen, JournalistInnen und ZuschauerInnen. Einige von ihnen standen während des Projekts für ausführliche Gespräche zu Verfügung und unterstützten nicht nur die damalige Szene, sondern auch das Forschungsprojekt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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